Italien nimmt nach Tod eines Mädchens Tiktok ins Visier | Aktuell Europa | DW | 23.01.2021
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Italien nimmt nach Tod eines Mädchens Tiktok ins Visier

Nach dem Erstickungstod einer Zehnjährigen verschärft die italienische Datenschutzbehörde die Nutzungsbedingungen für den chinesischen Videodienst Tiktok.

Tiktok müsse bis mindestens 15. Februar jeden Nutzer blockieren, dessen Alter das Unternehmen nicht überprüft habe, teilte die Datenschutzbehörde in Rom mit. Obwohl Tiktok für seine Nutzer ein Mindestalter von 13 Jahren vorschreibe, habe das Unternehmen die Mitgliedschaft des Kindes nicht verweigert, betonte die Datenschutzbehörde. Nur Stunden zuvor war der Tod einer Zehnjährigen aus dem sizilianischen Palermo bekannt geworden, die auf Tiktok an der "Blackout Challenge" teilgenommen hatte. Dabei versuchen die Wettbewerber, sich möglichst lange die Luft abzuschnüren. Die Staatsanwaltschaft von Palermo leitete Ermittlungen wegen Anstiftung zum Selbstmord ein. Das Mobiltelefon des Kindes wurde beschlagnahmt.

Die kleine Antonella hatte sich am Mittwoch im Badezimmer eingeschlossen und sich selbst mit dem Handy dabei gefilmt, wie sie sich mit dem Bademantelgürtel die Luft abschnürte. Ihre kleine Schwester hatte sie bewusstlos gefunden. Die Zehnjährige wurde sofort in ein Kinderkrankenhaus gebracht. Dort kämpften die Ärzte um ihr Leben, mussten aber dann den Hirntod feststellen, wie eine Sprecherin des Hospitals "Di Cristina" mitteilte.

Eltern ahnungslos

Antonellas Eltern sagten der Zeitung "La Repubblica", eine weitere Schwester der Zehnjährigen habe ihnen erklärt, dass Antonella das "Erstickungsspiel" gespielt habe. "Wir hatten davon keine Ahnung", sagte der Vater. Er sei davon ausgegangen, dass sich seine Tochter auf Tiktok Tanz-Choreographien und andere Videos anschaue. Er klagte: "Meine Tochter, meine kleine Antonella stirbt wegen eines extremen Spiels auf Tiktok: Wie kann ich damit fertig werden?"

Der Bürgermeister Palermos, Leoluca Orlando, schrieb auf Facebook, er und vermutlich die ganze Stadt stünden "unter Schock". Eine Debatte über die Beziehungen junger Menschen zum Smartphone und zu sozialen Netzwerken sei überfällig – "besonders in Zeiten der Pandemie, die uns immer stärker in die digitale Kommunikation hineingetrieben hat."

Leoluca Orlando

Der Bürgermeister von Palermo, Leoluca Orlando, zeigt sich geschockt (Archivbild)

Tiktok, das in Europa von rund 100 Millionen Menschen genutzt wird, veröffentlichte eine Stellungnahme zu dem tragischen Vorfall. "Die Sicherheit der Tiktok-Gemeinschaft ist unsere absolute Priorität", versicherte die chinesische Videoplattform. Man sei jederzeit bereit, bei den Ermittlungen zu Antonellas Tod mit den Behörden zusammenzuarbeiten.

In den Medien forderten Psychologen und Jugendexperten, gesetzliche Verschärfungen zum Umgang von Kindern mit Handys und sozialen Netzwerken zu erwägen. Es gibt seit Jahren im Internet und in vielen Ländern "Challenges". Die Herausforderungen sind manchmal lustig, manchmal extrem gefährlich.

kle/ml (afp, rtr, dpa)