Im Herbst der Karriere: Serena Williams scheitert in Melbourne | Sport | DW | 18.02.2021
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Tennis

Im Herbst der Karriere: Serena Williams scheitert in Melbourne

Selbst wenn Serena Williams verliert, wie jetzt im Halbfinale der Australian Open, genießt sie als Tennis-Königin die volle Aufmerksamkeit. Doch die Thronfolgerinnen drängen nach vorne. Endet bald eine große Karriere?

Die gute Nachricht zuerst: Serena Williams tritt nicht ab. Sie kann die Tennisbühne gar nicht verlassen, so wichtig ist die 39-Jährige für die WTA (Women's Tennis Association) und für alle großen Turnierveranstalter dieser Welt. Wenn Serena spielt, sind die Einschaltquoten hoch, die Aufmerksamkeit ist groß. Spektakel! Showtime! Großes Kino!

Doch nun die schlechte Nachricht: Serena Willams kann nicht abtreten. Die Spielerin, die in Melbourne mit dem Schriftzug "Queen" an der Halskette auftrat, hat den idealen Zeitpunkt versäumt, hat zu lange von ihrem 24. Grand-Slam-Titel geträumt, der ihr nach wie vor fehlt zum historischen Rekord der Australierin Margaret Court. Seit ihrem Erfolg bei den Australian Open 2017 hat sie nicht mehr bei einem der vier wichtigsten Tennisturniere gewonnen.

Stattdessen muss Serena Williams nach Niederlagen immer wieder dabei zusehen und -hören, wie ihr die jüngeren Spielerinnen Tribut zollen. So wie auch nach dem Halbfinal-Aus bei den Australian Open die Japanerin Naomi Osaka wieder.

Tränen in der Pressekonferenz 

Wenig später, als Williams in der Pressekonferenz saß und mit der ihr eigenen Distanziertheit auf die lästigen Fragen der Journalisten antwortete, überkam es sie aber doch. Darauf angesprochen, ob dies möglicherweise ihr Abschied in Melbourne gewesen sei, entgegnete sie noch gefasst und lächelnd: "Ich weiß es nicht ... Wenn ich mich irgendwann mal verabschiede, würde ich es keinem verraten. Also..."

Dann kam die nächste, eher unverfängliche Frage, ob sie vielleicht einfach einen schlechten Tag gehabt habe (" ... it was just one of these bad days in the office ...")? Und dann brach Williams die Pressekonferenz in Tränen ab. Spektakel! Drama!

Let me entertain you!

Der offiziellen Seite der WTA zufolge hat die US-Amerikanerin in ihrer Karriere 93 Millionen US-Dollar an Preisgeldern eingenommen. Das dürfte nur ein Bruchteil ihres Umsatzes über all die Jahre gewesen sein, seit sie 1995 im Alter von 14 Jahren Tennisprofi wurde. 73 Titel in ihrer Karriere, eben jene 23 Grand-Slam-Siege - niemand hat nach Steffi Graf diesen Sport als Spielerin so geprägt. Und immer noch ist die 39-jährige in der Lage, das Halbfinale eines großen Turniers wie der Australian Open zu erreichen. Wenn sie das nicht macht, posiert sie für die Vogue von Anna Wintour oder für Musikvideos von Beyoncé. Let me entertain you!

Australian Open: Day 11 Serena Williams 2021

Naomi Osaka (links) war ein weiteres Mal zu stark für Serena Williams

Auf der anderen Seite ist die Tennis-Queen, "Serena Wonderwomen", inzwischen wieder auf Rang elf der Weltrangliste abgerutscht. Sie hatte das schon einmal erlebt, war dann aber zurückgekommen. Doch nun fehlen ihr die großen Siege, um wirklich wieder die Weltspitze zu erreichen. Zugegeben: Ihre Schläge haben weiterhin jene Wucht, die jeden - wirklich jeden - männlichen Kontrahenten mindestens in Schach halten würden. Aber sie kann nicht verhehlen, dass ihr die Spritzigkeit und Beweglichkeit früherer Tage fehlt.

Die Königin ist, wie erwähnt, 39 Jahre alt. Ihre eigene Prinzessin, Tocher Alexis Olympia, ist drei. Ihre Gegnerin im Halbfinale, Naomi Osaka, 23. Osaka hat nun zum wiederholten Male die Träume ihres Idols zerstört. Unvergessen der Eklat, für den eine wegen Coachings bestrafte Williams 2018 im Finale der US Open sorgte - da hatte ihr die junge Osaka erstmals die Show gestohlen und war am Ende die weinende und zerknirschte Siegerin eines Grand-Slam-Turniers.

Der elegante Weg

Hätte Williams das Halbfinale in Melbourne gewonnen, wäre das Tor für einen weiteren Grand-Slam-Sieg im Finale gegen die unerfahrene US-Amerikanerin Jennifer Brady weit offen gewesen. Das weiß sie, und so erklärt sich auch ihre heftige Reaktion in der Pressekonferenz.  Doch eine 3:6, 4:6-Niederlage ist nicht gerade das, was man als knappen Spielausgang bezeichnen kann. Als Serena die Rod-Laver-Arena verließ, legte sie die Hand auf ihr Herz.

Sie wird, steht zu vermuten, erst einmal weiterspielen. Aber man würde ihr wünschen: Wenn Williams nicht enden will wie ihre langjährige Kontrahentin Maria Scharapova - die zuletzt gegen Wiliams überhaupt nicht mehr mithalten konnte - sollte sie einen eleganten Weg suchen, angemessen eine großartige Sportlerinnen-Laufbahn zu beenden. Und wenn es dann irgendwann wirklich soweit sein sollte, heißt es sicherlich wieder: Spektakel! Showtime! Großes Kino!

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