Kann man Mark Zuckerberg glauben? | Politik | DW | 22.05.2018
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Facebook

Kann man Mark Zuckerberg glauben?

Als Kind mochte er Julius Cäsar. Meetings kosten ihn viel Überwindung. Mit 34 Jahren ist er einer der reichsten Menschen der Erde. Mark Zuckerberg gibt sich offen, doch er bleibt ein Phantom.

Was denkt ein Mensch, der schon so jung Multimilliardär ist? An was glaubt jemand, in dessen Hand die persönlichen Daten fast eines jeden dritten Erdenbürgers liegen? Folgt man Zuckerbergs Rhetorik der vergangenen Jahre, geht es darum, die "Technologie zum Guten" zu nutzen. Sie soll dabei helfen, die "Menschen zusammenzubringen", denn das "Internet ist ein Menschenrecht" - der Facebook-Chef beschreibt die Arbeit seines Konzerns gerne mit dieser humanitären Logik.

Noch ein Zitat: "Geld ist mir nicht wichtig." Aber stimmt das? Facebook ist seit der Gründung profitorientiert. Seit 2012 ist das soziale Netzwerk an der Börse gelistet - aktuell mit einem Wert von über 450 Milliarden Euro. Auch Instagram und WhatsApp gehören zum Zuckerberg-Imperium.

USA Mark und Priscilla Zuckerberg mit Tochter (picture-alliance/dpa/Facebook/Courtesy Of Mark Zuckerberg)

"Happy Family" nach der Geburt des ersten Kindes. Zwei Jahre nach Max kam im Jahr 2017 August zur Welt

Er selbst gibt sich auf seiner Facebook ganz zugänglich - genau wie mittlerweile seine Frau Priscilla Chan: ein Video der ersten Schritte von Tochter Max, die Freude über ein weiteres Kind, drei Fehlgeburten - viel Nähe. Und dennoch bleibt Mark Zuckerberg ein Mann voller Widersprüche.

Abgeschottet vom Rest der Welt

Privatsphäre sei nicht mehr zeitgemäß, sagte Zuckerberg 2010. Was die Privatheit seiner eigenen Familie angeht, nimmt es der Facebook-Chef allerdings genauer. Bei seiner Luxusvilla in Palo Alto setzt Zuckerberg auf absoluten Sichtschutz, kaufte deshalb 2016 für 30 Millionen Dollar alle umliegenden Grundstücke auf. Auch sein Anwesen auf der zu Hawaii gehörenden Insel Kauai schützt eine zwei Meter hohe Mauer vor Blicken von außen.

Ähnlich abgeschieden verlief auch die Hochzeitsfeier. Selbst die knapp 100 Gäste waren überrascht. Sie dachten, sie wären zur Uni-Abschlussfeier seiner Frau eingeladen. Wer als fünfreichster Mensch der Erde gilt, der mag gute Gründe haben, sich von den fotohungrigen Paparazzi abzuschirmen. Dass ihm auch die digitale Welt suspekt ist, zeigte sich vor knapp zwei Jahren. Zum 500-millionsten Instagram-Nutzer postete Zuckerberg ein Foto aus seinem Büro. Deutlich darauf zu sehen: das Mikrofon und die Webcam seines Laptops waren überklebt. 

USA Facebook-Chef Mark Zuckerberg klebt die Kamera und das Mikrofon seines Laptops ab (facebook.com/zuck?fref=nf)

Misstrauen gegenüber der digitalen Welt? Zuckerberg klebt die Kamera und das Mikrofon seines Laptops ab

Aus frühen Interviews weiß man: Der heute 34-Jährige ist nicht gerne in der Öffentlichkeit. Schon eine Besprechung zu leiten, "kostet mich jedes Mal Überwindung", sagte er vor zehn Jahren. Einer amerikanischen Journalistin gestand er einmal am Ende eines Gesprächs, bei dem er sein weißes T-Shirt durchgeschwitzt hatte: "Mit der Temperatur hier hat das nichts zu tun. Ich schwitze nur, wenn ich nervös bin."

