James Cook: Wie ein Entdecker die Welt veränderte | Kultur | DW | 27.08.2018
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Entdecker

James Cook: Wie ein Entdecker die Welt veränderte

Vor 250 Jahren startete Kapitän James Cook seine erste Reise in den Südpazifik. Diese Expedition und zwei weitere Reisen sollten die Welt verändern: Die südliche Hemisphäre eröffnete ungeahnte Möglichkeiten.

Es ist 1768. Die Briten sind fasziniert von Erzählungen über ein Land, das sich im Südpazifik befinden soll. In der geheimnisvollen Südsee, die damals noch völlig unbekanntes Terrain ist. Man vermutet dort einen riesigen Kontinent.

Der königliche Kartograf und Entdecker im Auftrag der britischen Admiralität, Kapitän James Cook, soll eine Expedition ins unbekannte Gebiet zusammenstellen. Der offizielle Auftrag: Die Bahn des Planeten Venus zwischen Sonne und Erde zu berechnen. So erhofft man sich, die exakte Entfernung von der Erde zur Sonne und den Planeten bestimmen zu können. 

Captian James Cooks Endeavour unter Segel auf dem Meer (picture-alliance/Mary Evans)

Die "Endeavour" vor der Ostküste Australiens

In einem geheimen Umschlag, den Cook erst auf See öffnen darf, steckt der wahre Auftrag der Reise: Den sagenhaften Kontinent "Terra Australis" in der Südsee zu finden. Am 26. August 1768 sticht Cook mit seinem berühmten Schiff, der "Endeavour", in See.

Die Welt des Südpazifik festgehalten

Cook und seine Mannschaft entdecken keinen neuen Kontinent. Aber sie erreichen auf ihrer ersten Reise die Küsten von Feuerland, Tahiti, Neuseeland und die Ostküste von Australien, damals noch "Neuholland" genannt. Jede Begegnung, jedes unbekannte Tier, jede Pflanze wird präpariert und in Zeichnungen festgehalten - mit an Bord sind extra dafür bestellte Zeichner und Wissenschaftler. Cook selbst kartografiert die Landmassen und erstellt erstaunlich präzise Landkarten.

Auf ihren Reisen legen Cook und seine Crew den Grundstein zum späteren britischen Kolonialismus. Dessen Auswirkungen sind bis heute in der Region deutlich spürbar.

James Cook erreicht Tahiti, kolorierter Stich. Cook und seine Männer stehen mit fernrohr am Bug ihres Schiffes und betrachten das Ufer, vor ihnen im Wasser kleine Boote mit grüßenden Eingeborenen (picture-alliance/akg-images)

Cook erreicht Tahiti

Die Reisen

In einer Ausstellug in London gibt es seit April die Zeugnisse dieser Reisen zu sehen: Bilder, Stiche, Artefakte wurden für die British Library zusammengetragen. Ebenso die vielen Geschenke, die Cook von seinen Reisen aus den fernen Ländern mitgebracht hat.

Obwohl Cooks erste Reise so erfolgreich war, gibt sich die britische Öffentlichkeit nicht zufrieden mit dem Ergebnis - schließlich ist der sagenumwobene Kontinent noch nicht gefunden worden. 1772 brechen zwei weitere Schiffe auf, um den Südpazifik zu erkunden.

Drei Jahre lang durchkämmt Cook den Ozean, steuert hin und her, entdeckt und kartografiert weitere Inseln und überquert dreimal den südlichen Polarkreis. Jetzt kann er beweisen, dass es in der Region keinen Kontinent mehr gibt - nur Wasser, ein paar Inseln und Richtung Südpol sehr viel Eis. Dass sich unter dem Eis der Antarktis riesige Landmassen verbergen, wird erst etwa 50 Jahre später entdeckt. 

