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Hitzewellen: Sind Deutschlands Krankenhäuser vorbereitet?

19. Juni 2026

Je heißer es wird, desto mehr Menschen kommen mit Gesundheitsproblemen ins Krankenhaus. Doch wie gut ist der Hitzeschutz für Patienten in den Kliniken selber?

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Ein Notarzt-Einsatzwagen fahrt durch den Verkehr. Rettungsdienst im Einsatz
Bei großer Hitze gibt es mehr Rettungseinsätze und Einweisungen in Krankenhäuser Bild: Maximilian Koch/picture alliance

Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) ist gut aufgestellt: Es gibt viele alte Bäume auf dem Gelände, einen Park gegenüber und an einigen Gebäuden rankt wilder Wein oder Efeu die Fassaden empor.

Das alles hilft gegen Hitze. Die Bäume kühlen ihre Umgebung durch ihren Schatten, und weil sie der Luft durch die Verdunstung von Wasser Wärme entziehen. Auch Pflanzen an Gebäudefassaden wirken kühlend und sie halten warme Sonnenstrahlen vom Mauerwerk fern.

Deutschland Hamburg 2023 | Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf | Denkmalgeschütztes Erikahaus
Ein alter Baumbestand sorgt am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf für natürliche Beschattung. Als die ersten Gebäude der Klinik gebaut wurden, gab viel weniger lange Hitzephasen in DeutschlandBild: UKE

"Unter den Bäumen wurden Bänke aufgestellt, damit mobile Patientinnen und Patienten, Besucher und Mitarbeitende dort im Schatten verweilen können", erzählt Frank Dzukowski, Leiter der Abteilung Nachhaltigkeit des UKE. Vor drei Jahren hat das Hamburger Klinikum einen umfassenden Hitzeschutzplan aufgestellt. Als die Klinik vor über 100 Jahren gebaut wurde, waren die Sommer in Hamburg im Schnitt noch kühler. 

Klarer Trend zu mehr Hitzetagen in Deutschland

Durch den menschengemachten Klimawandel erwärmt sich Europa besonders schnell und auch in Deutschland gibt es immer mehr Hitzetage mit mehr als 30 Grad Celsius. In den 1950er Jahren gab es in den meisten Sommern davon nur wenige, knapp acht Hitzetage machten ein Jahr zu einem Rekordhitzejahr, bis zu den 1980er Jahren waren es zehn. In den 2000ern waren es 19 und im vergangenen Jahrzehnt zählte ein Rekordhitzejahr mehr als 20 Tage mit über 30 Grad.

Große Hitze ist eine Gefahr für unseren Körper. Vor allem Hitzewellen wirken sich belastend aus. Von ihnen spricht man, wenn die Temperaturen an mehreren Tagen in Folge auf 30 Grad oder mehr steigen und in der Nacht nicht unter 20 Grad fallen.

Wie Hitzewellen unserem Körper schaden 

Sind wir Hitze zu stark ausgesetzt, kann sie das körpereigene Kühlsystem überlasten – mit Folgen wie Hautausschlägen, Wadenkrämpfen oder Schwellungen in den Beinen. Vor allem unser Herz-Kreislauf-System wird durch Hitze sehr belastet, mögliche Folgen sind Schwindel, Kopfschmerzen, Erschöpfung, bis hin zum Tod durch einen Hitzschlag.

Steigende Temperaturen können in Verbindung mit vermehrter Feuchtigkeit auch zu mehr Hautinfektionen führen und die Wundheilung beeinträchtigen – vor allem, wenn sich mit dem Klimawandel auch das Vorkommen von Bakterien verändert. Hitze kann zudem die Wirkung bestimmter Medikamente verstärken oder abschwächen.

Besonders gefährlich sind hohe Temperaturen generell für Menschen ab 65 Jahren, Menschen mit Vorerkrankungen, schwangere Frauen sowie Säuglinge und Kleinkinder.

Hitze sorgt für volle Krankenhäuser

Allein in den beiden Hitzesommern 2018 und 2019 starben in Deutschland rund 15.500 Menschen an den Folgen der Hitzebelastung. Modellrechnungen für Deutschland sagen voraus, dass es bis Mitte des Jahrhunderts mehr als 5000 zusätzliche Hitzetote pro Jahr geben könnte.

Fakt schon jetzt: Je mehr Hitzetage es gibt, desto mehr Menschen müssen im Krankenhaus behandelt werden. Neben direkten Folgen von Hitze gibt es an heißen Tagen auch mehr Unfälle und Rettungseinsätze.

Aber: Ist man dann im Krankenhaus ausreichend vor Hitze geschützt?

2024 fragte das Deutsche Krankenhausinstitut insgesamt bei 289 Kliniken nach, ob sie mehr oder gezieltere Maßnahmen gegen Hitze ergriffen hätten als im Vorjahr. 60 Prozent sagten nein.

Deutsche Kliniken noch nicht genug auf Hitze vorbereitet

Der Hauptgrund, der besseren Hitzeschutz in Krankenhäusern verhindert: fehlendes Geld, das sagten 96 Prozent aller Befragten. Auch der hohe bürokratische Aufwand schreckt viele Kliniken ab, mehr für den Hitzeschutz zu tun. "Vielfach haben sie momentan angesichts einer schwierigen wirtschaftlichen Lage auch andere Prioritäten", heißt es in dem Bericht.

