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Klotzen, nicht kleckern

Hannes Bahrmann, dpa28. Januar 2003

Die Krise der Medienwirtschaft hat bei vielen großen Medienunternehmen hässliche Spuren hinterlassen. Allein die deutsche Bertelsmann AG hat die Stürme der vergangenen zwei Jahre ziemlich gut überstanden.

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Weltkonzern aus GüterslohBild: AP

Krisenstimmung, wo man sich umhört: Das Medien-Flaggschiff AOL Time Warner ist in Nöten. Die Nummer zwei weltweit, Vivendi Universal, hat zwar den Insolvenzfall abwenden können, steht aber möglicherweise vor der Zerschlagung. Von drei und vier - den US-Konzernen Disney und Viacom - hört man nicht viel außer Führungsproblemen. Wie schafft es also die Nummer Fünf, die Bertelsmann AG aus der ostwestfälischen Provinz, sich elegant über Wasser zu halten?

Der Medienkonzern aus Gütersloh ist nicht an der Börse notiert, deshalb sind die Aktien nicht in den Keller gefallen. Die Schulden sind mit rund drei Milliarden Euro für die Branche noch moderat und fallen im Vergleich zu den erwähnten Wettbewerbern kaum ins Gewicht. Und der Konzernumbau, der bei vielen Konkurrenten dringend ansteht, läuft bereits seit vier Jahren. Das Geld dazu stammt aus Verkäufen, die der frühere Vorstandschef Thomas Middelhoff auf dem Höhepunkt der Internet-Euphorie höchst gewinnbringend realisierte.

Wie ist der derzeitige Stand des Unternehmens?

Bei der Bilanzpressekonferenz Ende März 2003 wird Konzernchef Gunter Thielen vermutlich erneut ein solides Ergebnis vorlegen können. Er hat dazu der Profitabilität oberste Priorität eingeräumt, die Kosten begrenzt, das Portfolio verschlankt und die Dezentralität der Bereiche wieder in den Mittelpunkt gerückt. Alle Bereiche bis auf den Sanierungsfall Direct Group (Buch- und Musik-Clubs) liegen mehr oder minder auf Kurs und machen Gewinn. Einige haben gegen den Trend zugelegt, andere die Folgen der Werbekrise besser verkraftet als ihre Konkurrenten. Ein Sonderfall sind die Fachverlage von BertelsmannSpringer, die zum Verkauf stehen und in den nächsten Monaten möglichst 900 Millionen Euro erlösen sollen.

BMG: Wieder auf dem Vormarsch

Die Bertelsmann Music Group hat unter Führung von BMG-Chef Rolf Schmidt-Holtz eine eindrucksvolle Wende hingelegt. Nach Jahren der Ertragsschwäche weist BMG ausgerechnet in einem schrumpfenden Markt wieder einen respektablen operativen Gewinn aus. Die Marktposition hat sich durch Zukäufe in den letzten Monaten auf Rang drei unter den weltweit größten Unternehmen verbessert, der Marktanteil legte um 20 Prozent zu. Die Zukunft von BMG ist nicht vorhersehbar, weil sich durch Fusionen oder Ausgliederung völlig neue Konstellationen ergeben können.

RandomHouse ist Marktführer

Nach einer Zeit relativer Ruhe ist Bertelsmann auch im Buchbereich wieder höchst aktiv. Weltweit ist die Random-House-Gruppe führend und sie ist derzeit dabei, ihre Position noch weiter auszubauen. In Japan hat Random-Chef Peter Olson gerade mit dem größten Verlag Kodansha ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet. Es ist ein hochinteressanter, aber auch sehr schwieriger Markt - nach den USA der zweitgrößte weltweit. In den USA steht derzeit die Buchsparte von AOL Time Warner zum Verkauf. Damit will der Konzern Schulden abbauen. Der einzige Interessent für die fünftgrößte US-Verlagsgruppe mit den Verlagen Little, Brown & Company und Warner Books ist Bertelsmann.

Auch in Deutschland wird Random House vermutlich zukaufen: Hier steht die Buchgruppe Ullstein Heyne List des Axel Springer Verlages auf der Liste. Das Fernsehgeschäft ist der wichtigste Profitbringer des Konzerns geworden. Deshalb sind die Erwartungen an die RTL Group besonders hoch. Doch Europas führende TV- und Radio-Holding leidet wie alle anderen auch unter den schwachen Werbeumsätzen. Dennoch ist der Umsatz gestiegen und auch der Gewinn dürfte die Konzernzentrale in Gütersloh im Rahmen des Möglichen zufrieden stellen. Ein wichtiger Grund dafür ist der Erfolg der Talentshow "Deutschland sucht den Superstar", der zusätzlich dreistellige Millioneneinnahmen für die RTL Group bedeutet.