Ig-Nobelpreis für Erforschung der Pinkelpause | Staunen und Wundern | DW | 18.09.2015
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Staunen und Wundern

Ig-Nobelpreis für Erforschung der Pinkelpause

Es gibt ein "Gesetz des Urinierens", zu dieser Erkenntnis sind Forscher im Zoo Atlanta gekommen, nachdem sie die Tiere eine Weile beobachtet haben. Jetzt gab´s dafür sogar den Ig-Nobelpreis.

Ein Team vom Georgia Institute of Technology in Atlanta ist im dem Ig-Nobelpreis in der Sparte Physik ausgezeichnet worden. Die Forscher hatten herausgefunden, dass fast alle Säugetiere ihre Blase innerhalb von 21 Sekunden - oder bis zu 13 Sekunden schneller oder langsamer - leeren.

Die Wissenschaftler hatten sich viel Zeit genommen, und Tiere im Zoo von Atlanta, USA, beim Pinkeln beobachtet. Ja genau: beim Wasserlassen, Urinieren, Erleichtern - wie auch immer, jedenfalls höchst indiskret. Das dennoch überraschende Ergebnis der Forscher: Egal ob Elefant, Kuh oder Katze, sie alle pieseln immer etwa rund 21 Sekunden. Etwa sechs Mal am Tag. Dies gilt für alle Tiere, die schwerer sind als drei Kilogramm.

"Gesetz des Urinierens"

Diese Erkenntnis haben die Forscher auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und das "Gesetz des Urinierens" in den "Proceedings" der Nationalen Akademie der Wissenschaften (PNAS) der USA veröffentlicht. Dazu gibt es sogar ein Video.

Was tatsächlich überraschend daran ist - die Größe der Tiere und die ihres Harntrakts spielen dabei gar keine Rolle. Die Blase eines Elefanten umfasst zum Beispiel 18 Liter - 3600 Mal mehr als die einer Katze, die gerade einmal fünf Milliliter Fassungsvermögen hat.

Eine Erklärung, vermuten die Wissenschaftler, könnte unter anderem die Länge der Harnröhre sein, und die Schwerkraft, die beim Entleeren auf die Blase der Tiere wirkt. Denn kleinere Tiere - etwa Nager oder Fledermäuse - bilden erst gar keinen Urinstrahl. Bei ihnen reicht es nur zum Tröpfeln.

Ganz zum Spaß war diese Beobachtung aber nicht: Denn die Studie könnte etwa bei der Diagnose von Blasenprobleme bei Tieren helfen, oder beim Entwickeln von bionischen Wasserleitungssystemen, zum Beispiel für die Industrie, die auf tierischen Vorbildern beruhen.

Jubiläumsveranstaltung an der Harvard-Universität

Insgesamt wurden in Boston zehn wissenschaftliche Arbeiten, die "erst zum Lachen und dann zum Denken anregen", in der Nacht zum Freitag an der US-Eliteuniversität Harvard mit den "Ig-Nobelpreisen" ausgezeichnet. Zu der traditionell schrillen Gala mit mehr als 1000 Zuschauern, die bereits zum 25. Mal stattfand, reisten wie in jedem Jahr auch echte Nobelpreisträger an. Unter dem Jubel des Papierflieger-werfenden Publikums verliehen sie Blumentöpfe als Preise an die Wissenschaftler aus aller Welt.

Wissenschaftler um Bruno Grossi von der Universität von Chile wurden mit dem Biologie-Preis geehrt, weil sie Hühnern eine Art Saugglocke ans Hinterteil befestigt und entdeckt hatten, dass diese sich dann ähnlich wie Dinosaurier fortbewegen. Ein Ig-Nobelpreis für Medizin ging an mehrere Forscher unter anderem aus Japan und der Slowakei, die sich mit Auswirkungen und Nutzen von intensivem Küssen beschäftigt haben. "Wie Ihr Euch sicher vorstellen könnt, war das ziemlich harte Arbeit", sagte Wissenschaftlerin Jaroslava Durdiaková in ihrer Dankesrede.

In der Sparte Literatur wurden Forscher um Mark Dingemanse vom Max-Planck-Institut für Psycholinguistik im niederländischen Nijmegen geehrt. Die Experten wurden für ihre Entdeckung ausgezeichnet, dass das Wort "huh?" (hä?) scheinbar in allen Sprachen der Welt vorkommt - und auch dafür, dass sie nicht wissen, warum das so ist.

Die Wissenschaftler Elisabeth Oberzaucher und Karl Grammer von der Universität Wien bekamen den Mathematik-Preis für den Versuch auszurechnen, ob der marokkanische Sultan Mulai Ismail zwischen 1697 und 1727 wirklich 888 Kinder gezeugt haben kann, wie es in Überlieferungen heißt.

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