Iraker nach ICE-Anschlägen in Wien vor Gericht | Aktuell Europa | DW | 01.12.2020
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Islamistischer Terror

Iraker nach ICE-Anschlägen in Wien vor Gericht

Vier Mal soll der Flüchtling 2018 versucht haben, ICE-Züge in Deutschland entgleisen zu lassen. Zusammen mit seiner Frau steht er in Wien vor Gericht und behauptet, er wollte niemanden töten.

Österreich Wien | Prozess nach Anschlägen auf ICE-Züge

Rund zwei Jahre nach der islamistischen Anschlagsserie auf die ICE-Strecke Nürnberg-München findet unter strengen Sicherheitsmaßnahmen der Prozess statt

Die Staatsanwaltschaft glaubt ihm nicht. Sie wirft dem 44-Jährigen vor, als Anhänger der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) gehandelt zu haben. Bei den Anschlägen entstand Sachschaden. Verletzt wurde niemand.

Zusammen mit seiner Frau steht der aus dem Irak stammende Angeklagte in Wien vor Gericht. Dem Ehepaar wird mehrfacher versuchter Mord als terroristische Straftat, schwere Sachbeschädigung als terroristische Straftat sowie Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung angelastet.

Österreich Wien | Prozess nach Anschlägen auf ICE-Züge

Polizistinnen und ihre Kollegen suchen die Schienen auf der ICE-Strecke ab (Archivaufnahme)

Das Paar soll auch Kontakte zur Islamisten-Szene in der Schweiz und in Frankreich gehabt haben. Der Mann lebt seit 2013 als anerkannter Flüchtling in Österreich. Der Prozess findet unter strengen Sicherheitsvorkehrungen vor dem Landgericht Wien statt. Das Urteil wird an diesem Donnerstag erwartet.

Zum Auftakt bekannte sich der Angeklagte der schweren Sachbeschädigung schuldig. Er will aber nicht als Terrorist im Namen des IS gelten. Sein Verteidiger sagte, es sei seinem Mandanten nicht darum gegangen, ein katastrophales Zugunglück herbeizuführen. Er habe Aufmerksamkeit erregen wollen. Sein Ziel sei der Abzug ausländischer Truppen aus dem Irak gewesen.

Anklage: Größtmöglichen Schaden anrichten

Dagegen hielt die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten vor, er habe Anschläge im Namen des IS begehen wollen mit der Absicht, größtmöglichen Sachschaden und größtmöglichen Personenschaden anzurichten. Der Anklage zufolge hatte er in drei von vier Fällen die ICE-Strecke zwischen Nürnberg und München im Visier.

Bei Allersberg hatte er mit einer Balken-Konstruktion, mit Holzkeilen und später mit einem über die Gleise gespannten Stahlseil die Züge attackiert. Dabei kollidierte ein mit 160 Passagieren besetzter ICE mit Tempo 204 mit dem Stahlseil. Außer einem Lichtblitz und Schäden an der Frontscheibe sowie am Lack passierte allerdings nichts.

Zudem soll der Angeklagte im Dezember 2018 an einer S-Bahn-Station in Berlin ein Seil mit Hakenkrallen auf die Oberleitung geworfen haben, um einen Zug entgleisen zu lassen. Auch dieser Anschlag scheiterte. Das Original eines Drohschreibens vergaß er beim Kopieren in einem Copy-Shop. Das wurde eine wichtige Spur.

uh/qu (dpa)

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