Künstliche Intelligenz: Zukunftsmusik oder bald Realität? | Wirtschaft | DW | 13.11.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz: Zukunftsmusik oder bald Realität?

Künstliche Intelligenz führt auch die Elektroindustrie in ein neues Zeitalter. Sowohl Unternehmen als auch Verbraucher erkennen das Potenzial. Experten fordern einerseits das Vorantreiben, raten aber auch zur Vorsicht.

Elektrofahrzeuge bezahlen ihren Strom an der Ladesäule selbst, Kühlschränke bestellen Milch und Joghurt und Paketboten erhalten digitale Schlüssel für Kofferräume von Autos, um Bücher, Spielsachen oder Schuhe in das Fahrzeug des Kunden zu legen. Das alles sind Beispiele für Anwendungsmöglichkeiten smarter Elektronik. Machbar werden sie durch Datenanalyse-Systeme, die durch Künstliche Intelligenz (KI), also selbstlernende Programme, entstanden sind. Für den korrekten Ablauf sorgt die Blockchain-Technologie. Sie sichert zum Beispiel Verträge und Bezahlsysteme ab. Zu sehen sind diese Ideen, die den Alltag der Verbraucher erleichtern sollen, auf der Fachmesse Electronica vom 13. bis 16. November in München. Erwartet werden 3000 Aussteller aus 50 Ländern.

Künstliche Intelligenz inspiriert derzeit weltweit Unternehmen in fast allen Branchen: Marktforscher sind sich einig, dass KI innerhalb der nächsten zwei Jahre nicht nur von allen Konzernen, sondern auch von mittelständischen Unternehmen genutzt wird. Laut IT-Dienstleister Atos erwirtschaften derzeit Unternehmen der Gesundheitsbranche, Automobilindustrie, der Finanz- sowie Logistikbranchen die größten durch KI generierten Umsätze. Auch der Transportsektor profitiert von der KI-Dynamik: Routenoptimierung und die Überwachung und Wartung von Transportmitteln stehen hier im Mittelpunkt. In der Fertigung wird KI für Produkttests, Qualitätskontrolle und die Optimierung des Mitarbeitereinsatzes angewendet.

Blockchain: "Gefahr einer Monopolbildung erkennen"

Voraussetzung für den effektiven Einsatz von KI sind große Datenmengen. Blockchain kann helfen, dass diese nicht in falsche Hände geraten. Neurophysiker Klaus Holthausen, Vorstand des Startups Teal AI, sieht in der Blockchain den Startschuss für ein neues Zeitalter der Datensicherheit. Die im dezentralen Netzwerk gesicherten Informationen sollen die Datenhoheit zurück in die Hände der Verbraucher geben. Holthausen: "Revolutionär ist der Einsatz smarter Verträge, die automatisch ohne menschliche Aufsicht abgeschlossen werden."

Klaus Holthausen, Vorstand des Startups Teal AI (Teal AI/H. Wardenga)

Der Neurophysiker Klaus Holthausen von Teal AI sieht am Horizont "ein neues Zeitalter der Datensicherheit"

Für den Umgang mit der innovativen Technologie wünscht sich Holthausen noch mehr Engagement und Expertise in der deutschen Industrie und Politik. Denn Technologien bringen nicht nur Chancen mit sich: "Wir müssen die Gefahr einer Monopolbildung, wie aktuell durch Google und Facebook, erkennen." Dafür sei ein besseres Grundverständnis rund um Blockchain notwendig – auch im wissenschaftlichen Bereich: "Wir brauchen Knowhow für aufgeklärte User, die souverän mit der Technik umgehen müssen." Sein Tipp: "Interessensverbände müssen jetzt ihre Macht nutzen, um mehr Transparenz zu erreichen."

Ein Beispiel: Mithilfe der Kryptowährung IOTA will der Automobilzulieferer Bosch die Wertschöpfungskette im Internet of Things (IoT) beeinflussen. Bosch investiert in diese digitale Autorisierungsmethode, mit der autonome Elektrofahrzeuge selbstständig mit dem Betreiber einer Ladesäule abrechnen können. 

Verbesserter Datenschutz als Ziel

Zukunftsmusik oder schon bald Realität? Jeder zweite Bundesbürger geht davon aus, dass die Blockchain-Technologie künftig in seinem Alltag eine wichtige Rolle spielen wird, so ein Ergebnis der diesjährigen Verbraucherumfrage "Eletronica Trend Index". Eine persönliche digitale Identität, die von den Behörden anerkannt wird, und verbesserter Datenschutz gegenüber Plattformbetreibern wie Facebook, Google oder Amazon, gehören laut Umfrage zu den wünschenswerten Zielen.

43 Prozent der Befragten sehen die Blockchain als wichtige Zukunftstechnologie, um den Datenschutz gegenüber Sozialen Netzwerken zu stärken. 49 Prozent der Verbraucher gehen davon aus, dass Banken und Anbieter von Online-Transaktionen durch seriöse Blockchain-Netzwerke ersetzt werden können. 54 Prozent rechnen damit, dass eine fälschungssichere digitale Identität Online-Transaktionen künftig transparent macht. Dabei wird die Technologie so einfach sein wie eine Smartphone-App, vermuten 57 Prozent. "Datenschlüssel als Smartphone-App erlauben es heute schon, digitale Zugriffsrechte sicher zu vergeben", erklärt Klaus Holthausen.

KI-Masterplan "zügig ausarbeiten und umsetzen"

Um alle Player an einen Tisch zu bringen, stehen auf dem diesjährigen Branchentreff in München zahlreiche Foren und Konferenzen auf der Agenda: Zum Beispiel die electronica Automotive Conference (eAC), die electronica Embedded Platforms Conference (eEPC), die electronica Medical Electronics Conference (eMEC) und der Wireless Congress. Mitorganisator ist der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI).

Klaus Mittelbach Vorsitzender ZVEI-Geschäftsführung (ZVEI/ F. Böttcher)

Für Klaus Mittelbach, den Vorsitzenden der ZVEI-Geschäftsführung, sind KI und Blockchain die Schlüssel für die Industrie 4.0.

Für Klaus Mittelbach, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung sind KI und Blockchain Schlüsseltechnologien für die Industrie 4.0: "Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Produktion entscheidet maßgeblich darüber, ob Deutschland seine gute Stellung bei Industrie 4.0 dauerhaft wird halten können." Für die Industrie hat der ZVEI Handlungsempfehlungen in einem Zehn-Punkte-Plan vorgelegt. Der Verband empfiehlt unter anderem, Forschung und Entwicklung nahe der Marktumsetzung zu stärken sowie kleine und mittlere Unternehmen bei der Anwendung zu unterstützen.

Die Stärken konsequenter für den heimischen Standort zu nutzen, sei eine vorrangige industriepolitische Aufgabe. ZVEI-Chef Mittelbach: "Die von der Bundesregierung beschlossenen Eckpunkte des Masterplans Künstliche Intelligenz gehen in die richtige Richtung, müssen jetzt aber zügig ausgearbeitet und umgesetzt werden." Wichtig sei, dass alle Interessengruppen eingebunden werden. "Eine Vorauswahl bestimmter Interessen darf es nicht geben." KI betreffe die Wirtschaft insgesamt und ebenso die Gesellschaft.

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema