Kevin Kuranyi: ″Joachim Löw muss jetzt deutliche Worte finden″ | Sport | DW | 19.06.2018
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WM 2018

Kevin Kuranyi: "Joachim Löw muss jetzt deutliche Worte finden"

Ex-Nationalspieler Kevin Kuranyi legt nach der DFB-Auftaktpleite gegen Mexiko den Finger in die Wunde: In seiner WM-Kolumne fordert er mit Marco Reus und Mario Gomez frische Kräfte - und warnt vor einem frühen WM-Aus.

Ich bin in den vergangenen Tagen viel herumgekommen in Russland. Rein in den Flieger, raus aus dem Flieger. Ob Sotschi, Moskau oder St. Petersburg - egal wo ich war, habe ich Einheimische getroffen, die stolz auf diese WM sind. Und alle sind froh, dass die Spiele endlich laufen und die Sbornaja (die russische Nationalmannschaft; Anm. d. Red.) solch einen überragenden Start mit dem 5:0 gegen Saudi Arabien hingelegt hat.

Meine Freude über das bislang angenehme Turnier wurde allerdings am Sonntagabend doch deutlich getrübt. Das war schon ein insgesamt ernüchternder Auftritt der DFB-Elf. Die Mannschaft hat einfach da weitergemacht, wo sie bei den Freundschaftsspielen gegen Österreich und Saudi-Arabien in der Vorbereitungszeit aufgehört hatte. Die Spieler wirkten träge, die Schnelligkeit hat gefehlt, die Power war nicht da. Und die Mexikaner haben das gut gemacht und hätten noch deutlich höher gewinnen können. Der letzte Biss und die Spritzigkeit haben den deutschen Spielern einfach gefehlt.

"Die erfahrenen Spieler müssen jetzt mal auf den Tisch hauen"

Nach solch einer Weltmeisterschaft wie in Brasilien ist es allerdings auch schwer, sich auf ein neues Turnier so vorzubereiten, als hätte es das alte nicht gegeben. Wieder diese Geilheit auf den Titel aufzubauen, wieder alles zu geben für diesen Pokal, den man schon einmal gewonnen hat. Und wenn man dann startet und es funktionieren ein paar Dinge einfach nicht, kommt man schnell ins Grübeln. Gegen Mexiko hatte die Mannschaft unübersehbare Probleme.

Klar ist aber auch, dass es gegen Schweden am kommenden Samstag im zweiten Gruppenspiel so nicht weitergehen kann und darf. Die Mannschaft muss gemeinsam mit Trainer Joachim Löw in dieser Woche eine klare Analyse machen und deutliche Worte finden. Die erfahrenen Spieler müssen jetzt mal auf den Tisch hauen und die jungen Spieler aufwecken - sonst könnte die WM schneller vorbei sein, als es allen Beteiligten lieb sein dürfte. Gegen Schweden muss man ganz vorsichtig sein und ganz schnell zur alten Form finden.  

"Marco Reus soll in die Startelf"

Aber nicht nur die Einstellung der Spieler muss sich deutlich verändern, aus meiner Sicht würden auch personelle Wechsel der Mannschaft gut tun. Marco Reus sollte einen Platz in der Startelf haben und entweder Julian Draxler, Mesut Özil oder auch Thomas Müller ersetzen. Zudem würde ich auch auf Mario Gomez in der Sturmspitze setzen, der auch gegen Mexiko während seiner kurzen Spielzeit schon angedeutet hat, dass er torgefährlich sein kann. Marios große Erfahrung dürfte ihm in dieser angespannten Situation eine zusätzliche Hilfe sein. Ich hoffe, dass die Mannschaft von Jogi Löw wieder zu alter Stärke zurückfinden wird und noch eine gute Rolle bei dieser WM spielen kann.

Kevin Kuranyi begleitet die WM in Russland als DW-Kolumnist und TV-Experte der ARD. Er besitzt drei Staatsbürgerschaften von WM-Teilnehmern: Deutschland, Panama und die seines Geburtsland Brasilien. Für die DFB-Elf hat er 52 Spiele absolviert, wurde 2008 mit ihr Vize-Europameister. Nach einem Zerwürfnis mit Bundestrainer Joachim Löw, das Kuranyi im DW-Interview als "größten Fehler, den ich in meiner Fußballkarriere gemacht habe", bezeichnete, spielte er fünf Jahre lang in Russland und beendete 2017 seine aktive Laufbahn.

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