Iraner jubeln über Geiselnahme vor 40 Jahren | Aktuell Nahost | DW | 04.11.2019
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Islamische Revolution

Iraner jubeln über Geiselnahme vor 40 Jahren

Hardliner feiern die Besetzung der US-Botschaft 1979 noch immer als Heldentat. Auf staatlich organisierten Kundgebungen wird das Verbrechen von Teheran verklärt - und der Iran rückt weiter vom Atomabkommen ab.

Kundgebung im Iran zum 40. Jahrestag US-Botschaftsbesetzung (picture-alliance/dpa/AP/V. Salemi)

In der Hauptstadt Teheran halten Demonstrantinnen iranische Flaggen und Anti-US-Plakate hoch

In der Hauptstadt Teheran nahmen Tausende Schüler und Studenten an einer Veranstaltung vor der ehemaligen US-Botschaft teil. In den Provinzen fanden ähnliche Kundgebungen statt. Mit dem seit langem gebräuchlichen Slogan "Nieder mit den USA" geißelten die Teilnehmer die Politik des "großen Satans".

In einer Abschlusserklärung hieß es, die Vereinigten Staaten sollten ihren "Traum" begraben, je wieder im Iran Fuß zu fassen. Die Islamische Republik werde ihren Anti-US-Kurs fortsetzen und ihre "Unabhängigkeit und Freiheit" wahren. Am Ende der Kundgebung in der Hauptstadt verbrannten Demonstranten eine US-Fahne. Dies wurde live auf mehreren Fernsehkanälen übertragen.

444 Tage in Geiselhaft

Dagegen verurteilte die Regierung in Washington die Besetzung vor vier Jahrzehnten und rief die iranische Führung zu einer politischen Kehrtwende auf. "Das iranische Regime hat eine Wahl", heißt es in einer Erklärung des Weißen Hauses. Es könne Frieden wählen anstelle von Geiselnahmen, Ermordungen, Sabotage, Schiffsentführungen und Angriffen auf den internationalen Ölhandel.

 Kundgebung im Iran zum 40. Jahrestag US-Botschaftsbesetzung (picture-alliance/R. Fouladi)

"Nieder mit den USA": Demonstrant in Teheran

Im Zuge der Islamischen Revolution hatten iranische Studenten im November 1979 die US-Botschaft besetzt, um gegen die Aufnahme des gestürzten Schahs Reza Pahlavi in den USA zu protestieren. Die als Geiseln genommenen US-Botschaftsangehörigen kamen erst nach 444 Tagen frei. Wegen der Botschaftsbesetzung brach Washington die diplomatischen Beziehungen zum Iran ab. Sie wurden bis heute nicht wiederaufgenommen. Seit 1982 vertritt die Schweiz die diplomatischen Interessen der Vereinigten Staaten im Iran.

Nach der Besetzung wurde das Botschaftsgebäude zu einem Museum umgebaut. Dort wird eine spezielle Interpretation der geschichtlichen Ereignisse geboten. So heißt es, amerikanische Diplomaten hätten das Gebäude lediglich zu Spionagezwecken genutzt.

"Globaler Imageschaden - kein Gewinn"

Dieser Blick auf die Geschehnisse ist freilich auch innerhalb des Irans umstritten. Viele Reformpolitiker - und sogar damalige Besetzer - sehen in der Aktion inzwischen eine grobe Verletzung internationaler Regeln und einen schweren außenpolitischen Fehler. Die Geiselnahme habe dem Iran einen globalen Imageschaden beschert und keinen Gewinn eingebracht. Die damaligen Anführer der Studenten, Mohsen Mirdamadi und Ibrahim Asgharsadeh, wandten sich später als Aktivisten gegen das Mullah-Regime und mussten sogar kurzzeitig ins Gefängnis.

Iran Atomkraftwerk Buschehr (picture-alliance/dpa/EPA/A. Taherkenareh)

Iranisches Atomkraftwerk Buschehr (Archivbild)

Nach dem Wiener Atomabkommen von 2015 gab es eine kurze Tauwetterperiode in den frostigen Beziehungen zwischen Washington und Teheran. Doch 2018 kündigte US-Präsident Donald Trump einseitig den unter seinem Vorgänger Barack Obama ausgehandelten Vertrag, obwohl die anderen Unterzeichnerstaaten, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Russland und China, bis heute daran festhalten wollten.

Weiterer Verstoß gegen Atomabkommen

Das Abkommen soll den Iran daran hindern, Nuklearwaffen zu entwickeln. Im Gegenzug sollten Sanktionen des Westens gegen die Islamische Republik aufgehoben werden. Statt dessen verhängten die USA zuletzt neue, schärfere Strafmaßnahmen gegen den Iran. Die Führung in Teheran stieg offiziell wieder in die Anreicherung radioaktiven Materials ein und missachtete mehrere Bestimmungen des Vertrags.

Pünktlich zum Jahrestag verkündet nun der Chef der iranischen Atomenergie-Organisation, Ali Akbar Salehi, das Land habe etliche moderne IR-6-Zentrifugen in Betrieb genommen. Diese werden bei der Anreicherung von Uran eingesetzt. Die neuen Anlagen seien zehnmal schneller als die alten IR-1-Zentrifugen, sagte Salehi im Staatssender IRIB. 

Damit verstößt die Islamische Republik erneut gegen die Richtlinien des Wiener Abkommens, wonach sie nur die ältere Zentrifugengeneration IR-1 nutzen und Uran lediglich auf 3,67 Prozent anreichern darf. Zudem wird im Vertrag der iranische Uranbestand auf 300 Kilogramm begrenzt. Hochangereichertes Uran kann zum Bau einer Atombombe verwendet werden.

USA verhängen neue Sanktionen

Die USA verhängten weitere Sanktionen gegen Angehörige der iranischen Führung. Die Strafmaßnahmen beträfen neun Personen aus dem Umfeld des geistlichen und staatlichen Oberhaupts Ajatollah Ali Chamenei, teilte das US-Finanzministerium mit. Unter den Betroffenen seien einer der Söhne Chameneis und der Chef des Generalstabs der Streitkräfte.

Als Grund nannte Finanzminister Steven Mnuchin Fehlverhalten und die Umsetzung der "destabilisierenden Politik" Chameneis. Er warf den Betroffenen zudem Folter und Unterdrückung von Zivilisten vor.

jj/kle/gri (dpa, ap, rtr)

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