Klartext von Selenskyj: "Druck auf Russland muss wirken"
16. April 2026
Nach den jüngsten russischen Angriffen auf sein Land hat sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit der Bitte an die Verbündeten gewandt, den Druck auf den Kriegsgegner aufrechtzuerhalten und seinem Land zugesagte Hilfe umgehend zukommen zu lassen. "Der Druck auf Russland muss wirken", so Selenskyj in einem Social-Media-Post. "Eine weitere Nacht hat bewiesen, dass Russland weder eine Lockerung der globalen Politik noch eine Aufhebung der Sanktionen verdient."
Mindestens 13 Tote
Präsident der Ukraine reagiert damit auf neue russische Luftangriffe in der Nacht zu Donnerstag. Dabei sollen im gesamten Land mindestens 13 Menschen getötet worden sein. Unter ihnen sei ein zwölfjähriges Kind, teilten die Behörden mit. Zahlreiche Menschen seien bei nächtlichen Angriffen auf Kyjiw und andere Städte verletzt, etliche Gebäude schwer beschädigt worden. Allein in der ukrainischen Hauptstadt seien vier Menschen ums Leben gekommen, sagte Bürgermeister Vitali Klitschko, unter ihnen sei das Kind.
In Odessa im Süden seien sieben Menschen getötet worden, in Dnipro im Südosten habe es zwei Todesopfer gegeben, teilten die Regionalbehörden mit. Es habe massive Angriffe der russischen Streitkräfte gegeben. Man habe innerhalb von 24 Stunden 31 Raketen und mehr als 600 Drohnen abgefangen, teilte die ukrainische Luftwaffe mit. Aus der nach Kyjiw zweitgrößten ukrainischen Stadt Charkiw im Nordosten des Landes wurden zwei Verletzte durch russische Drohnenangriffe gemeldet.
Ukraine attackiert Hafenstadt am Schwarzen Meer
Die Ukraine verteidigt sich mit westlicher Hilfe gegen die russische Invasion und greift ihrerseits immer wieder Ziele in Russland an. In der russischen Hafenstadt Tuapse wurden nach Angaben der dortigen Behörden bei einem ukrainischen Drohnenangriff zwei Kinder getötet.
Tuapse am Schwarzen Meer ist einer der wichtigsten Häfen im Süden Russlands und dient als Drehscheibe für den Export von Erdölprodukten, Kohle und Düngemittel. Außerdem befindet sich dort eine große Ölraffinerie gleichen Namens, die Rosneft, Russlands größtem Ölproduzenten, gehört.
Eine Stellungnahme der Ukraine zu dem Angriff in Tuapse liegt bislang nicht vor. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben beider Seiten zum Kampfgeschehen nicht.
Fakt ist: Russland überzieht die Ukraine seit mehr als vier Jahren mit einem zerstörerischen Angriffskrieg. Für die weitere militärische Durchhaltefähigkeit der Ukraine ist eine schnelle Freigabe des bislang von Ungarn blockierten 90-Milliarden-Euro-Kredits der Europäischen Union wichtig.
Großes Lob für Deutschland
Nach dem Wahlsieg des ungarischen Oppositionsführers Peter Magyar gibt es Hoffnungen auf eine schnelle Lösung. Die Ukraine werde ihre Verteidigung dann nach der Kreditfreigabe auch auf lange Sicht finanzieren können, hatte zuletzt Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz betont. Der Kanzler hatte den ukrainischen Präsidenten am Dienstag in Berlin empfangen. Anlass des Treffens waren die ersten deutsch-ukrainischen Regierungskonsultationen seit mehr als 20 Jahren.
Vereinbart wurden eine strategische Partnerschaft zwischen beiden Ländern, die Zusammenarbeit bei Drohnen und Luftverteidigung sowie Hilfen für die ukrainische Industrie. Selenskyj äußerte sich bei dem Treffen ausgesprochen positiv über Deutschland. "Der größte strategische Partner in Europa ist ganz sicher Deutschland", sagte er und fügte hinzu, die Bundesrepublik helfe seinem Land heute mehr als die USA.
haz/AR (dpa, rtr, afp)