″Ich kann dazu nicht schweigen″ | Aktuell Nahost | DW | 07.03.2019
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Meinungsfreiheit

"Ich kann dazu nicht schweigen"

Der ägyptische Schauspieler Amr Waked spricht im DW-Interview über seine Angst, bei Wiedereinreise im Gefängnis zu landen. Zuvor hatte er mehrfach die Regierung von Staatspräsident Abdel Fatah Al-Sisi kritisiert.

Der im europäischen Ausland lebende und international erfolgreiche ägyptische Schauspieler Amr Waked will sich trotz offenbar drohender juristischer Konsequenzen auch künftig kritisch über die Regierungspolitik seines Landes äußern. "Ich kann dazu nicht schweigen!", erklärte der 45-Jährige in einem Interview mit dem arabischen Programm der DW. Waked befürchtet laut eigenen Angaben, bei einer Wiedereinreise nach Ägypten umgehend verhaftet und für acht Jahre ins Gefängnis gesteckt zu werden.  

Details zu dieser Befürchtung hatte der Schauspieler kürzlich auf seinem eigenen Twitter-Account veröffentlicht, bevor zunächst regierungskritische ägyptische Medien mit Sitz im Ausland sowie amerikanische Medien den Fall aufgriffen. Demnach wurde Waked bei einem Besuch in der ägyptischen Botschaft in Madrid - inoffiziell - mitgeteilt, dass gegen ihn zwei Urteile von Militärgerichten wegen "Verbreitung von Fake-News" und "Verunglimpfung staatlicher Institutionen" vorlägen. Beide Urteile addierten sich auf insgesamt acht Jahre Gefängnis. 

"Er wurde gewarnt"

Zugleich hatte Waked laut eigenen Angaben in der Botschaft seines Landes auch eine offizielle Mitteilung erhalten, die er als Bedrohung empfunden habe. Demnach könne sein ägyptischer Reisepass nur dann erneuert werden, wenn er für diese Prozedur persönlich nach Ägypten zurückkehre. 

"Ich habe keinerlei Dokument oder Kopie von diesen Urteilen einsehen können", erklärte Waked im DW-Gespräch. Wakeds Anwalt in Ägypten, Malek Adly, kündigte an, bei der Militärgerichtsbarkeit die entsprechenden Dokumente anzufordern.

MSC München Abdel Fattah al-Sisi und Angela Merkel (AFP/C. Stache)

Zusammenarbeit mit Ägypten trotz schwieriger Menschenrechtslage? - Merkel und Al-Sisi und Merkel im Februar

Eine Anfrage bei der ägyptischen Botschaft in Spanien zu diesem Vorgang blieb bislang unbeantwortet. Mohamed Rashad, ein pensionierter ägyptischer Geheimdienst-Funktionär, äußerte gegenüber der DW Verständnis für ein juristisches Vorgehen seines Landes gegen den Schauspieler: "Dies ist nicht das erste Mal, dass Amr Waked sich auf diese Weise öffentlich äußert. Er ist vorher gewarnt worden!"

Al-Sisi rechtfertigt Vorgehen mit Terrorgefahr

Waked gilt als Kritiker von Staatspräsident Abdel Fatah Al-Sisi und hatte erst kürzlich in Ägypten Aufsehen erregt, als er auf Twitter die Todesurteile gegen 15 Männer kritisierte, die wegen der Ermordung des ägyptischen Generalstaatsanwalts vor mehr als drei Jahren verurteilt worden waren. Amnesty International sprach in diesem Zusammenhang von durch Folter erzwungenen Geständnissen.

Waked lebt seit 2017 überwiegend in Frankreich und Spanien. 2005 hatte er an der Seite von George Clooney in dem Polit-Thriller "Syriana" mitgewirkt. Weitere bekannte Filme mit ihm sind "Lucy", "Lachsfischen im Jemen" sowie die Netflix-Serie "Marco Polo". 2013 gewann er einen Preis als bester Darsteller beim "Dubai International Film Festival".

Die Regierung von Präsident Al-Sisi geht mit harter Hand gegen Kritiker vor. Tausende Menschen sitzen aus politischen Gründen in Haft, die Meinungsfreiheit ist massiv eingeschränkt. Al-Sisi rechtfertigt seine harte Politik mit Terrorakten im Land.

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