Iran holt US-Drohne vom Himmel | Aktuell Asien | DW | 20.06.2019
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Konflikt am Golf

Iran holt US-Drohne vom Himmel

Die Eskalationsspirale in der Golfregion dreht sich weiter: Die Revolutionsgarden haben eine US-Drohne abgeschossen - angeblich über dem Iran. Laut USA hat sich der Abschuss hingegen im internationalen Luftraum ereignet.

Man habe eine "Spionage"-Drohne der USA in der südiranischen Provinz Hormusgan abgeschossen, verkündeten die Revolutionsgarden auf ihrer eigenen Nachrichtenseite Sepah News. "Sie wurde abgeschossen, als sie nahe dem Bezirk Kuhmobarak in iranischen Luftraum eingedrungen ist.". Kuhmobarak liegt unweit der Küste am Golf von Oman. Auch die staatliche iranische Nachrichtenagentur IRNA berichtet über den Vorfall und spricht von einer Drohne vom Typ "RQ-4 Global Hawk". Die Aufklärungsdrohne kann laut ihrem Hersteller Northrop Grumman 30 Stunden lang in großer Höhe fliegen und dabei nahezu in Echtzeit hochauflösende Bilder von großen Gebieten übermitteln. Der Anführer der Revolutionsgarde sagte, der Abschuss sende "ein deutliches Signal" an die USA. 

Trump: Iran hat "sehr großen Fehler" gemacht

US-Präsident Donald Trump konterte inzwischen auf Twitter, dass der Iran "einen sehr großen Fehler gemacht" habe.

Es könne sich bei dem Abschuss aber auch um einen unglücklichen Fehler gehandelt haben, erklärte Trump später. Man müsse herausfinden, wie die USA darauf reagiere, sagte er vor einem Treffen mit Kanadas Premierminister Justin Trudeau. Damit verschärfen sich die Spannungen zwischen beiden Staaten weiter. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Antonio Gutteres, zeigte sich besorgt über den Vorfall und mahnte beide Seiten zur "maximalen Zurückhaltung."

Vorige Woche warfen die USA Teheran schon einmal vor, mit einer Rakete auf eine ihrer Drohnen gezielt zu haben. Zum jüngsten Vorfall zitierten mehrere Medien Washingtoner Regierungskreise, die den Abschuss bestätigten. Die Drohne sei jedoch nicht wie vom Iran behauptet über dessen Territorium, sondern im internationalen Luftraum über der Straße von Hormus unterwegs gewesen.

Offen will niemand Krieg

Bislang beteuern beide Seiten, keinen Krieg zu wollen. Der Sekretär des iranischen Sicherheitsrats SNSC, Ali Schamchani, erklärte noch am Mittwoch: "Es besteht überhaupt kein Grund für einen Krieg, denn amerikanische Unterstellungen gegen andere Länder sind eine weltweit bekannte Taktik der USA, um politischen Druck auszuüben." Der amtierende US-Verteidigungsminister Patrick Shanahan sagte am Montag: "Die Vereinigten Staaten streben keinen Konflikt mit dem Iran an." In derselben Mitteilung kündigte Shanahan jedoch auch die Verlegung weiterer 1000 Soldatinnen und Soldaten in die Region an.

Die Ursache der Eskalation

Die Feindschaft des Irans und der USA reicht lange zurück. 2015 brachte das Atomabkommen echte Entspannung, in dem Teheran sich bereit erklärte, weitestgehend auf Urananreicherung zu verzichten und das Atomprogramm unabhängigen Beobachtern zugänglich zu machen. Im Gegenzug setzten die Vertragspartner USA, China, Russland, Großbritannien, Frankreich und Deutschland Sanktionen aus und versprachen mehr wirtschaftliche Zusammenarbeit. Der Ende 2016 zum US-Präsidenten gewählte Donald Trump hielt das Abkommen jedoch für zu nachgiebig mit dem Iran und kündigte es vor einem Jahr einseitig auf. Versuche der restlichen Vertragspartner, den Ausstieg der USA zu kompensieren und Teheran bei der Stange zu halten, blieben ergebnislos.

Karte VAE Straße von Hormus DE

Seit dem Frühjahr zieht sich der Iran schrittweise aus dem Vertrag zurück. Die USA haben sukzessive ihre Streitkräfte vor Ort verstärkt und etwa einen Flugzeugträger in die Region verlegt. Bislang zwei Mal wurden mutmaßliche Angriffe auf jeweils mehrere Tanker nahe der Straße von Hormus gemeldet, einer für die weltweite Ölversorgung sehr wichtigen Meeresenge zwischen Iran und der arabischen Halbinsel. Nach dem jüngsten Vorfall vor einer Woche veröffentlichten die USA eine Reihe von Fotos, die eine Urheberschaft des Iran belegen sollen.

ehl/stu (ap, rtr, dpa)

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