Israels neue Afrika-Politik | Afrika | DW | 26.02.2019
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Afrika

Israels neue Afrika-Politik

Die Beziehungen zwischen Israel und Afrika gelten seit Jom-Kippur-Krieg von 1973 als schwierig. Nun sucht die israelische Regierung den Schulterschluss mit muslimisch geprägten Staaten wie dem Tschad, Mali oder Niger.

Israel Staatsbesuch Idriss Deby Präsident des Tschad und Benjamin Netanjahu (Getty Images/AFP/r. Zvulun)

Tschads Premierminister Idriss Deby besuchte bereits im November seinen israelischen Amtskollegen Netanyahu

George Weah, Präsident von Liberia, ist am Montag (25.02.2019) in Israel angekommen. Während des Staatsbesuches soll er unter anderem mit Präsident Reuven Rivlin und Premierminister Benjamin Netanyahu zusammentreffen. Liberia, das seine diplomatischen Beziehungen zu Israel nie aufgegeben hat, ist eher die Ausnahme. 1947 votierte das westafrikanische Land für den UN-Teilungsplan für Palästina, eine Voraussetzung für die Gründung des Staates Israel. Viele andere afrikanische Länder kappten nach den israelisch-arabischen Kriegen Anfang der 1970er-Jahre den Kontakt zu Israel - so zum Beispiel der Tschad 1972.

Dass der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu im Januar zu einem Treffen mit dem tschadischen Präsidenten Idriss Déby nach N'Djamena reiste, kam für viele Beobachter als Überraschung. Außerdem soll der Premier auf einer Konferenz von "potentiellen diplomatischen Beziehungen" zu Mali und Niger gesprochen haben, berichtet die Times of Israel. Alle drei Staaten sind mehrheitlich muslimisch. Offiziell wurde die Aussage des Premiers nicht bestätigt. Dennoch stellt sich die Frage, ob Israel seine Beziehungen zu Afrika neu justiert.

Prozess der Annäherung

Der Politologe Germain-Hervé Mbia Yebega vom Institut "Afrique Monde" in Abijan, Côte d'Ivoire, sieht die mögliche Annäherung als "Folge eines Prozesses", der bereits Anfang der 1980er-Jahre begonnen habe - mit dem Friedensschluss zwischen Israel und Ägypten. Außerdem habe die Unterbrechung der diplomatischen Beziehungen 1972/73 nicht verhindert, dass in diskreterer Weise Verbindungen aufrechterhalten worden seien: "Es gab verschiedene Formen der Kooperation, in der Landwirtschaft, in der Medizin, der Wirtschaft im allgemeinen."

Uganda Besuch des israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu (picture-alliance/AP Photo/S. Wandera)

2016 besuchte Israels Premierminister Benjamin Netanyahu Ugandas Machthaber Yoweri Museveni

Matthias Basedau, Direktor des GIGA-Instituts für Afrika-Studien, ergänzt, dass "der klassisch ausgeprägte Antisemitismus oder Antizionismus, in den afrikanisch-muslimischen Ländern auch nicht so ausgeprägt ist, wie im Nahen und Mittleren Osten." Folglich hätten die Regierungen keine innenpolitischen Schwierigkeiten, diese Annäherung zu erklären.

Außerdem dürfe man die Annäherung zwischen Israel und Saudi-Arabien nicht außer Acht lassen: "Es gab zuletzt auch eine Entspannung im Verhältnis zwischen Israel und sunnitisch-muslimischen Ländern." Dies sei im Rahmen der Konkurrenz zwischen dem schiitischen Iran und dem sunnitischen Saudi-Arabien zu verstehen. "Weil Saudi-Arabien derzeit sehr stark verfeindet ist mit Iran, gilt so das Prinzip: Der Feind meines Feindes ist mein Freund."

Innen- und außenpolitische Interessen

Israel ergreife grundsätzlich jede Chance, um mehr Anerkennung in diplomatischer Hinsicht und auch darüber hinaus zu bekommen, erklärt Basedau. Das Land sei diplomatisch lange sehr isoliert gewesen. Den innenpolitischen Kontext dürfe man auch nicht außer Acht lassen: In Israel wird am 9. April gewählt: "Für Netanjahu geht es auch darum, vor den Wahlen zu punkten und zu zeigen, dass er diplomatisch die internationalen Beziehungen seines Landes voranbringt."

Israel eritreische Flüchtlinge demonstrieren in Jerusalem (picture-alliance/dpa/I. Yefimovich)

Seit Jahren ringt Israel um den Umgang mit afrikanischen Flüchtlingen wie diesen Eritreern, die in Jerusalem für ihre Rechte demonstrieren

Ely Karmon, Politologe am Internationalen Institut für Terrorismusbekämpfung in Jerusalem, erklärt, dass Israel mit der Intensivierung der Beziehungen zu Afrika zwei Ziele verfolge: Das eine sei politisch, denn in der Vergangenheit hätten afrikanisch-muslimische Länder oft bei den Vereinten Nationen gemeinsam mit arabischen Ländern gegen israelische Interessen gestimmt. Und in wirtschaftlicher Hinsicht suche Israel Möglichkeiten zum Export.

Neue Komplexität

Auch die afrikanischen Staaten könnten von einer engeren Zusammenarbeit mit Israel profitieren, erklärt Politologe Yebega, denn sie stünden demographischen Herausforderungen gegenüber und suchten Unterstützung für eine nachhaltige Entwicklung, "die ein technologischen Wissen voraussetzt, welches sie im Moment noch nicht haben".

Auch wenn die Annäherung zwischen Israel und Afrika auf einer gewissen Kontinuität aufbaue, könne man im Grunde könne davon sprechen, dass die Karten neu gemischt würden: "Es gibt nicht mehr auf der einen Seite die Länder, die die Palästinenser unterstützen, und auf der anderen die, die Israel unterstützen," sagt Yebega. "Die Lage ist viel komplexer geworden, und die afrikanischen Staaten fördern viel stärker ihre eigenen Interessen."

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