Iran-Krieg: Ohne China kann Teheran nicht überleben
4. März 2026
Der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus ist praktisch zum Erliegen gekommen. Und dennoch gehen Experten nicht davon aus, dass das Regime in Teheran als Vergeltung auf die Angriffe der USA und Israels eine langfristige Blockade der Meerenge riskiert.
"Der Iran wickelt rund 70 Prozent seines Handels jenseits von Ölexporten über Häfen ab, die auf den Zugang über die Straße von Hormus angewiesen sind", erklärt der Iran-Experte Dalga Khatinoglu gegenüber dem in London ansässigen Informationsportal Iran International. Eine Blockade würde Teheran selbst schaden.
Auch die Energieexpertin Sara Vakhshouri, Gründerin der US-Consultingfirma SVB Energy International, verweist auf die Interessen Teherans: "Aus iranischer Perspektive wäre es irrational, die Straße von Hormus zu schließen, weil über diesen Weg alle wichtigen Importe wie Lebensmittel, Medikamente und Maschinen ins Land kommen", sagte sie in einem Interview mit Bloomberg TV.
Großabnehmer Asien
Seit dem Angriff von Israel und den USA auf den Iran sind die Öl- und Gaspreise deutlich gestiegen. Schätzungen zufolge könnten die Preise auf 100 US-Dollar pro Barrel oder mehr steigen, wenn die Passage durch Straße von Hormus zu riskant wäre.
Nach Angaben der US-amerikanischen Energiebehörde EIA werden über die Straße von Hormus rund 20 Prozent der weltweiten Erdölverbrauchs verschifft. Über 80 Prozent davon sind für Abnehmer in Asien bestimmt, insbesondere China, Indien und Japan.
Nach internationalen Medienberichten wären bei einer Sperrung der Straße von Hormus neben Öl auch Flugbenzin und Flüssigerdgas von Versorgungsengpässen betroffen. Etwa 30 Prozent der europäischen Flugbenzinversorgung sowie ein Fünftel der weltweiten LNG-Versorgung wird durch die Meerenge transportiert.
Viele Länder – darunter die USA, die EU-Mitgliedsstaaten, Großbritannien, Japan und Kanada – verfügen allerdings über strategische Reserven. Diese Reserven bieten im Falle einer vorübergehenden Unterbrechung eine Versorgungsflexibilität von mehreren Wochen.
Iran, abhängig von China
Doch eine Blockade der Meeresenge könnte nicht nur Öl- und Gasexporte der Golfstaaten in den Westen, sondern auch die iranischen Ölausfuhren nach China und Indien unterbrechen. Dies würde die bereits bestehende Wirtschaftskrise im Land extrem verschärfen.
Denn der Iran ist seit der islamischen Revolution 1979 mit westlichen Sanktionen belegt, die auch ein Verbot von Ölexporten vorsehen. Zwischen 2006 und 2015 kamen weitere UN-Sanktionen wegen des iranischen Atomprogramms hinzu.
Nach einer kurzzeitigen Lockerung zwischen 2016 und 2018 aufgrund des Atomabkommens JCPOA (Joint Comprehensive Plan of Action) verhängte US-Präsident Trump nach dem Rückzug der USA aus dem Abkommen erneut strenge Sanktionen.
Peking macht nicht mit
Diese ließen allerdings eine Hintertür für weitere Geschäfte offen: Für Staaten, die sich nicht an die Sanktionen halten, sind keine spezifischen Strafen vorgesehen. Dies hat dazu geführt, dass der Iran nach Angaben des Analyseunternehmerns Kpler fast seine gesamten Ölexporte - mehr als 80 Prozent - nach China liefert.
China ist nicht nur größte Abnehmer von Öl aus dem Iran, sondern auch von Öl aus Venezuela, und Russland (siehe Grafik). Durch die westlichen Sanktionen gegen diese drei Länder kommt es zu Preisabschlägen, von denen China profitiert.
Während China von den Rabatten profitiert und Russland seine Öllieferungen nach China aufstockt, kämpft der Iran mit geringeren Erlösen aus dem Ölexport. Denn die Sanktionen treiben die Kosten für den Transport mit Schattenflotten, Zwischenhändlern und Umwegen in die Höhe.
"China ist derzeit für die iranischen Ölexporte unverzichtbar, da es den Großteil des mit Sanktionen belegten Rohöls kauft", erklärt der Experte Nikolay Kozhanov von der Qatar Universität in einem aktuellen Briefing für das niederländische Clingendael-Institutfür Internationale Beziehungen.
Rivalität mit den USA
Für Irans Ölexporte sei deshalb Chinas wirtschaftliche Entwicklung wichtiger als etwaige erneute UN-Sanktionen. Die Sanktionen gegen Iran, Russland und Venezuela hätten es China zudem ermöglicht, seine Öleinfuhren zu diversifizieren.
So habe sich Peking von Lieferanten distanziert, die eng mit Washington verbunden sind, wie die Staaten des Golf-Kooperationsrats (GCC), von denen viele nach wie vor in die von den USA geführten Sicherheits- und Finanzarchitekturen eingebunden sind.
Dennoch hätten die Sanktionen den Iran trotz seiner wirtschaftlichen Widerstandskraft geschwächt, meint Experte Nikolay Kozhanov. Denn durch sie sei der Zugang zu neuen Technologien, internationaler Finanzierung und Investitionen stark eingeschränkt. Dies wirke sich langfristig negativ auf die Fördermengen aus.
Seine Prognose: "Der Iran wird wahrscheinlich weiterhin auf den globalen Ölmärkten präsent sein, jedoch als strukturell geschwächter Lieferant mit hohen Preisnachlässen. In gewisser Weise spiegelt die Negativspirale des iranischen Ölsektors den wirtschaftlichen und politischen Niedergang des Regimes wider."