Klimasünder Gebäude: Sanierung in der Fabrik
3. Juni 2026
Die klassische Sanierung von Gebäuden ist langsam, teuer und personalintensiv. Inzwischen gibt es dafür aber vielversprechende Alternativen, die sich in der Realität auch schon bewiesen haben.
Deutschland hat das große Problem, dass viele ältere Gebäude einen zu hohen Energieverbrauch haben. Werden sie saniert, sieht das normalerweise so aus: Ein Gerüst steht monatelang rund um das Gebäude, Handwerker bringen per Hand Dämmmaterial an die Hauswand, bauen neue Fenster ein und verputzen die Fassade. Gegebenenfalls wird auch die Technik erneuert und mit Solarmodulen ergänzt. Das Ganze ist allein schon wegen der vielen Handarbeit sehr teuer und die Bewohner leiden monatelang unter Lärm, Schmutz und dem Baustellenverkehr.
Klimaziele: Es wird viel zu wenig saniert
Kein Wunder, dass die Sanierungsrate in Deutschland sinkt und der Anteil erneuerbarer Wärmequellen nur langsam wächst. "In Deutschland sind drei Viertel der 21 Millionen Gebäude ineffizient", sagt Uwe Bigalke von der Deutschen Energie-Agentur (dena), ein bundeseigenes Unternehmen zur Umsetzung von Klimaschutz und Energiewende.
Laut dena seien diese Gebäude nicht oder nur unzureichend saniert und bräuchten damit fünf Mal so viel Energie wie gut sanierte Gebäude. Die Investitionen in Sanierungen seien 2024 so niedrig wie noch nie gewesen, beklagt die Agentur.
Noch wird im Gebäudesektor rund ein Drittel der gesamten Energie in Deutschland verbraucht. Da Deutschland sich das Ziel gesetzt hat bis 2045 klimaneutral zu werden, muss sich in diesem Bereich grundlegend etwas ändern. Rein rechnerisch müssten jeden Tag 2000 Gebäude komplett saniert werden, so Bigalke. Das erscheint schon allein wegen des Fachkräftemangels kaum möglich.
Sanierung in der Fabrik
Bei ecoworks wird Sanierung daher neu gedacht - weg von der Baustelle, rein in die Fabrik und zur Serienproduktion. Ecoworks war nach eigenen Angaben das Unternehmen, das 2019 mit derartiger serieller Sanierung in Deutschland begonnen hat. Das Grundprinzip: Es wird eine zweite Haut aus Fertigelementen rund um bestehende Gebäude gebaut.
Dafür wird das Gebäude zuerst von außen und innen gescannt. Aus diesem 3-D Scan entsteht ein digitaler Zwilling, mit dem sich die Sanierung am Computer planen und optimieren lässt. Die benötigten Bauteile wie Fassaden- oder Dachelemente werden dann industriell in der Fabrik vorproduziert. Dämmung, Fenster, Leitungen und Wohnraumlüftung sind in die Elemente integriert. Damit beauftragt ecoworks den größten Hersteller von Fertighäusern in Europa.
Auch ganze Energiemodule, die die komplette Haustechnik enthalten, wie Wärmepumpen, Warmwasserspeicher, Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung oder die Elektronik für Photovoltaik und Monitoring, werden vorgefertigt.
Am Ende müssen diese Teile nur noch am Gebäude montiert werden. Weil hier Roboter zum Einsatz kommen, braucht es weniger Fachkräfte und die Produktionszeiten sinken.
Die Kosten würden bei serieller Sanierung zwar immer noch über denen einer herkömmlichen Gebäudehüllensanierung mit einer Wärmedämmverbundfassade liegen, sagt Simone Alexia Saiegh von der dena. Allerdings werde dieser Unterschied derzeit "durch einen Zuschuss aus dem BEG-Förderprogramm ausgeglichen, sodass die Umsetzung weiterhin wirtschaftlich ist." Bei ecoworks liegen die Vollkosten eines industriell vorgefertigten Projekts (EH 55 EE) derzeit etwa zehn bis zwanzig Prozent über denen einer herkömmlichen, konventionellen Sanierung (Effizienzhaus 70).
Ziel: Klimaneutrales Wohnen
Zwar dauert das gesamte Sanierungsprojekt durchaus noch ein Jahr, die eigentliche Arbeit am Gebäude verkürzt sich aber auf wenige Wochen.
Da beispielsweise Versorgungsleitungen in der Fassade integriert sind, werden bewohnte Wohnungen nicht mehr wochenlang zur Baustelle. So kann eine etwas höhere Kaltmiete nach der Sanierung durch Energieeinsparungen von 80 bis 90 Prozent kompensiert werden, heißt es bei dena. Damit würde sich die Sanierung quasi selbst finanzieren.
Durch die bessere Dämmung, Fotovoltaik auf dem Dach, Wärmepumpen und integrierter Belüftung kann im besten Fall aus einem CO2-intensivem Haus ein klimaneutrales Gebäude werden.
Weitere Kostensenkungen möglich
Das Marktpotential ist riesig und liegt allein in Deutschland bei 120 Milliarden Euro. Mit zunehmenden Erfahrungen bei serieller Sanierung werden die Kosten weiter sinken, glaubt man bei der dena. Schon jetzt seien die Kosten seit den ersten Pilotprojekten um ein Drittel gesenkt und das Bautempo verdoppelt worden.
Eine Universallösung ist serielles Sanieren aber nicht. Dena schätzt, das nur jedes dritte Mehrfamilienhaus dafür geeignet ist. Dafür lassen sich aber viele öffentliche Gebäude wie Schulen, Verwaltungsgebäude oder Sporthallen seriell sanieren, so Uwe Bigalke.
Auf dem Weg zum Einhorn
Laut dena könnten 25 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr durch den schnellen Markthochlauf serieller Sanierung bis 2045 eingespart werden. Auf diesen Zug sind inzwischen auch andere aufgesprungen. Neben ecoworks bieten etwa 50 Wettbewerber mittlerweile serielle Sanierung an.
Trotzdem wird ecoworks das Potential zugetraut, den Sprung zum sogenannten Unicorn (Einhorn) zu machen, also zu einem Unternehmen, das in den kommenden Jahren mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet wird. So steht das Unternehmen auf der Liste mit den am schnellsten wachsenden, wagniskapitalfinanzierten Technologieunternehmen in Europa, die von mehr als 90 namhaften Wachstumskapitalgebern im Rahmen der Tech Tour Growth 2026 erstellt wird.