IW-Verbandsumfrage - Verhaltene Zuversicht für 2020 | Wirtschaft | DW | 26.12.2019
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Konjunktur

IW-Verbandsumfrage - Verhaltene Zuversicht für 2020

Die gute Nachricht zuerst: Die deutsche Wirtschaft wird im kommenden Jahr wohl nicht in eine Rezession abrutschen. Aber eine Umfrage unter den wichtigsten Branchenverbänden signalisiert auch kein großes Wachstum.

Kurz vor dem Jahreswechsel fragt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) regelmäßig 48 Branchenverbände nach ihren Erwartungen für das kommende Jahr. Wie werden sich Produktion, Beschäftigung und Investitionen entwickeln? Diesmal ergibt sich ein sehr gemischtes Bild. Der rund zehnjährige und damit erstaunlich lange währende Aufschwung stockt, das Blatt scheint sich zu wenden.

"Die Party ist insofern zu Ende, als dass dieser sehr lange, sehr stabile, sehr stetige und gleichermaßen beschäftigungsintensive Aufschwung zu einem Ende gekommen ist", sagt IW-Direktor Michael Hüther im Gespräch mit der DW. Seit Jahresanfang 2018 sei die Konjunktur übergegangen in eine Phase mit moderaterem Wachstum. Unter den verschiedenen Wirtschaftssektoren rutschte die Industrie dann in den letzten Quartalen sogar in eine deutliche Rezession.

Das liege auch daran, dass sich die Geschäftslage in Bereichen wie der Autoindustrie nach einer besonders guten Phase wieder normalisiere. Außerdem sorgten geopolitische Risiken sowie Herausforderungen durch Digitalisierung und den Klimawandel für Verunsicherungen bei Unternehmen und Verbrauchern.

Infografik Erwartung der Verbände DE

Unterschiedliche Erwartungen

Die IW-Verbandsumfrage spiegelt die unterschiedlichen Erwartungen wichtiger Branchen wider. Industriebereiche wie Maschinenbau, Chemie, Metallverarbeitung, Automobil und Elektrotechnik, sind bereits von einer rückläufigen Entwicklung geprägt. Dort herrscht eher eine zurückhaltende Sicht. Ähnliches gilt für Branchen, die durch Energiewende und Kohleausstieg strukturell betroffen sind, beispielsweise der ganze Energiebereich, der Bergbau und die Mineralölverarbeitung.

Auch bei den Banken und im Finanzbereich sind die Erwartungen gedämpft, die Niedrigzinspolitik und staatliche Regulierungen wirken entsprechend. Eine Ausnahme bilden in diesem Bereich das Vermögensmanagement und die Leasingbranche - hier hat man sich nach schlechten Jahren anscheinend wieder gefangen.

Im Kontrast dazu stehen die optimistischen Erwartungen der Bauwirtschaft und im Handwerk, auch wenn die Aussichten dort nicht mehr ganz so rosig sind wie in den letzten Jahren: In diesen Bereichen wird immer noch ein Wachstum von sechs Prozent erwartet - nach rund acht Prozent im Vorjahr.

Komplexe Risiken für die Konjunktur

Ob sich diese Erwartungen erfüllen, wird auch von der Konjunkturentwicklung insgesamt abhängen. Hier sieht IW-Chef Hüther komplexe Risiken: "Selbst wenn der Handelskonflikt USA-China gelöst wird, was sich ja ein bisschen andeutet, wird es in der Weltwirtschaft ungemütlich bleiben." Bei der Konfliktlage der großen Mächte USA, Russland und China sitze Europa zwischen den Stühlen.

Professor Michael Hüther (IW)

IW-Direktor Michael Hüther

Die Globalisierung als Konjunkturmotor für Deutschland werde durch diese Konflikte geschwächt. "Wir können nicht - wie in den Jahrzehnten davor - darauf bauen, dass wir einen Antrieb von außen haben. Wir müssen uns selbst anstrengen", so Hüther. Die Entwicklung der deutschen Wirtschaft durch eigene Impulse werde aber gehemmt, weil es der deutschen Politik nicht gelinge, tragfähige Rahmenbedingungen für die großen aktuellen Herausforderungen zu schaffen: "Alterung der Gesellschaft, Digitalisierung und CO2-Neutralität als Reaktion auf den Klimawandel", zählt Hüther auf. "Wir überfordern mit diesem Bündel von Strukturherausforderungen die deutsche Wirtschaft, die sicherlich leistungsfähig ist - sonst hätte sie nicht dieses hohe Maß an wettbewerbsfähigen Arbeitsplätzen hervorgebracht", warnt der Ökonom.

Hüthers Konjunkturprognose fällt entsprechend bescheiden aus. "2019 hatten wir 0,5 Prozent Wachstum im Jahresdurschnitt, nächstes Jahr erwarten wir 0,9 Prozent. Die Effekte durch Feiertage herausgerechnet bleiben 0,7 Prozent, das ist also kaum ein Unterschied. Das heißt, die Wirtschaft tritt auf der Stelle."

 

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