Klimaaktivistin Neubauer erhöht Druck auf Siemens | Aktuell Welt | DW | 12.01.2020
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Klimaschutz

Klimaaktivistin Neubauer erhöht Druck auf Siemens

Siemens-Chef Kaeser hat der "Fridays for Future"-Aktivistin Luisa Neubauer einen Posten im künftigen Unternehmen Siemens Energy angeboten. Den will die 23-Jährige aber nicht haben - jedenfalls nicht für sich selbst.

Statt den angebotenen Sitz im Aufsichtsgremium des künftigen Unternehmens Siemens Energy anzunehmen, machte Klimaaktivistin Luisa Neubauer (Artikelbild) Siemens-Chef Joe Kaeser einen anderen Vorschlag: "Ich werde das Angebot persönlich nicht annehmen können, habe aber Siemens darum gebeten, das Angebot an einen Vertreter oder Vertreterin der Scientists For Future weiterzugeben", sagte Neubauer der Deutschen Presse-Agentur. "Wenn der Firma ernsthaft an Klimaschutz und Fridays For Future gelegen ist, wird sie meine Entscheidung respektieren." Bei Scientists for Future sind Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen organisiert, die die Klimaschutz-Bewegung Fridays for Future unterstützen.

Sie kenne das Aktienrecht, begründete Neubauer ihre Entscheidung. "Mit dem Posten wäre ich den Interessen des Unternehmens verpflichtet und könnte Siemens dann nicht mehr unabhängig kommentieren. Das ist nicht mit meiner Rolle als Klimaaktivistin zu vereinbaren." Sie sei dem Pariser Klimaabkommen und dem 1,5-Grad-Ziel zur Begrenzung der Erderwärmung verpflichtet. "Am Beispiel Joe Kaeser sieht man dieser Tage, dass diese unabhängige Rolle dringend gebraucht wird."

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Aktivisten lassen Siemens an Minenauftrag zweifeln

Lukratives, aber umstrittenes Geschäft

Die Diskussion um den Aufsichtsrat-Posten ist nur ein Kapitel in einer Auseinandersetzung zwischen Siemens und den Klimaaktivisten von Fridays for Future. Seit Jahren bekämpfen Umweltschützer das Vorhaben Siemens, eine Zugsignalanlage für ein umstrittenes Kohlebergwerk in Australien zu liefern. Kaeser erklärte, er wolle bis Montag im Vorstand beraten, ob Siemens aus dem unterschriebenen 18 Millionen Euro schweren Vertrag aussteige. "Es ist klar, dass diese Entscheidung nicht einfach ist", sagte Kaeser. Siemens sei dem Vertragspartner und den Aktionären verpflichtet, wolle aber auch der Verantwortung für das Klima gerecht werden.

Siemens-Vorstand Joe Kaeser (picture-alliance/dpa/S. Kahnert)

Noch könnte Siemens-Chef Kaeser sein Unternehmen aus dem Minen-Vertrag herausführen

Neubauer sagte nach einem Gespräch mit Kaeser, dieser wisse "über die desaströsen Konsequenzen der Kohleförderung durch die Adani Mine Bescheid". Er wisse, dass die Emissionen durch die Kohle aus der Mine im schlimmsten Fall das Ziel gefährdeten, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, und die direkten Auswirkungen der Adani Mine für die Umwelt zerstörerisch seien. "Er hat im Gespräch zugegeben, dass es ein Fehler war, den Vertrag mit Adani zu unterschreiben", sagte Neubauer. "Ein CEO wie Kaeser macht dann nicht den zweiten Fehler und hält an einem so katastrophalen Handel fest - sondern revidiert den Fehler."

München Fridays for Future Protest gegen Siemens-Adani Projekt (picture-alliance/Zuma/S. Babbar)

Ein Fridays for Future Aktivist protestiert vor der Siemens-Zentrale in München

Profit oder Klimaschutz

Die Adani Group mit Hauptsitz in Indien will in Australien eines der größten Kohlebergwerke der Welt aufbauen, das aus fünf Untertageminen und sechs Tagebaustätten bis zu 60 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr fördern soll. Die Kohle soll dann nach Indien verschifft und dort in Kraftwerken verfeuert werden.

Das Projekt stößt - auch vor dem Hintergrund der Buschfeuer in Australien - auf erbitterten Widerstand von Organisationen wie Fridays for Future. Sie kritisieren, dass die geplanten Kraftwerke fünfmal so viel Kohlendioxid (CO2) ausstoßen wie Deutschland in einem ganzen Jahr.

"Das kann Siemens nicht machen, gerade als ein Konzern, der bei jeder Gelegenheit betont, wie wichtig ihm das Klima ist", sagte Neubauer. Kaeser müsse auch danach handeln. "Es wird sich zeigen, ob Siemens dem gewachsen ist und mutig genug ist, diese Entscheidung zu fällen." Die australische Regierung steht allerdings hinter dem Mega-Projekt.

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