Israel: Afrikas neuer bester Freund? | Afrika | DW | 13.12.2017
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Afrikanisch-Israelische Beziehungen

Israel: Afrikas neuer bester Freund?

Lange galt Afrika als Partner der Palästinenser. Jetzt suchen viele Staaten engere Verbindungen mit Israel. Das Land lockt mit Entwicklungshilfe, Spitzentechnologie und Waffen. Doch die Zusammenarbeit hat ihren Preis.

Premierminister Netanjahu und Präsident Kenyatta begrüßen sich (picture-alliance/AA/Kenyan Presidency)

Premierminister Netanjahu begrüßt den kenianischen Präsidenten Kenyatta bei seinem Besuch 2016

Für Israels Premierminister Benjamin Netanjahu war es eine historische Reise. Als erster israelischer Regierungschef seit Jahrzehnten besuchte er 2016 Afrika. Nach der Visite in Kenia, Uganda, Äthiopien und Ruanda konnte er zufrieden nach Hause fliegen. Kenias Staatschef Uhuru Kenyatta resümierte: "Wir glauben, dass wir mit Israel wieder stärker auf einer positiven Grundlage zusammenarbeiten müssen." Auch in den anderen Ländern wurde Netanjahu freundlich aufgenommen. Seit der Ostafrika-Reise war der israelische Regierungschef schon zwei weitere Male in Afrika, im Juni durfte er auf dem Gipfel der westafrikanischen Staatengemeinschaft ECOWAS sprechen.

"Afrika und Israel hatten in ihren Beziehungen Hoch- und Tiefpunkte. Im Moment scheint die Kurve nach oben zu gehen", sagt Steven Gruzd vom Südafrikanischen Institut für Auslandsbeziehungen im DW-Interview. Nach der Gründung Israels 1948 war es zunächst gut losgegangen: In den folgenden Jahrzehnten nahm Israel diplomatische Beziehungen zu den neu entstandenen Staaten Afrikas auf, schickte Entwicklungshelfer und Militärberater. Zwischen beiden Seiten habe eine "anti-kolonialen Zuneigung" geherrscht, sagt Experte Gruzd. "Die Israelis hatten sich von der englischen Kolonialherrschaft losgesagt, in Afrika geschah etwas ähnliches, die Verbindung war daher sehr eng."

Weniger anti-israelische Stimmen in Afrika?

Das änderte sich durch den Konflikt zwischen Israel und seinen Nachbarstaaten. Nach einem Angriff arabischer Staaten drangen israelische Truppen im Jom-Kippur-Krieg 1973 weit auf ägyptischen Boden vor. "Ägypten beschuldigte Israel, afrikanischen Boden besetzt zu haben. Die arabischen Staaten versuchten gemeinsam, Afrika zu bewegen, die Beziehungen zu Israel abzubrechen", so Gruzd. Mit Erfolg: Von mehr als 30 Staaten hielten nur vier die diplomatischen Beziehungen zu Israel aufrecht. Das wirkt nach: In der Afrikanischen Union haben die Palästinenser Beobachterstatus - Israel nicht.

Israelischer Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Rednerpult bei seiner Rede beim ECOWAS-Gipfel (picture-alliance/AA/Israeli Prime Ministry Press Office)

Im Juni hielt Netanjahu auf dem Gipfel der westafrikanischen Staatengemeinschaft ECOWAS eine Rede

Kommt nun die Wende? Die Vorbehalte gegen Israel scheinen abzunehmen. Seit dem Sturz von Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi fehlt eine starke anti-israelische Stimme in der Afrikanischen Union. Als US-Präsident Donald Trump Jerusalem als israelische Hauptstadt bezeichnete, kam aus Afrika kein lautstarker Protest. "Die meisten afrikanischen Politiker sind sehr pragmatisch und orientieren sich nicht mehr so sehr an Ideologien wie in der Vergangenheit. Die Unterstützung für die Palästinenser ist nicht mehr so stark wie noch vor einigen Jahren" glaubt auch Experte Gruzd.

Zudem bietet Israel einiges: Zusammenarbeit gegen den Terror zum Beispiel. In Ländern wie Kenia, die unter Anschlägen extremistischer Gruppen leiden, kommt das gut an. Nach Medienberichten sollen israelische Anti-Terror-Truppen zum Beispiel kenianische Einheiten im Zusammenhang mit dem Anschlag auf das Westgate-Einkaufszentrum 2013 beraten haben. Bei seinem Afrika-Besuch 2016 bot Netanjahu weitere Hilfe. "Auch wir haben Terroranschläge erlebt", sagte Israels Premier damals. "Wenn wir zusammenarbeiten, können wir diese Plage schneller besiegen."

Militärische Zusammenarbeit und Entwicklungshilfe

"Israel war immer bereit, militärischen Unterstützung und Training anzubieten", sagt auch der kenianische Politik-Experte Martin Oloo. "Viele afrikanische Elite-Einheiten sind von Israel ausgebildet worden." Zudem setzt Israel auf Entwicklungshilfe. Seit Anfang Dezember beteiligt es sich am US-Entwicklungsprogramm "Power Africa". Ziel ist es, bis 2030 rund 60 Millionen Afrikaner mit Strom zu versorgen. Attraktiv für Afrika ist auch israelische Spitzentechnologie, zum Beispiel im Landwirtschaftsbereich.

Kenianische Soldaten mit Gewehren rennen durch einen Flur im Westgate-Einkaufszentrum (picture-alliance/AP Photo)

Israelische Experten sollen kenianische Sicherheitskräfte bei der Abwehr des Terroranschlags auf das Westgate-Einkaufszentrum beraten haben

Hinter dem israelischen Afrika-Engagement stecken jedoch knallharte Interessen. Bei seinen Reisen betonte Premierminister Netanjahu gern und oft, dass Israel Beobachterstatus bei der Afrikanischen Union erhalten wolle. Ziel sei es außerdem, den "gigantischen Block von 54 afrikanischen Ländern aufzulösen, die dafür sorgen, dass es bei den Vereinten Nationen und anderen internationalen Organisationen eine automatische Mehrheit gegen Israel gibt", sagte er laut der Zeitung "Times of Israel" vor einer Afrika-Reise im Juni. 

Doch ein Selbstläufer ist das israelische Engagement in Afrika nicht. Gerade Staaten mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung wie Marokko, Senegal, Mauretanien oder der Sudan betrachten Israel kritisch. Der Sudan verbietet israelischen Staatsbürgern die Einreise. Mauretanien brach die Beziehungen zu Israel 2010 als Antwort auf ein israelisches Bombardement des Gaza-Streifens ab. Auch Südafrika steht Israel kritisch gegenüber: Israel war ein enger Partner der weißen Apartheidregierung, die das Land bis in 1994 regiert hatte. Ein geplanter Israel-Afrika-Gipfel in Togo hat bisher nicht stattgefunden.

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