IWF senkt Prognosen wie noch nie - Weltwirtschaft vor dramatischer Rezession | Wirtschaft | DW | 14.04.2020
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Corona-Folgen

IWF senkt Prognosen wie noch nie - Weltwirtschaft vor dramatischer Rezession

Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet wegen der Coronavirus-Pandemie in diesem Jahr mit einer globalen Rezession - noch schlimmer als nach der Finanzkrise vor einem Jahrzehnt.

Der Internationale Währungsfonds hat wegen der Corona-Krise seine Schätzungen für die Weltwirtschaft innerhalb weniger Monate so stark gesenkt wie nie zuvor. "Die Welt hat sich in den vergangenen drei Monaten dramatisch verändert", hieß es am Dienstag im IWF-Weltwirtschaftsausblick. 2020 werde vermutlich die schlimmste Rezession seit der Großen Depression in den 1930er Jahren bringen. "Diese Krise ist wie keine andere bisher." Die wirtschaftliche Lage sei noch schlimmer  als in der Finanzkrise 2008/09. Für das nächste Jahr erwartet der IWF eine kräftige Erholung, räumt aber ein, dass diese Schätzung in erster Linie von der Dauer der Pandemie abhängt und am Ende auch Makulatur sein kann.

Die Weltwirtschaft wird laut IWF 2020 um 3,0 Prozent schrumpfen. Damit wurde die Januar-Schätzung um satte 6,3 Punkte reduziert. In der Finanzkrise hatte die Weltwirtschaft in etwa stagniert, damals waren primär Industriestaaten betroffen. Doch jetzt sind de facto alle Länder in Mitleidenschaft gezogen. Positiv wertete der IWF die schnellen und umfangreichen Rettungsprogramme zahlreicher Regierungen, die sich auf mehrere Billionen Dollar summieren. Dazu kämen die Hilfen der Notenbanken rund um den Globus. Laut IWF sollte im zweiten Halbjahr eine allmähliche Erholung einsetzen. 2021 dürfte die Weltwirtschaft dann um 5,8 Prozent wachsen.

Hatte schlechte Nachrichten zu verkünden: IWF-Chefvolkswirtin Gita Gopinath

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Industrieländer mit höheren Einbußen

Für die USA als weltgrößte Volkswirtschaft erwartet der IWF 2020 ein Minus von 5,9 Prozent. Die Wirtschaft der Euro-Zone dürfte um 7,5 Prozent schrumpfen, Deutschlands Wirtschaftsleistung um 7,0 Prozent. Schlechter sieht die Lage in den besonders stark von der Pandemie betroffenen Ländern Italien und Spanien aus. Hier rechnet der IWF mit einem Minus von 9,1 beziehungsweise 8,0 Prozent. Die Schwellen- und Entwicklungsländer dürften zusammen ein Prozent Wirtschaftsleistung verlieren.

Besser sind die Schätzungen für China, wo die Einschränkungen des öffentlichen Lebens bereits wieder gelockert worden sind. Die Wirtschaft der Volksrepublik dürfte laut IWF 2020 um 1,2 Prozent wachsen - und 2021 um 9,2 Prozent. Auch für die anderen Länder erwartet der Fonds mehr oder weniger kräftige Erholungen - für Deutschland 2021 zum Beispiel ein Plus von 5,2 Prozent.

Wenn die Pandemie doch länger anhält…

Die Pandemie könnte sich aber als dauerhafter herausstellen, hieß es im IWF-Bericht. Das sei momentan die größte Unbekannte in den Schätzungen. Sollte sich die gesundheitliche Lage 2021 nicht bessern, könnten die Schätzungen für die Weltwirtschaft im schlimmsten Fall um acht Prozentpunkte nach unten abweichen - dann würde sich die Rezession nächstes Jahr also fortsetzen.

Wegen der Coronakrise bricht der Autoabsatz weltweit ein. Diese-VW Modelle stehen auf Halde und warten auf Abnehmer.

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Der IWF hatte bereits am Montag mitgeteilt, Entwicklungsländern spezielle Corona-Hilfen zu gewähren. So sollen 25 Entwicklungsländer Geld aus dem Katastrophenfonds CCRT erhalten. Der IWF-Vorstand habe die Notkredite für eine Reihe afrikanischer Staaten sowie unter anderem für Afghanistan, Haiti und den Jemen bewilligt. Im Detail gehe es um Schuldendiensterleichterungen durch Zuschüsse zur Deckung der Schuldenverpflichtungen für zunächst sechs Monate. Der CCRT-Fonds besteht seit 2015. Gelder daraus kamen bislang Ländern zugute, die von Ebola betroffen waren. Sein Vorgänger wurde genutzt, um die IWF-Schulden Haitis nach dem Erdbeben dort im Jahr 2010 zu tilgen. Derzeit umfasse der CCRT-Fonds 500 Millionen Dollar (rund 457 Millionen Euro).

Hilfe für ärmere Länder 

Darüber hinaus gab der IWF am Montag bekannt, er unterstütze die westafrikanischen Staaten Ghana und Senegal im Kampf gegen die Corona-Pandemie mit Notkrediten. Ghana soll demnach einen Kredit von einer Milliarde US-Dollar (rund 900 Millionen Euro) bekommen, Senegal etwa 440 Millionen Dollar. In beiden Staaten leide die Wirtschaft unter den Folgen der globalen Corona-Pandemie, weswegen auch die Regierungen finanziell unter Druck stünden und zusätzliche Liquidität bräuchten, erklärte der IWF.

Dutzende Entwicklungs- und Schwellenländer haben wegen der Corona-Krise bereits beim IWF Notkredite beantragt, darunter auch das ölreiche Nigeria. In Nordafrika hat Tunesien bereits einen Kredit von der in Washington ansässigen Organisation erhalten.

ul/hb (rtr, dpa)

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