Irakische Armee erreicht IS-Hochburg Mossul | Aktuell Nahost | DW | 31.10.2016
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Aktuell Nahost

Irakische Armee erreicht IS-Hochburg Mossul

Nach zwei Wochen verbissener Kämpfe gegen die Extremistenmiliz IS haben Einheiten der irakischen Armee Mossul erreicht. Die Offensive dürfte sich aber noch Monate hinziehen, denn die Islamisten kämpfen mit allen Mitteln.

Schiitische Milizionäre am Sonntag im Süden von Mossul

Schiitische Milizionäre am Sonntag im Süden von Mossul

In der Schlacht um Mossul verteidigen sich die Dschihadisten des "Islamischen Staates" mit Sprengfallen, Selbstmordattentätern und Scharfschützen. Damit können sie die Angreifer bisher aufhalten, aber nicht stoppen: Irakische Sicherheitskräfte haben sich im Osten bis an die Grenze der Großstadt herangekämpft. Nach Angaben aus der Militärführung eroberten Eliteeinheiten der Armee den Ort Baswaja, das letzte Dorf vor den Außenbezirken Mossuls. Die Truppen würden nun versuchen, die Dschihadisten aus dem Vorort Gogdschali zu vertreiben. Aus Militärkreisen hieß es, auch von Norden her seien die Truppen weiter an die Stadt herangerückt. Eine unabhängige Bestätigung für das Vorrücken der Streitkräfte gab es zunächst nicht.

Berichte, nach denen Einheiten der Armee bereits in den östlichen Stadtteil Karama vorgedrungen seien, dementierte ein Militärsprecher. Allerdings hatte der der General der Anti-Terror-Einheit CTS, Wissam Aradschi, der Nachrichtenagentur Reuters über seine Soldaten gesagt: "Sie kämpfen nun im Viertel Karama." Der Vorstoß werde jedoch unterbrochen, um das Vorrücken anderer Einheiten an anderen Fronten abzuwarten.

Rauch steigt am Montag über dem Viertel Kamara auf

Rauch steigt am Montag über dem Viertel Kamara auf

In der Umgebung von Mossul nahmen kurdische Milizen nach Angaben des irakischen Militärs fünf Ortschaften ein. Andere Armee-Einheiten stießen demnach vom Süden her auf die Stadt vor. Schiitische Milizen haben angekündigt, die Verbindung zwischen Mossul und Rakka in Syrien einzunehmen, um IS-Kämpfern den Fluchtweg abzuschneiden.

Der IS reklamierte einen Gegenangriff in Haditha in der Provinz Anbar für sich, wo nach Angaben der Extremistengruppe 35 Soldaten und Milizionäre bei einem Selbstmordattentat getötet worden sein sollen. Die irakische Armee bestätigte den Angriff zunächst nicht.

Die Vereinten Nationen befürchten, durch die Kämpfe könnten bis zu einer Million Menschen in die Flucht getrieben werden. Bislang konnten nach UN-Angaben rund 17.500 Menschen aus den Kampfgebieten im Norden Iraks fliehen. Demnach werden Menschen aber daran gehindert, Mossul zu verlassen.

Ein Panzer am Sonntag im Süden von Mossul

Ein Panzer am Sonntag im Süden von Mossul

Vor zwei Wochen hatten die irakische Armee, kurdische Peschmerga-Kämpfer und lokale Milizen mit einer Großoffensive auf Mossul im Norden des Iraks begonnen. Die von den USA geführte Koalition unterstützt die Operation mit Luftangriffen. Alleine an der Front im Süden der ehemaligen Metropole wurden seit Beginn nach irakischen Militärangaben mehr als 750 Kämpfer des IS getötet.

Die beteiligten Kräfte nähern sich Mossul aus drei Richtungen und konnten in den vergangenen zwei Wochen schnell Boden gegen die Dschihadisten gewinnen. Diese versuchen, den Vormarsch mit Sprengfallen, Selbstmordattentätern und Scharfschützen aufzuhalten. Es wird vermutet, dass sich viele IS-Kämpfer aus den umliegenden Dörfern nach Mossul zurückgezogen haben, um die IS-Bastion zu verteidigen. Beobachter rechnen damit, dass sich die Schlacht um die Stadt noch über Monate hinziehen wird.

Die Eroberung von Mossul wäre militärisch und symbolisch eine schwere Niederlage des IS. Vor zwei Jahren hatte IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi in Mossul ein Kalifat ausgerufen, das neben dem Irak auch große Teile Syriens umfassen soll. In dem IS-Herrschaftsgebiet stehen Andersgläubige unter Lebensgefahr. Viele wurden von den radikalen Islamisten getötet oder versklavt.

Infografik / Karte Offensive der Anti-IS-Koalition bei Mossul DEU

stu/uh (ap, dpa, rtr)

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