Jürgen Klopp: Wunsch-Bundestrainer und "Heilsbringer"?
3. Juli 2026
Er war schon mehrfach der Wunschkandidat, aber bisher klappte es nicht mit einer Verpflichtung von Jürgen Klopp als Bundestrainer. 2021, als der Deutsche Fußballbund (DFB) einen Nachfolger für Joachim Löw suchte, war Klopp noch an den FC Liverpool gebunden und stand nicht zur Verfügung.
Auch zwei Jahre später, als Löw-Nachfolger Hansi Flick abgelöst wurde, stand Klopp noch bei den "Reds" unter Vertrag. So wurde damals Julian Nagelsmann neuer Bundestrainer, den Klopp nun - nach dem frühen Aus gegen Paraguay bei der Fußball-WM und dessen Rücktritt - beerben soll.
Mittlerweile ist Klopp nämlich nicht mehr in Liverpool, sondern als "Head of Global Soccer" bei Red Bull angestellt - laut Vertrag bis 2029. Mit dem Getränkekonzern soll es aber eine mündliche Absprache geben, dass Klopp zum DFB wechseln darf, wenn ein Angebot kommt, den Bundestrainer-Posten zu übernehmen.
Unvorbereitet auf die Trainerbank beim FSV Mainz
Dort würde Klopp einmal mehr in die Rolle des "Heilsbringers" schlüpfen, wie es schon öfter in seiner Trainerkarriere der Fall war. Die begann im Februar 2001 - überstürzt, unvorbereitet und überraschend, wurde aber dennoch zur Erfolgsstory. Klopp war damals mit 33 Jahren einer der älteren Spieler bei Zweitligist FSV Mainz 05, der nach der Hälfte der Saison auf einem Abstiegsplatz stand.
Da das Geld für einen neuen Trainer knapp war, kam Manager Christian Heidel nach Gesprächen mit der Mannschaft auf die Idee, Klopp zum Trainer zu befördern - zunächst als Übergangslösung. Der war sportwissenschaftlich ausgebildet, besaß die Trainer-A-Lizenz und sollte ohnehin irgendwann nach seiner Karriere ins Trainerteam eingebunden werden. Nun endete seine Spielerkarriere abrupt und eine Trainerlegende wurde geboren.
Zunächst verhinderte er den Abstieg in die 3. Liga, scheiterte dann zweimal knapp am Aufstieg und führte den Klub schließlich 2004 im dritten Anlauf erstmals in die Fußball-Bundesliga. Nach dem Abstieg im Sommer 2007 und dem knapp verpassten Wiederaufstieg ins Fußball-Oberhaus in der folgenden Saison, verabschiedete sich Klopp aus Mainz. Insgesamt 18 Jahre lang war er hier Spieler und Trainer.
"Alles, was ich bin, alles was ich kann, habt ihr mich werden lassen. Das ist die Wahrheit", rief er damals unter Tränen den 30.000 Menschen zu, die sich auf dem Mainzer Marktplatz versammelt hatten, um die Mannschaft zu feiern und ihm Lebewohl zu sagen.
Bayern-Schreck: zweimal Meister mit dem BVB
Klopp wechselte zu Borussia Dortmund - seinem nächsten erfolgreichen Engagement. Allerdings dauerte es auch hier ein wenig, bevor sich der "Klopp-Zauber" komplett entfaltete. Als er 2008 zum BVB kam, erholte sich der Klub nämlich noch von der Fast-Pleite einige Jahre zuvor.
Also gab Klopp die Maxime aus: keine Stars kaufen, sondern selbst welche machen! Und es klappte: 2011, im dritten Jahr, wurde der BVB mit "Kloppo" Deutscher Meister, 2012 wiederholte man diesen Erfolg und gewann sogar das Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal-Sieg.
Dieser Dortmunder Doppelerfolg - verbunden mit dem verlorenen Champions-League-Finale 2012 in München - triggerte die Bayern und deren Vereinsboss Uli Hoeneß so sehr, dass sie ihr Team massiv verstärkten und in den kommenden Jahren auch dem BVB mit Mario Götze, Robert Lewandowski und Mats Hummels einige Stars wegkauften.
