Interview: ″Günstiger, die Steuern zu zahlen″ | Europa | DW | 24.01.2019
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Bulgarien/Steuern

Interview: "Günstiger, die Steuern zu zahlen"

Bulgarien gilt einer Studie zufolge als vorbildlich bei der Unternehmensbesteuerung. Auf diese Weise habe das Land die Schattenwirtschaft eingedämmt, sagt der Ökonom Krassen Stanchev im DW-Gespräch.

DW: Herr Prof. Stanchev, die Grünen im EU-Parlament haben eine Studie veröffentlicht, in der unter anderem behauptet wird, dass Bulgarien das einzige EU-Land sei, das Großkonzerne mit dem vollen Steuersatz belaste. Wie erklären Sie sich diese Behauptung?

Stanchev: Es ist sehr einfach: in Bulgarien ist es günstiger, die Steuer zu zahlen als sie nicht zu zahlen. Die Studie der Kollegen von der Karls-Universität in Prag und der Grünen im EU-Parlament deckt sich mit den Erkenntnissen aus einer Studie, die wir schon 2005/2006 veröffentlicht hatten. Bis zu diesem Zeitpunkt war es in Bulgarien genauso wie in der gesamten EU: es wurden nur 12,9% der Steuern entrichtet, die tatsächlich zu entrichten waren. Gerade deswegen haben wir 2007/2008 den den Flat-Rate-Steuersatz über zehn Prozent eingeführt.

Dadurch sind die Steuereinnahmen gestiegen und ein Großteil der Schattenwirtschaft verschwand. In den OECD-Berichten ist Jahr für Jahr auch zu lesen, dass in Bulgarien prozentuell genau soviel Körperschaftssteuer eingesammelt wird, wie in Deutschland und in den anderen EU-Ländern, aber mit einem geringeren Aufwand.

Wirtschaftsexperte Krassen Stanchev Bulgarien (BGNES)

Wirtschaftsexperte Krassen Stanchev

Das Niveau der eingesammelten Körperschaftssteuer ist in Bulgarien heute vergleichbar mit dem Niveau in Deutschland und Dänemark.

Hat die Flat-Rate auch weitere Vorteile?

Ja, in Bulgarien gibt es kaum Gerichtsverhandlungen in Steuersachen.

Und hat der flache Steuersatz womöglich auch Nachteile?

Nein, meines Erachtens gibt es keine Nachteile. Im letzten Jahr habe ich eine Studie unter dem Titel "Die Flat-Rate-Steuer in Bulgarien" mitherausgegeben. Das war eine Bilanz der letzten zehn Jahre seit der Einführung des flachen Steuersatzes. Wir haben einen Vergleich der statistischen Daten aus Bulgarien, von Eurostat und der OECD gemacht. Unter dem Strich bleibt die Erkenntnis, dass die Steuereinnahmen in Bulgarien tatsächlich sehr hoch sind.

In der Studie der Grünen geht es um die Großkonzerne. Welche Großkonzerne haben in Bulgarien schon Fuß gefasst?

Es sind die großen europäischen Bankgruppen, einige Energie-Unternehmer aus den USA und - aber nur indirekt - die meisten großen Software- und IT-Konzerne.

Prof. Krassen Stanchev lehrt Wirtschaftswissenschaften an der "Sveti Kliment Ochridski"-Univesität  in Sofia.

Das Gespräch führte Alexandar Andreev.

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