Und an dieser Situation hat sich laut Ansicht der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) auch 2026 nicht viel geändert. Der gemeinnützige Verein vertritt als Dachorganisation die Interessen der Kliniken in Deutschland.

Die Bundesländer kämen schon seit Jahrzehnten nicht mehr ihrer Pflicht nach, die tatsächlich anfallenden Investitionskosten der Krankenhäuser zu refinanzieren, kritisiert der DKG- Vorstandsvorsitzende Gerald Gaß.

"In der Praxis heißt das dann oft, dass die Kliniken das wenige Geld eher in die direkte Versorgung investieren und zum Beispiel Geräte anschaffen oder dringend notwendige Reparaturen finanzieren, als eine Klimaanlage nachzurüsten." Die Klinken müssten zusehen, wie sie für Kühlung sorgen könnten, ohne dabei zu viel Geld auszugeben.

Krankenhäuser: Mehr Geld für Hitzeschutz nötig

Tatsächlich existieren bereits viele Ratschlägen zum Umgang mit Hitze, die auch kostengünstige Hitzeschutzmaßnahmen aufzählen: etwa leichte Dienstkleidung, dünne Bettdecken, hitzeangepasstes Essen oder das Aufstellen von Trinkwasserspendern.

Aber: "Um ein Krankenhaus, seine Patientinnen und Patienten und seine Beschäftigten in Hitzeperioden wirklich wirksam zu schützen - dafür benötigt es Investitionen", so Gaß. Von der Politik fordert die DKG deswegen ein mehrjähriges Klima-Investitionsprogramm in Höhe von 31 Milliarden Euro. Ein Teil dieses Geldes soll dann in den Hitzeschutz fließen.

Vor dem Eingang des Hauptgebäudes des Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf sitzen Menschen an einem Sommertag auf Bänken
Sonnenschutz vor den Fenstern hilft, das Hauptgebäude des Universitätsklinikums Hamburg Eppendorf kühler zu halten. In vielen Stationen gibt es keine Klimaanlagen Bild: Axel Kirchhof/UKE Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf

Die meisten deutschen Krankenhäuser wurden gebaut, als Hitzeperioden noch eine Ausnahme waren, daher haben sie meist keine Klimaanlagen.

Auch im Universitätsklinikum Hamburg gibt es Klimatisierung nur in speziellen Bereichen, wie auf Intensivstationen und in Operationssälen, wie Frank Dzukowski berichtet. Am Hauptgebäude, wo sich rund die Hälfte aller Patientenbetten befänden, sei außen ein Sonnenschutz angebracht. "Wo das nicht geht, kann man innenliegende Verschattungselemente oder Sonnenschutzfolien anbringen, um das Eintreten der Wärme und auch der Sonneneinstrahlung zu reduzieren."

Besonders kranke oder schwache Patienten würden, wenn möglich, in Zimmern untergebracht, die sich nicht so schnell aufheizten. Personalräume könnten durch nächtliches Lüften etwas abkühlen. 

Wichtig für einen Hitzeschutzplan sei es, nicht nur die einzelnen Maßnahmen, sondern auch die Verantwortlichkeiten festzulegen und die konkreten Erfahrungen auszuwerten, sagt Dzukowski.

Charité Hitzeschutz-Pläne: medizinische Versorgung ermöglichen

An der Charité-Klinik in Berlin spielte man das Thema "Hitzeschutz unter Extrembedingungen" durch – und entwickelte erste Pläne dazu. Die Frage: Kann die Klinik die medizinische Versorgung auch in einer langen Hitzekrise aufrechterhalten? Das dafür angenommene Szenario: Es herrschen mehrere Wochen Rekord-Temperaturen von über 40 Grad, begleitet von Tropennächten ohne Abkühlung.

Auch die meisten Stationen der Charité sind nicht mit Klimaanlagen ausgestattet. Deswegen erstellte die Klinik eine "Heat-Map", teilte also das Gebäude anhand der Raumtemperaturen auf: Wo liegen Räume, die sich schnell erhitzen und Risikobereiche sind, und wo sind kühle Rückzugsorte, in denen sich Mitarbeitende wie Patientinnen und Patienten von der Hitze zeitweise erholen könnten.

Ein Rettungswagen steht in der Zufahrt zur zentralen Notaufnahme des Campus Charité Mitte in Berlin
Die Notaufnahme der Berliner Charité: In einer langen Phase von Extremhitze droht Überlastung Bild: imago images/Andreas Gora

In krisenhaften Hitzewellen würde mit hoher Wahrscheinlichkeit die Notaufnahme überlastet, so die Charité. Zusätzlich müsse man mit Personalengpässen rechnen, weil Mitarbeitende selbst krank werden könnten oder sich um ihre Familien kümmern müssten, wenn Schulen oder Pflegeheime wegen der Hitze schließen. Helfen könnten hier angepasste Dienstpläne, bestimmte Tätigkeiten auszulagern sowie Operationen und ambulante Behandlungen zu verschieben.

Das Fazit des Krisenstabs der Charité: Krankenhäuser müssen besser für Extremhitze vorbereitet werden. Denn Stand jetzt könnten Kliniken die medizinische Versorgung in einer Hitzekrise nicht ausreichend gewährleisten. Dafür müsse die Politik die Rahmenbedingungen schaffen und die klimaresiliente Sanierung der Krankenhäuser gezielt fördern.

DW-Redakteurin Jeannette Cwienk
Jeannette Cwienk Autorin und Redakteurin, Fokus unter anderem: Klima, Umwelt und Wissenschaft
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