Kommentar: Kenia droht Destabilisierung | Afrika | DW | 23.09.2013
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Afrika

Kommentar: Kenia droht Destabilisierung

Über 60 Tote und etliche Verletzte - das Blutbad von Nairobi hat die Al-Shabaab-Miliz wieder ins Rampenlicht gerückt und droht Kenia zu destabilisieren. Es muss eine politische Lösung her, meint Andrea Schmidt.

Schmidt, Andrea Multimediadirektion REGIONEN, Afrika - Kisuaheli DW2_8365. Foto DW/Per Henriksen 18.10.2012

Andrea Schmidt, Leiterin der Kisuaheli-Redaktion

Mit dem Anschlag auf das bei Ausländern und wohlhabenden Kenianern beliebte Einkaufszentrum wollten die Islamisten größtmöglichen Schaden anrichten und weltweite Aufmerksamkeit erregen. Sie wollten aber nicht nur Kenia treffen, sondern auch Israel und die internationale Gemeinschaft. Das Einkaufszentrum ist teilweise in israelischem Besitz und Mitarbeiter des nahegelegenen UN-Komplexes kaufen gern dort ein. Deshalb muss eine internationale Antwort her. Die Welt darf nicht zulassen, dass Extremisten in Afrika - weder in Kenia noch in Nigeria, das von der islamistischen Sekte Boko Haram terrorisiert wird - die Lage weiter destabilisieren.

Al-Shabaab, die selbsternannten Gotteskrieger aus Somalia, mit Verbindungen zu Al-Kaida gingen mit äußerster Brutalität in der kenianischen Hauptstadt vor. Über Twitter haben sie sich zu dem Anschlag bekannt und weitere Attacken angekündigt. Als Grund gaben sie den Einsatz der kenianischen Truppen im Rahmen der AU-Mission AMISOM an. AMISOM - bestehend aus Soldaten aus Uganda, Burundi und Kenia - hatte den Islamisten zuletzt etliche Niederlagen in Somalia beigebracht und von ihr kontrolliertes Terrain zurückerobert. Auch deshalb trägt Al-Shabaab ihren Krieg ins Nachbarland Kenia.

Eine politische Lösung ist gefragt

Dieser menschenverachtende und brutale Anschlag darf nicht dazu führen, dass sich die afrikanischen Truppen aus Somalia zurückziehen. Kenias lange Grenze zu Somalia ist schwer zu kontrollieren. Hunderttausende Menschen somalischer Abstammung leben in dem ostafrikanischen Land. Kenia gilt als Bollwerk gegen die Islamisten und war schon mehrfach Ziel von Terrorattacken. Um das Land, das weitgehend vom Tourismus lebt, zu schützen, waren die kenianischen Truppen 2011 zur Unterstützung der AU-Truppen in Somalia einmarschiert.

Für die seit Jahrzehnten notleidende Bevölkerung Somalias ist es wichtig, dass die radikal-islamischen Spalter bekämpft werden. Die Weltgemeinschaft darf nicht passiv zusehen, wie sie gezielt die Nachbarländer in ihren Krieg hineinziehen. Dem militärischen Vorgehen der AMISOM müssen daher nachhaltige politische Lösungen folgen. Dazu müssen die Moderaten unter den Islamisten in Verhandlungen mit einbezogen und ein internationaler Masterplan für Somalia erarbeitet werden. Nur so kann es langfristig zu Frieden in dem ostafrikanischen Land kommen, der auch auf die Nachbarn zurückwirkt.

Spaltung Kenias

Gleichzeitig darf Kenia nicht zulassen, dass die Vorbehalte gegen die elf Prozent Muslime im Land und die somalisch-stämmige Bevölkerung instrumentalisiert werden. Gezielt hatten die Islamisten bei ihrem Anschlag die Besucher des größten Einkaufszentrums nach ihrer Religionszugehörigkeit gefragt. Wer nicht muslimischen Glaubens war, wurde sofort erschossen. Nicht einmal Kinder nahmen sie aus.

Der Anschlag "im Namen des Propheten" birgt die große Gefahr, Kenia nach Glauben und Ethnien zu spalten. Dabei steht das Land ohnehin schon vor einer großen Belastungsprobe: Sowohl Staatspräsident Uhuru Kenyatta als auch sein Stellvertreter William Ruto sind in Den Haag wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit nach den Wahlen von 2007 angeklagt. Im Falle einer Verurteilung wäre Kenia ohne Staatsführung und somit für Terroristen ein noch leichteres Ziel.