Kardinal Tumi: ″Frieden in Kamerun hängt vom Präsidenten ab″ | Afrika | DW | 18.11.2020
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Kamerun

Kardinal Tumi: "Frieden in Kamerun hängt vom Präsidenten ab"

Anfang November wurde Kardinal Christian Wiyghan Tumi in Kamerun entführt - mutmaßlich von Separatisten. Im DW-Interview äußert er sich zu seiner Geiselnahme - und der Krise in seiner Heimat.

Kardinal Christian Tumi aus Kamerun

Kardinal und emeritierter Erzbischof Christian Tumi aus Kamerun (Archiv)

Normalerweise gehe es den Entführern um Geld, berichtet der 90-jährige Kardinal Tumi im Interview mit der Deutschen Welle. Jedoch nicht bei ihm. "Sie sagten, sie wollten von mir Informationen über die Regierung. Ich bin kein Mitglied der Regierungspartei. Sie haben also nicht viel von mir bekommen."

Am 5. November war der emeritierte Erzbischof im Nordwesten Kameruns zusammen mit etwa 12 anderen Personen entführt worden. Darunter auch der "König von Kumbo", ein traditioneller Herrscher, der vor vier Jahren aus seinem Heimatdorf geflohen war. Nach einer Nacht in Gefangenschaft wurde Tumi wieder freigelassen, wie das Nachrichtenportal des Vatikans, Vatikan News, mitteilt.

Kern des Konflikts

Nach Medienberichten sollen Separatisten für die Tat verantwortlich sein. Hintergrund ist der anhaltende Konflikt zwischen dem mehrheitlich französischsprachigen Teil Kameruns und der anglophonen Minderheit. Die Bewohner der zwei englischsprachigen Regionen im Westen des Landes fühlen sich seit Jahren gegenüber der französischsprachigen Mehrheit benachteiligt.

2016 befeuerten Pläne der Zentralregierung, das Schul- und Justizsystem zu frankophonisieren, die Proteste. Sie entwickelten sich zu einer Unabhängigkeitsbewegung. Vor drei Jahren erklärten die beiden englischsprachigen Provinzen symbolisch ihre Unabhängigkeit und riefen die Republik Ambazonien aus.

Kamerun Nationaler Dialog in Yaounde

Eröffnungsveranstaltung des Nationalen Dialog vor einem Jahr: Bisher wurde kaum etwas zur Lösung des Konflikts erreicht

Staatliche Sicherheitskräfte reagieren auf die Proteste mit Gewalt. 3000 Menschen sollen inzwischen getötet worden sein. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks sind mehr als 700.000 Menschen innerhalb des Landes auf der Flucht. Sowohl Separatisten als auch der Armee werden schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Der Norwegische Flüchtlingsrat (NRC) bezeichnete den Konflikt in den Jahren 2019 und 2020 als die am meisten vernachlässigte Krise weltweit.

Armee zurückziehen

Kardinal Tumi ruft in dem Konflikt immer wieder zum Dialog auf und wendet sich gegen eine Spaltung des Landes. Nach seiner Ansicht braucht das Land aber keine internationale Vermittlung, um die Gewalt zu beenden. "Was sofort getan werden muss, damit wieder Frieden einkehrt und Schüler in die Schulen gehen können, hängt vom Präsidenten ab", sagt Tumi.  "Die Armee muss sofort in ihre Kasernen zurückkehren", fordert der Kardinal. Dafür reiche eine Anordnung des Präsidenten, der zugleich Armeechef ist.

Paul Biya, der seit 1982 regiert, hat in der Vergangenheit jedoch eine größere Autonomie der englischsprachigen Landesteile abgelehnt.

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