IAA: Wer baut das Auto der Zukunft? | Wirtschaft | DW | 16.09.2015
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Wirtschaft

IAA: Wer baut das Auto der Zukunft?

Autos, die überall selber fahren: Autobauer und IT-Riesen arbeiten daran, mal miteinander, mal als Konkurrenten. Es ist das Mega-Thema auf der diesjährigen IAA. Henrik Böhme aus Frankfurt.

Einen eigenen Messestand hat Google nicht. Der Internetriese gehört auch nicht zu den offiziellen Ausstellern auf der Frankfurter Automesse IAA. Aber allein die Ankündigung, Google werde seine Vision von der mobilen Zukunft in Frankfurt präsentieren, hatte im Vorfeld für einige Aufregung gesorgt. Entsprechend bemühte sich Google-Deutschland-Chef Philipp Justus, Signale der Entspannung auszusenden: "Google ist kein Automobilhersteller, und Google hat auch nicht vor, ein Automobilhersteller zu werden", so der Manager auf einer Veranstaltung im Rahmen der Messe. Vielmehr wolle man Partner der Autoindustrie werden. Und das sind die Kalifornier schon: Mit 35 Herstellern hat Google eine Allianz gebildet, um das Smartphone-Betriebssystem Android in die Autos zu bringen.

"Große Revolution"

Aber wenn Autos zu Smartphones auf vier Rädern werden, was bedeutet das für die Autohersteller? Werden sie nur noch zu Zulieferern von Hardware, sprich Karossen mit Antrieben, und den Rest machen Google und Apple? Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen glaubt an den Beginn einer Revolution. Einige Hersteller hätten das stark im Fokus. "Wenn ich mir anschaue, dass Daimler-Chef Zetsche sagt, er sei offen für Kooperationen. Oder wenn ich BMW sehe, die sich mit Apple-Chef Tim Cook ausgetauscht haben." Das werde "eine große Revolution", und alle, die sich nicht darauf einstellen würden, "die werden mit hoher Wahrscheinlichkeit verlieren". Schließlich habe kein Hersteller von Dampflokomotiven es überlebt, als das Zeitalter der E-Loks angefangen habe. "Man war im Kopf blockiert", so Dudenhöffer.

Audi A7 (Jack)

Ein Meilenstein: Ein Audi A7 fährt Anfang Januar 2015 in zwei Tagen die knapp 900 Kilometer lange Strecke vom Entwicklungslabor im kalifornischen Silicon Valley zur CES nach Las Vegas

Google plus Apple vs Daimler und Co?

Vernetzte Mobilität, autonomes Fahren: Mercedes und Audi beispielweise haben auf die neuen Trends früh reagiert. Um das unter Beweis zu stellen, sind die Konzernchefs in den vergangenen Jahren auf die Consumer Electronic Show nach Las Vegas gepilgert, um ihre selbstfahrenden oder vernetzten Autos dort zu zeigen. Jetzt kann man diese Konzepte und Fahrzeuge auch in Frankfurt sehen, eine ganze Messehalle haben die Veranstalter der "New Mobility World" gewidmet. Dort aber wird das ganze Problem sichtbar: Denn nicht Hochglanz-Karossen stehen dort im Mittelpunkt, sondern IT-Lösungen für die Mobilität der Zukunft. Also doch ein Kampf Google und Apple versus Autohersteller?

"Das wäre falsch", sagt Ulrich Hackenberg, Entwicklungschef von Audi gegenüber DW. "Wir arbeiten ja auch zusammen, weil unsere Kunden diese Vernetzung im Fahrzeug haben wollen." Es gäbe Felder, auf denen man zusammenarbeite, und Bereiche, "wo wir den Weg alleine gehen, auch im Wettbewerb. Aber Wettbewerb belebt bekanntlich das Geschäft, Wettbewerb spornt an. Man sollte Wettbewerber nicht fürchten, aber respektieren."