Die Konkurrenz war geschwächt, der FC Bayern unangreifbar - von 2013 bis 2023 ging die Meisterschaft elfmal in Folge nach München. Man könnte sagen, dass Klopps Erfolg mit dem BVB daran zumindest eine Mitschuld trug.
"The Normal One" als Liverpooler Vereinsikone
Allerdings erlebte Klopp den größten Teil dieser Phase nicht mehr in der Bundesliga. Zwar folgten 2013 und 2014 noch zwei Vizemeisterschaften, aber in der Hinrunde der Saison 2014/2015 der Absturz auf einen Abstiegsplatz. Klopp zog die Konsequenzen und kündigte frühzeitig zum Ende der Saison seinen Abschied aus Dortmund an.
Eigentlich wollte er ein "Sabbatjahr" einlegen und sich eine längere Pause gönnen, doch sie dauerte nur fünf Monate. Im Oktober 2015 wurde Klopp als neuer Teammanager des FC Liverpool vorgestellt. Angesprochen auf den Ausspruch "I'm the Special One" des portugiesischen Star-Trainers José Mourinho, antwortete Klopp: "Ich war ein durchschnittlicher Spieler, und in Mainz habe ich als durchschnittlicher Trainer angefangen. Man könnte sagen: I'm the Normal One."
Zunächst war er allerdings auch "The Losing One", denn er verlor alle entscheidenden Spiele: 2016 das League-Cup-Finale und das Endspiel der Europa League. Auch im Champions-League-Finale 2018 gegen Real Madrid zogen Klopp und der LFC den Kürzeren. Zudem musste man sich 2018 nach einer furiosen Premier-League-Saison im Rennen um den Meistertitel knapp Manchester City geschlagen geben.
Schließlich aber - nach der üblichen Klopp'schen Anlaufzeit - ging sein Stern auch in Liverpool auf: Zunächst gewann er mit den "Reds" 2019 die Champions League. Ein Jahr später holte Liverpool - nach 30 vergeblichen Versuchen - erstmals seit 1990 wieder die Meisterschaft.
Abgang aus Liverpool als Vereinsikone
Klopp war bei den Fans der "Reds" nun endgültig unsterblich und zum dritten Mal nach Mainz und Dortmund zur Trainerlegende geworden. Den Meistertitel widmete er den Fans des FC Liverpool und verkündete: "Meine Botschaft lautet: Das ist für euch."
Danach - wie schon beim BVB - konnten Klopp und seine Mannschaft nicht mehr an die ganz großen Erfolge anknüpfen. Schließlich kündigte er 2024 seinen Rücktritt zum Ende der Saison an.
"Mir geht die Energie aus", sagte er. "Ich weiß, dass ich den Job nicht immer und immer wieder machen kann." Allerdings - aus Treue und Verbundenheit zum FC Liverpool, gab er auch bekannt, nie wieder für einen englische Klub zu arbeiten.
Von Red Bull zurück auf die Trainerbank?
Einen Knacks erlitt Klopps Ansehen bei vielen Fans - besonders bei denen seiner bisherigen (Traditions-)Vereine - als er sich im Oktober 2024 Red Bull anschloss. "Nach fast 25 Jahren an der Seitenlinie könnte ich nicht aufgeregter sein, mich an einem Projekt wie diesem zu beteiligen", gab er damals bekannt.
Was genau Klopps Rolle war, wurde nach außen allerdings nie ganz deutlich. Negativ bewertet wurde sein Einfluss bei der Entlassung von Ole Werner, der im Sommer als Trainer von RB Leipzig gehen musste, obwohl er den Klub auf Rang drei geführt hatte.
Nun geht offenbar auch Klopp weg von Red Bull und übernimmt den - wie man sagt - wichtigsten Trainerposten im deutschen Fußball. Ob er auch als Bundestrainer funktioniert, als Menschenfänger, Spielertrainer und Liebling der Fans, der - wenn schon nicht mit herausragenden Ergebnissen, dann mit seiner ehrlichen, offenen Art und originellen Sprüchen - überzeugt und erfolgreich ist, muss sich zeigen.
Die übliche Anlaufzeit bliebe ihm diesmal nicht unbedingt. Im September startet direkt die Nations League, im März 2027 die EM-Qualifikation und in nicht ganz zwei Jahren ist mit der Europameisterschaft 2028 in England, Schottland, Wales und Irland schon das nächste große Turnier.