Jean-Marie Le Pen verliert Ehrenvorsitz des Front National | Aktuell Europa | DW | 11.03.2018
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Frankreich

Jean-Marie Le Pen verliert Ehrenvorsitz des Front National

Der rechtsextreme französische Front National (FN) hat endgültig alle Bande zu seinem umstrittenen Gründer Jean-Marie Le Pen gekappt. Gleichzeitig bestätigte der Parteikongress Marine Le Pen einstimmig als Parteichefin.

Frankreich - Front National-Gründer Jean-Marie Le Pen (Reuters/G. Fuentes)

Gründer und langjähriger Vorsitzender des Front National Jean-Marie Le Pen (Archivbild)

Die Teilnehmer des Parteikongress in Lille stimmten bei einer schriftlichen Wahl mit fast 80 Prozent für neue Statuten, mit denen das Amt des Ehrenvorsitzenden abgeschafft wird. Dies teilte FN-Vizepräsident Jean-François Jalkh auf dem Parteitag in Lille mit. Das Ergebnis ist nicht notariell bestätigt und lässt sich damit nicht überprüfen.

Mit der Abschaffung des Amts des Ehrenvorsitzenden zieht der FN einen Schlussstrich im jahrelangen Streit um den Kurs der Partei. Le Pens Tochter, die Parteivorsitzende Marine Le Pen, hatte ihren Vater bereits 2015 aus dem FN ausschließen lassen. Grund war unter anderem seine Äußerung, die Gaskammern der Nazis seien ein "Detail" der Geschichte. Dafür wurde Jean-Marie Le Pen mehrfach verurteilt. Seitdem hatte er aber noch den Ehrenvorsitz inne.

Neuer Name - alte Chefin

Um den Ausschluss und den Ehrenvorsitz lieferten sich Jean-Marie Le Pen und seine Tochter danach einen jahrelangen Streit vor Gericht. Marine Le Pen hatte den Parteivorsitz 2011 von ihrem Vater übernommen, der dem FN fast 40 Jahre lang vorstand. Seitdem fährt sie einen Kurs der "Entdämonisierung", um die Partei für breitere Wählerschichten zu öffnen.

Dazu soll auch eine Umbenennung des Front National beitragen. Er soll nach dem Willen der Vorsitzenden künftig Rassemblement National heißen, da die jetzige Bezeichnung "zu militärisch" klinge. Das könnte auf den neuen Namen jedoch ebenfalls zutreffen. Denn im Französischen bedeutet "Rassemblement" nicht nur "Vereinigung", sondern - je nach Zusammenhang - auch "Aufmarsch". Die Mitglieder sollen nun per Briefwahl entscheiden, ob ihre Partei tatsächlich so heißen soll.

Parteitag Front National in Lille (picture alliance//MAXPPP/dpa/P. Pauchet)

In ihrer Partei unumstritten: Marine Le Pen

Der Parteikongress bestätigte Marine Le Pen mit 100 Prozent der gültigen Stimmen im Amt, wie die Parteispitze mitteilte. Die 49-jährige Populistin war die einzige Kandidatin für den Posten. Le Pen, gegen die seit längerem drei Ermittlungsverfahren der französischen Justiz laufen, geht damit in ihre dritte Amtszeit. An dem FN-Kongress in Lille konnten jedes Parteimitglied teilnehmen, das sich zuvor angemeldet und zehn Euro bezahlt hatte.

ww/jj/sti (afp, dpa)

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