Guido Steinberg: ″Diese Angriffe waren viel ernster″ | Politik | DW | 14.06.2019
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Strasse von Hormus

Guido Steinberg: "Diese Angriffe waren viel ernster"

Die Krise am Persischen Golf könnte zu einem Krieg zwischen dem Iran und den USA führen, sagt Guido Steinberg im DW-Interview. Für die jüngste Eskalation macht der Nahost-Experte den Iran verantwortlich.

Golf von Oman Angriffe auf Schifffahrt (Reuters/U.S. Navy)

Ein Foto des US-Militärs zeigt eine Beschädigung (links) und eine mögliche Haftmine (rechts) am Rumpf der japanischen "Kokuka Courageous"

Deutsche Welle: Bei dem Zwischenfall mit zwei Tankern im Golf von Oman sehen die USA die Verantwortung eindeutig beim Iran. Überzeugt Sie das?

Guido Steinberg: Ich bin überzeugt. Allerdings nicht wegen der US-Argumentation. Sondern wegen der Zusammenhänge: Die Iraner haben schon häufiger Haftminen genutzt. Außerdem passt es, dass sie den USA zeigen wollen, dass sie den Ölhandel im Persischen Golf und der Straße von Hormus attackieren können. Aber zugleich greifen sie nicht direkt an. Also ich denke, es gibt klare Anzeichen dafür, dass die Iraner dafür verantwortlich sind.

Die Flotte der US-Marine ist derzeit in der Region. Wohin könnte diese Situation noch führen?

Ich weiß es noch nicht. Nach der Zuspitzung im vergangenen Monat war die Angst vor einer militärischen Eskalation groß. Das hat sich ein wenig entspannt, einfach weil US-Präsident Trump sagte, dass er persönlich nicht interessiert sei. Seine Berater Pompeo und Bolton hingegen könnten an einem Krieg interessiert sein, aber Trump ist es nicht. Deshalb denke ich, ist die Gefahr nicht so konkret, wie sie es vor etwa sechs Wochen vielleicht war. Dennoch ist sie da, weil die iranischen Revolutionsgarden - die meiner Meinung nach dahinter stecken - die Situation anheizen. Diese Angriffe waren viel ernster als die vor vier Wochen.

YPG Syrien Guido Steinberg
( DW/M. Aqil
)

Guido Steinberg, Nahost-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik

Warum sollten die Revolutionsgarden so etwas tun?

Weil sie unter ständigem amerikanischen Druck stehen. Entsprechend ihrer Weltanschauung und ihrer Mentalität müssen sie zeigen, dass sie nicht nachgeben werden. Das sind die radikalsten Elemente der iranischen Militärelite. Die kämpfen nun seit fast 15 Jahren gegen die Israelis, die Saudis und andere Kräfte in der Region. Sie wollen einfach nur zeigen, dass sie da sind, und falls die Vereinigten Staaten, Saudi-Arabien oder die Vereinigten Arabischen Emirate angreifen, dann können sie den Ölfluss durch die Straße von Hormus stoppen. Das ist die klare Botschaft dieser Ereignisse.

Wie sensibel ist denn die Region? Ein Drittel des Erdöls der Welt muss dadurch.

Es ist schlicht die Energieregion des Planeten. Einige der größten Öl- und Gasförderer sind am Persischen Golf ansässig - darunter Saudi-Arabien, Kuwait und Katar als Gasexporteur. Und die Straße von Hormus ist ein ziemlich enger Ort. Und die Iraner sind mithilfe von Haftminen, kleinen Torpedos und so weiter in der Lage, viele Schiffe daran zu hindern, dort durchzufahren. Deshalb sind diese Ereignisse so gefährlich. Und wenn dies so weitergeht, wie es seit zwei Monaten der Fall ist, werden wir eine militärische Eskalation vor dem Ende der Trump-Regierung erleben.

Müssen wir uns also auf eine militärische Auseinandersetzung zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten einstellen?

Ja, sollten wir. Das könnte zufällig geschehen, weil sich so etwas im Golf von Oman, im Persischen Golf oder der Straße von Hormus wiederholt. Es gibt da aber auch noch einen weiteren Punkt: Die Iraner haben den Europäern ein Ultimatum gestellt. Wenn die Europäer ihnen keine Möglichkeiten zur Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Situation geben, werden sie die Urananreicherung nach dem 7. Juli wieder aufnehmen. Und dann wird nicht nur die US-Marine alarmiert sein, sondern auch die israelische Luftwaffe.

Guido Steinberg ist Nahost-Experte der regierungsnahen Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin. Von 2002 bis 2005 war er Referent für internationalen Terrorismus im Bundeskanzleramt.

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