Japanischer Top-Politiker bringt Olympia-Absage ins Spiel | Sport | DW | 15.04.2021
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Olympische Spiele in Tokio

Japanischer Top-Politiker bringt Olympia-Absage ins Spiel

Eine Absage der Olympischen Sommerspiele in Tokio in diesem Sommer ist offenbar doch noch nicht vom Tisch. Toshihiro Nikai, die Nummer 2 der japanischen Regierungspartei LDP, befeuert die Debatte nun erneut.

Kaum ist die 100-Tage-Marke bis zum geplanten Start der Olympischen Sommerspiele in Tokio unterschritten, sorgen Äußerungen eines hochrangigen japanischen Politikers für neue Unruhe. "Wenn die Spiele unmöglich sind, sollten sie abgesagt werden", sagte Toshihiro Nikai, Generalsekretär der regierenden Liberaldemokraten, in einer Fernsehsendung. "Machen Olympische Spiele wirklich Sinn, wenn sie für die Verbreitung von Infektionen verantwortlich sind? Wir werden an diesem Punkt eine Entscheidung treffen müssen."

Mehr als 70 Prozent gegen Spiele im Sommer

Nikai schob zwar noch nach, dass die Spiele eine "große Chance" für Japan seien, doch vermochte dies die Sprengkraft seiner vorherigen Aussage nicht mehr abzumildern. Der Politiker ist schließlich die Nummer zwei der Partei von Ministerpräsident Yoshihide Suga, sein Wort hat in der LDP Gewicht. Nikai gilt als Mann klarer Wort und spricht möglicherweise aus, worüber andere nur hinter vorgehaltener Hand tuscheln.

Japan Toshihiro Nikai

Toshior Nikai, ein Mann klarer Worte

Mit seiner Aussage über eine immer noch mögliche Olympia-Absage trifft der Liberaldemokrat auch die allgemeine Stimmungslage in Japan. Laut einer neuen Umfrage der Nachrichten-Agentur Kyodo sind mehr als 70 Prozent der Japanerinnen und Japaner dagegen, die Spiele wie geplant vom 23. Juli bis 8. August auszutragen: 39 Prozent sprachen sich dafür aus, die Spiele ganz abzusagen, 33 Prozent plädierten dafür, die Wettbewerbe erneut zu verschieben. Auf Twitter wurde in Japan der Hashtag "CancelingOlympics" (Olympische Spiele absagen) zum Trend. Rund 300.000 Tweets mit den Hashtag gab es alleine am Donnerstag. 

Infektionskurve steigt

Am Vortag hatte John Coates, Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), eine Verschiebung oder Absage der Spiele in Tokio erneut ausgeschlossen. Die Spiele würden "wie geplant" stattfinden, sagte Coates in einer Videobotschaft des IOC. "Die Athleten, die olympische Bewegung, die Organisatoren und das japanische Volk werden zeigen können, dass es ein Sieg der Menschheit über die Pandemie ist."

Die Zahl von rund 5500 Corona-Neuinfektionen pro Tag in Japan ist im internationalen Vergleich zwar noch eher niedrig, doch die Infektions-Kurve steigt seit Mitte März wieder kontinuierlich an. Laut japanischen Medienberichten wurde im Rahmen einer für Anfang Mai geplanten Olympia-Testveranstaltung in Sapporo ein 10-Kilometer-Lauf abgesagt - mit Verweis auf das Corona-Risiko. 2500 Teilnehmer hatten sich dafür angemeldet.

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