Umfrage: Mehr als Hälfte der deutschen Unternehmen nutzt KI
5. Juni 2026
Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) hat sich in der deutschen Wirtschaft innerhalb kurzer Zeit deutlich ausgeweitet. Nach einer aktuellen Umfrage des Münchner Ifo-Instituts setzen inzwischen 54,5 Prozent der Unternehmen KI in ihren Geschäftsprozessen ein. Vor einem Jahr lag dieser Anteil noch bei 40,9 Prozent.
"Künstliche Intelligenz ist in der deutschen Wirtschaft endgültig in der Breite angekommen", erklärte Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen. "Die Dynamik bei der Einführung ist hoch."
Neben den Unternehmen in Deutschland, die KI bereits einsetzen, planen 16 Prozent die Einführung entsprechender Anwendungen. Weitere 21,6 Prozent diskutieren derzeit über einen möglichen Einsatz. Die Zahlen zeigen, dass die Verbreitung der Technologie in den kommenden Jahren weiter zunehmen dürfte.
Industrie führt bei der KI-Nutzung
Besonders stark verbreitet ist KI derzeit in der Industrie. Dort nutzen bereits 58,7 Prozent der Unternehmen entsprechende Anwendungen. Auch im Dienstleistungssektor hat sich die Technologie etabliert: 56,2 Prozent der Unternehmen setzen dort auf KI. Im Handel liegt der Anteil inzwischen bei rund 45 Prozent.
Eine besonders dynamische Entwicklung beobachten die Forscher im Bauhauptgewerbe. Innerhalb von nur drei Jahren stieg der Anteil der Unternehmen mit KI-Nutzung von 7,1 Prozent auf 39,8 Prozent. Damit holt eine Branche auf, die bislang als vergleichsweise zurückhaltend bei der Digitalisierung galt.
Große Unternehmen haben die Nase vorn
Deutliche Unterschiede zeigen sich weiterhin bei der Unternehmensgröße. Großunternehmen setzen KI mit einem Anteil von 67,2 Prozent deutlich häufiger ein als kleine Unternehmen mit 51,2 Prozent und mittlere Unternehmen mit 47,2 Prozent. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass größere Firmen aufgrund ihrer finanziellen und personellen Ressourcen häufig schneller neue Technologien integrieren können als der Mittelstand.
In den Unternehmen kommt KI bislang vor allem zur Unterstützung bestehender Arbeitsprozesse zum Einsatz. Besonders häufig wird sie in der Verwaltung, bei der Datenanalyse, beim Programmieren, im Schriftverkehr sowie für die Informationsrecherche genutzt. Darüber hinaus unterstützen KI-Anwendungen viele Unternehmen bei Aufgaben in Planung, Controlling und Kundenkommunikation.
Auch in der Industrie gewinnt die Technologie zunehmend in produktionsnahen Bereichen an Bedeutung. Dazu zählen unter anderem die Qualitätskontrolle, die Produktionsplanung und die Wartung von Anlagen. "Die Unternehmen setzen KI vor allem dort ein, wo sie sich konkrete Effizienzgewinne versprechen", sagte Wohlrabe. "Besonders bei Routineaufgaben und der Verarbeitung großer Informationsmengen eröffnet KI neue Möglichkeiten."
Externe Lösungen dominieren
Bei der technischen Umsetzung dominieren bislang externe Lösungen. Knapp drei Viertel der Unternehmen, die KI einsetzen, nutzen kostenpflichtige Anwendungen von Drittanbietern. Zusätzlich greifen 48,4 Prozent auf kostenlose KI-Angebote zurück, während 22,5 Prozent ausschließlich kostenfreie Systeme verwenden. Eigene KI-Systeme entwickeln dagegen nur vergleichsweise wenige Unternehmen. Ihr Anteil liegt bei 18,7 Prozent.
Der Digitalverband Bitkom rechnet damit, dass sich die Verbreitung von KI in den kommenden Jahren weiter beschleunigen wird. "Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz in der deutschen Wirtschaft hat sich innerhalb von zwei Jahren mehr als verdoppelt - und dieser Trend wird sich fortsetzen", sagte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder der Nachrichtenagentur Reuters.
Nach Einschätzung des Branchenverbands ist KI die zentrale Technologie der digitalen Transformation. Sie ermögliche nicht nur effizientere Prozesse, sondern auch völlig neue Geschäftsmodelle. Als wichtige Treiber gelten der zunehmende internationale Wettbewerbsdruck sowie die rasante technologische Entwicklung.
Besonders sogenannte Agentic-AI-Systeme, die Aufgaben eigenständig planen und ausführen können, dürften die Nutzung weiter vorantreiben. Hinzu komme, dass leistungsfähige KI-Anwendungen inzwischen vergleichsweise einfach und kostengünstig eingesetzt werden könnten. "Die Einstiegshürden sind extrem niedrig", betonte Rohleder.
pgr/gri (dpa, afp, rtr, epd, kna)