Islamisten demonstrieren ihre Macht in Kenia | Afrika | DW | 23.09.2013
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Afrika

Islamisten demonstrieren ihre Macht in Kenia

Mehr als 60 Menschen starben bei einer Geiselnahme in Nairobi. Die Terrororganisation Al-Shabaab fordert den Abzug kenianischer Truppen aus Somalia. Dem wird Kenia wohl nicht nachgeben.

Das attackierte Einkaufszentrum in Nairobi (Foto: Reuters)

Rauch steigt vom Westgate-Einkaufszentrum in Nairobi auf

"Dies ist ein schwieriger Moment für unser Land." Kenias ehemaliger Premierminister Raila Odinga spricht aus, was viele denken: Der Anschlag der islamistischen Terrorgruppe Al-Shabaab auf ein Einkaufszentrum in der Hauptstadt Nairobi stellt Kenia erneut auf die Probe. Seit Samstagmittag (21.09.2013) haben sich die Attentäter mit Geiseln verschanzt. Mit mindestens 62 Toten ist der Anschlag bereits jetzt der blutigste in den letzten 15 Jahren. 1998 verloren mehr als 200 Menschen ihr Leben, als vor der US-Botschaft in Nairobi Autobomben explodierten.

Somalische Miliz exportiert ihren Kampf

Angehörige trauern um die Opfer des Anschlags in Nairobi (Foto: AFP)

Angehörige trauern um die Opfer des Anschlags

In Somalia mussten die Islamisten in den letzten Monaten erhebliche Niederlagen hinnehmen. Seit September 2012 hat das Land mit Hassan Sheikh Mohamud wieder einen gewählten Präsidenten - ein Hoffnungsschimmer nach zwei Jahrzehnten des Staatszerfalls. Die Militärmission afrikanischer Staaten hat es geschafft, Al-Shabaab aus den strategisch wichtigen Städten Mogadischu und Kismayo zu vertreiben. Seit Oktober 2011 mit dabei: rund 4.600 kenianische Soldaten. Seither hat es dutzende kleinere Anschläge in Kenia gegeben. Doch nun bekommt die Bedrohung eine neue Dimension.

Auch wenn die Mission der Afrikanischen Union (AU) in Somalia (AMISOM) Erfolge verbuchen kann - ihren Kampf gegen den Terrorismus haben die AU-Truppen noch lange nicht gewonnen, vermuten Experten. "Nur in den Städten haben die Islamisten an Boden verloren", sagt Emmanuel Kisiangani vom Institut für Sicherheitsstudien in Nairobi. "In Südsomalia halten sie immer noch ein großes Gebiet besetzt. Und sie haben immer noch die Fähigkeit, Schaden anzurichten." Dass sich Al-Shabaab nun so offen zu dem Anschlag in Nairobi bekennt, sei dafür ein deutliches Zeichen.

Zu spät für den Rückzug

Ein kenianischer Polizist versucht einen Bereich des Einkaufszentrums zu sichern (Foto: Reuters)

Ein kenianischer Polizist im Innern des Einkaufszentrums

Für Kisiangani ist klar: Al-Shabaab wollte mit dem Anschlag zeigen, dass mit der Miliz noch zu rechnen sei. Davon zeuge auch das Ziel des Angriffs - ein Einkaufszentrum im reicheren Westen der Stadt, Anlaufstelle für Touristen und Mitarbeiter internationaler Organisationen. Ein Ort, der internationale Aufmerksamkeit garantiere. Schon seit Monaten sei bekannt gewesen, dass das Westgate-Einkaufszentrum als mögliches Ziel für Terroranschläge in Frage komme, sagt der Mitarbeiter einer deutschen Stiftung in Nairobi, der nicht namentlich zitiert werden will. Dennoch gelang den Angreifern der Überraschungseffekt, denn alle Aufmerksamkeit gelte zurzeit dem Prozess gegen Kenias Vizepräsident William Ruto am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Im Zusammenhang mit Ausschreitungen nach den Präsidentschaftswahlen von 2007 werden Ruto Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen.

Die AMISOM in Somalia (Foto: Reuters)

Seit zwei Jahren ist Kenia Teil der AMISOM in Somalia

Dass Kenia den Forderungen der Dschihadisten nachkommen wird, seine Truppen aus Somalia abzuziehen, hält Sicherheitsexperte Kisiangani für abwegig. Schließlich habe sich Kenia erst infolge islamistischer Anschläge für den Einsatz entschieden. Die Bedrohung sei aber weiter real. Einen anderen Grund führt Guido Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik an: Für einen Abzug der Truppen sei es schlicht zu spät. "Selbst wenn die Kenianer sich zurückziehen, hat Al-Shabaab Kenia nun endgültig als wichtigen Feind ausgemacht", sagt der deutsche Terrorismusexperte im DW-Interview. Außerdem würden die Kenianer nun gebraucht, um Somalia zu stabilisieren.

In Nairobi sind diese Fragen aber noch ganz weit weg. Zunächst geht es darum, die letzten Geiselnehmer zu stellen und die zahlreichen Verletzten zu behandeln.

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