Meeresschildkröten in Gefahr – Wie Klimawandel und Plastik ihre Zukunft bedrohen
An Kenias Südküste, am Strand von Tiwi, kämpfen Ranger der Tiwi Turtle Police jede Nacht für den Schutz der grünen Meeresschildkröten. Wenn die Jungtiere schlüpfen, beginnt für sie ein gefährlicher Weg ins Meer – nur etwa eine von 1.000 Schildkröten überlebt. Doch der Klimawandel verschärft die Lage dramatisch: 2024 war das heißeste Jahr in Kenia seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Steigende Temperaturen am Strand führen dazu, dass fast ausschließlich weibliche Schildkröten schlüpfen – denn das Geschlecht der Meeresschildkröten wird durch die Bruttemperatur bestimmt. Bei über 29 °C entstehen kaum noch Männchen, was das Fortbestehen der Art gefährdet.
Klimakrise, Mikroplastik und Krankheiten bedrohen die Schildkrötenpopulation
Nicht nur Hitze, sondern auch extreme Feuchtigkeit und Plastikverschmutzung setzen den Nestern zu. Mikroplastik im Sand erhöht die Temperaturen zusätzlich und macht den Boden undurchlässig für Wasser. Das führt zu einer höheren Sterblichkeit im Nest und verschiebt das Geschlechterverhältnis weiter. Forscher:innen der Pwani Universität untersuchen zudem das Chelonid Alphaherpesvirus 5, das durch klimabedingten Stress ausgelöst wird und Tumore bei den Reptilien verursacht. Die Kombination aus Umweltstress, Krankheiten und fehlenden Männchen bringt die Meeresschildkrötenpopulation an ihre Grenzen.
Artenschutz in Kenia – Maßnahmen für die Zukunft der Schildkröten
Die Ranger setzen auf praktische Artenschutzmaßnahmen: Sie schützen Nester mit Sandsäcken vor der Brandung, siedeln gefährdete Gelege um und spenden gezielt Schatten, um die Nesttemperatur zu regulieren. Gleichzeitig sammeln sie Plastikmüll – an einem Tag bis zu 38 Kilo. Die Arbeit von Wissenschaftler:innen und lokalen Helfern zeigt, wie wichtig gezielter Meeresschutz ist. Denn ob die jungen Schildkröten eines Tages zurückkehren, um selbst Eier zu legen, entscheidet sich in ihren ersten Stunden.