Katalanen demonstrieren für ihre Unabhängigkeit | Aktuell Europa | DW | 11.09.2015
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Aktuell Europa

Katalanen demonstrieren für ihre Unabhängigkeit

Mit Großkundgebungen in mehreren Städten machen sich die Katalanen erneut für ihre Unabhängigkeit von Spanien stark. Die Pläne sorgen seit Monaten für Spannungen mit der Zentralregierung in Madrid.

Bei Kundgebungen in Barcelona und anderen katalanischen Städten haben hunderttausende Menschen für die Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien demonstriert. Die örtliche Polizei in der Hauptstadt Barcelona sprach von 1,4 Millionen Teilnehmern an der dortigen Kundgebung, die spanische Regierung gab die Zahl jedoch mit gut einer halben Million an.

In Barcelona liefen die Teilnehmer der Kundgebung in weißen T-Shirts in einem Meer rot-gelber katalanischer Fahnen auf der gesamten Breite einer großen Straße in Richtung Innenstadt. Die Demonstranten skandierten Unabhängigkeitsparolen, stießen laute Pfiffe aus, und einige von ihnen bildeten menschliche Pyramiden - in Katalonien eine Art Volkssport.

Menschenmeer auf der Avinguda Meridiana (Foto: AFP/Getty Images)

Menschenmeer auf der Avinguda Meridiana

Die Kundgebungen am heutigen katalonischen Nationalfeiertag finden nur 16 Tage vor der mit Spannung erwarteten Regionalwahl in der wirtschaftsstärksten Region Spaniens statt.

Die Separatisten um den katalanischen Regierungschef Artur Mas haben die vorgezogene Provinzwahl am 27. September zu einer symbolischen Wahl über ihre Unabhängigkeit erklärt. Im Falle eines Wahlsieges wolle man die Abspaltung von Spanien einleiten, bekräftigte der konservative Mas.

Die Wähler hätten es in der Hand, "die politische Zukunft" zu bestimmen, sagte Mas bei einer Ansprache im regionalen Fernsehen. "Wir hätten uns ein Referendum wie in Québec oder Schottland gewünscht, aber uns blieb als einziger Weg die Organisation dieser Wahlen." Im Falle eines Wahlsieges seiner Partei CDC und ihrer Verbündeten plant Mas Verhandlungen mit der Zentralregierung in Madrid über die Unabhängigkeit von Spanien. Er strebe eine Unabhängigkeit binnen 18 Monaten an, sagte Mas.

Nach jüngsten Umfragen könnten die Separatisten knapp die absolute Mehrheit der Mandate im katalanischen Parlament erreichen.

Spaniens Verfassungsgericht blockiert Unabhängigkeitsbestrebungen

Die Zentralregierung in Madrid betrachtet das Vorhaben als unzulässig und stützt sich dabei auf Entscheidungen des spanischen Verfassungsgerichts. Ministerpräsident Mariano Rajoy betonte mehrfach, seine Regierung werde eine Trennung der Region unter keinen Umständen zulassen.

Im November 2014 hatten sich bei einer symbolischen Volksbefragung in Katalonien gut 80 Prozent der Teilnehmer für eine Unabhängigkeit von Spanien ausgesprochen. Allerdings beteiligten sich lediglich zwei Fünftel der rund 5,5 Millionen Stimmberechtigten. Dennoch hatte das Votum politisches Gewicht - die Stellung der Unabhängigkeitsbefürworter wurde gestärkt.

qu/djo (dpa, afp, rtr)