Vollprofi der Außendarstellung

Es war die Zeit des Mark Zuckerberg in Jeans und (meist) grauem T-Shirt. Der Zuckerberg von heute wurde bis vor kurzem von manchen als Präsidentschaftskandidat gehandelt und trägt in der Öffentlichkeit meistens Anzug und Krawatte. Der Weg dorthin war wohl nicht ganz freiwillig. Denn während Einnahmen und Gewinn von Facebook in den vergangenen Jahren kontinuierlich stiegen, hat das Vertrauen gelitten. Die Verbreitung von Fake News, die mögliche Einflussnahme Russlands bei den US-Präsidentschaftswahlen, die komplizierten Privatsphären-Einstellungen - Facebook galt auch schon vor dem Datenskandal um Cambridge Analytica vielen als Inkarnation des Bösen.

Zuckerberg ist deshalb krisenerprobt und dauerhaft um Schadensbegrenzung bemüht. Er spendet  den Großteil seines Vermögens seiner Stiftung, investiert in Bildungsprojekte. Der Junge, der mit zehn Jahren seinen ersten Computer bekommen hat und ein großer Fan von Julius Cäsar gewesen sein soll, ist heute ein Vollprofi der Außendarstellung.

USA Facebook-Chef Zuckerberg sagt vor Handelsausschuss des Repräsentantenhauses zu Skandal um Missbrauch von privaten Nutzerdaten aus (Getty Images/AFP/J. Watson)

Ein Bild der Reue: Bei der Befragung durch US-Politiker bbietet Zuckerberg wenig Angriffsfläche

Deutlich wurde das bei seiner Befragung durch den Senat vor einem Monat. Zwar war der Nerd von früher gelegentlich an nervösen Mundbewegungen und hektischen Blicken erkennbar. Rhetorisch ging seine Strategie aber auf: Er gab sich voller Reue und umschiffte gekonnt konkrete Zusagen zum Datenschutz. Er macht solche Auftritte nicht gerne, aber er kann es. Das wussten auch schon seine Eltern. "Wir sahen ihn schon als Anwalt mit einer hundertprozentigen Überzeugungsrate bei den Geschworenen", blickt sein Vater 2012 in einem Interview zurück.

"Sie vertrauen mir, die Vollidioten"

Zuckerberg stammt aus einer Kleinstadt in der Nähe von New York. Der Vater Zahnarzt, die Mutter Psychotherapeutin, insgesamt drei Schwestern. "Sagte man Nein zu Mark, musste man schon ein starkes Argument parat haben, mit Fakten, Erfahrungen, Logik und guten Gründen untermauert", so sein Vater Ed. Naivität ist also keine Eigenschaft des Mark Zuckerberg, vielmehr geht er sehr kalkuliert vor.

Mark Zuckerberg als Student 2004 (picture-alliance/Photoshot)

Mit harten Bandagen? Zuckerberg als Student im Gründungsjahr von Facebook 2004

So hält sich auch unnachgiebig das Gerücht, dass Zuckerberg andere Kommilitonen, die damals an der Universität in Harvard an einer Art Facebook gearbeitet haben, massiv getäuscht und behindert haben soll, um an ihrer Stelle mit derselben Idee reich zu werden. Die Attraktivität von sozialen Netzwerken war ihm schon damals bewusst, als er an der Uni mit Facebook die ersten Gehversuche machte. Plötzlich vertrauten ihm Tausende wildfremder Kommilitonen ihre persönlichen Daten an. "Sie vertrauen mir, die Vollidioten", soll er einem Freund geantwortet haben, der sich darüber wunderte. Sollte sich dieses Menschenbild in ihm festgesetzt haben, dann hätten wir eine gewisse Vorstellung davon, was das Phantom Zuckerberg denkt, wenn er vor europäischen Abgeordneten - wie schon vor dem US-Senat - beteuert: "Es tut mir leid".

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