James Cooks Zeichnung von Neuseeland. (The British Library Board)

Cooks Zeichnung von Neuseeland

Zurück in England ist Cook ein berühmter Mann. Er hat einen guten Posten und ist selbst Mitglied der Royal Society. Dennoch hält es ihn nicht lange in seiner Heimat. Nach nur einem Jahr sticht er erneut in See. Diesmal mit dem Ziel, die Nordwestpassage zu erkunden, eine Verbindung zwischen Atlantik und Pazifik im nördlichen Polarmeer. Dazu nimmt er zunächst seine übliche Route: die Südküste Afrikas, das Kap der Guten Hoffnung, vorbei an Australien, Neuseeland, Tahiti und dann Richtung Norden.

Dabei stößt er mitten im Pazifik auf mehrere von Menschen bewohnte Inseln, unter anderem das heutige Hawaii, dem er den Namen "Sandwich-Inseln" gibt - zu Ehren von Lord Sandwich, dem britischen Marineminister. Er wird freundlich empfangen - es heißt, man habe ihn für einen Gott gehalten. Die Seeleute genießen den Aufenthalt - auch aufgrund der sexuellen Freizügigkeit der weiblichen Gastgeber.

Captain James Cooks Ende: Gemenge am Strand, Menschen schießen aufeinander und kämpfen, im Miitelpunkt Cook, auf den eingestochen wird - Radierung. (14. Februar 1779) (public domain)

14. Februar 1779: Cook wird umgebracht

Das Ende im Paradies

Bald nimmt er weiter Kurs auf die Beringstraße und kann bis ins Nordpolarmeer vordringen. Das Packeis aber macht ihm einen Strich durch die Rechnung. So geht es wieder nach Süden - zurück ins paradiesische Hawaii, um dort zu überwintern.

Doch die Stimmung zwischen den Fremden und den Eingeborenen kippt; die Seeleute haben die Gastfreundschaft langsam aber sicher überstrapaziert. Cook und seine Leute reisen ab, müssen aber nach einem Mastbruch zurückkehren. Spätestens jetzt zerbröckelt das vermeintliche Gott-Bild. Hawaiianische Krieger provozieren Cook, bis er bei einem Handgemenge um sich schießt. Daraufhin wird er grausam getötet. 

Captain James Cook in Neusüdwales 1770, Radierung, Cook und seine Seeleute stehen am Ufer (imago)

Cooks Ankunft in Neusüdwales (Australien) 1770

Umstrittene Geschichte

So sehr James Cook auch für seine Entdeckerfahrten bewundert wird: Für die indigenen Völker waren die Reisen des Engländers das Ende der Freiheit und Selbstbestimmtheit. Mit dem folgenden britischen Kolonialismus begann die Enteignung und Vertreibung der Ureinwohner im Südpazifik. 

Jedes Jahr am 26. Januar feiert Australien den "Australia Day" - es ist der Tag, an dem 1788 die ersten britischen Siedler angekommen sind - mehr als 700 Strafgefangene, die man ans Ende der Welt "zwangsversetzt" hat. Es ist Australiens Nationalfeiertag. Sehr zum Missfallen der Ureinwohner. Die Aborigines bezeichnen den Tag auch als "Invasion Day". Mit ihm begann die Herrschaft der "whitefellas", des weißen Mannes. Die folgenden 200 Jahre rassistischer Politik und eingeschränkter Bürgerrechte sind für die rund 600.000 Ureinwohner kein Grund zum Feiern.

Australische Aborigines sitzen vor armseligen Zelten auf dem Boden und gucken in die Kamera. (Getty Images/P.C. Poulsen/Hulton Archive)

Diskriminiert, verdrängt und vernachlässigt: Australiens Aborigines (um 1880)

Sie wehren sich auch gegen die allgemein gültige Tatsache, dass James Cook den Kontinent entdeckt habe. Immerhin lebten die Ureinwohner schon viele tausend Jahre vor Cooks Ankunft in Australien. 

In den vergangenen Jahren wurden Cook-Statuen in Sydney und Melbourne mehrmals beschädigt - aus Protest gegen die Feierlichkeiten zum Jahrestag der britischen Besiedlung und einer in den Augen der Aborigines falschen australischen Identität.

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