So argumentiert man auch bei Daimler. Die sehen sich als Erfinder des Automobils, und heute werde es eben neu erfunden, sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche. Und das wolle man nicht anderen überlassen. Als Antwort auf selbstfahrende Google-Autos zeigen die Schwaben ein komplett vernetztes Konzeptfahrzeug. Er sei "sehr entspannt und selbstbewusst", antwortet Daimler-Entwicklungschef Thomas Weber auf die Frage nach der Konkurrenz aus dem Silicon Valley.

IAA Frankfurt - Mercedes Conceptcar

Daimlers Vorstellung eines komplett vernetzten Fahrzeugs wurde auf der IAA 2015 vorgestellt

Weichen gestellt

"Wir nehmen diese Wettbewerber natürlich ernst, weil das Thema Digitalisierung als ein zusätzliches Kernthema kommt", so Weber zur DW. Aber um ein komplettes Auto bauen zu können, brauche man die Fähigkeit, alle Eigenschaften eines solchen Fahrzeugs gleichzeitig festzulegen: Komfort, Design, Fahrdynamik, Antriebstechnologie. Natürlich kämen nun die Themen Vernetzung und autonomes Fahren hinzu. "Aber auch da fühlen wir uns bestens gerüstet und haben alle Weichen für eine erfolgreiche Zukunft gestellt."

Die Weichen gestellt: Das erklärt auch, warum Daimler gemeinsam mit Audi und BMW 2,5 Milliarden Euro für den Nokia-Navigationsdienst "Here" auf den Tisch legt. Hochpräzise Karten sind der Schlüssel zum autonomen Fahren, und die Karten hatten bislang andere. Aber ob das ausreicht im Kampf um die Märkte der Zukunft? Denn es geht längst um mehr - nicht mehr nur um das Fahren von A nach B, sondern um ganze Mobilitätskonzepte, für die Megacities dieser Welt beispielsweise. Und dort könnte man sich autonom fahrende Uber-Flotten oder Google-Autos in großer Zahl durchaus vorstellen. Wichtige Komponenten in Googles noch putzig anmutenden kugelrunden Stadtflitzern kommen vom deutschen Zulieferer Bosch.

Entsprechend sieht Bosch-Chef Volkmar Denner keinen Kampf IT-Riesen gegen Autobranche: "Für uns sind Firmen wie Google Kunden von Bosch, denn wichtige Komponenten des Google Cars kommen von Bosch. Insofern sind die neuen Player in der Industrie, wie beispielsweise auch Tesla, wichtige Kunden für uns."

Google Auto

Mit diesem kugelrunden autonomen Auto schockte Google im Sommer 2014 die Autobauer

Neues Denken

Tesla wiederum ist ein gutes Beispiel dafür, dass man Autobauen nicht seit über 100 Jahren können muss, um auf dem Markt erfolgreich zu sein. Der Elektropionier aus Kalifornien, seit 12 Jahren im Geschäft, hat zwar noch Anlaufprobleme. Aber schicke Elektroautos bauen kann er allemal. Der Durchbruch ist dem Unternehmen durchaus zuzutrauen. Und es bringt ein anderes Denken mit. "Es geht sogar soweit, dass wir unsere Patente freigegeben haben, um das zu fördern", sagt Jochen Rudert von Tesla Deutschland. Man werde keine Firma rechtlich belangen, die zu einem positiven Zweck die Tesla-Patente auf Motor, Antriebsstrang oder Batterie im eigenen Fahrzeug verwenden würde. "Denn das ist unsere Mission: Den Markteintritt der Elektromobilität zu beschleunigen. Und das wollen wir mit allen Mitteln forcieren."

Neues Denken, neue Player, neue Technologien: So kann der Satz von Google-Manager Justus, wonach sein Unternehmen kein Autobauer werden wolle, also nicht unbedingt als Entwarnung gesehen werden, sondern wohl eher als eine Einladung an die Autokonzerne. Denn Google ist auf etwas ganz anderes scharf: Ein vernetztes Auto erzeugt eine Unmenge wertvoller Daten. Das ist die Währung des Internet-Zeitalters.

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