Hinweise auf Putsch im Sudan | Aktuell Afrika | DW | 11.04.2019
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Machtkampf in Khartum

Hinweise auf Putsch im Sudan

Im Sudan gibt es Anzeichen für einen Militärputsch. Soldaten postierten sich rund um das Verteidigungsministerium und an Knotenpunkten. Das Militär kündigte eine "wichtige Erklärung" an.

Im Sudan verdichten sich Hinweise auf einen Militärputsch gegen Präsident Omar al-Baschir. Radio und Fernsehen unterbrachen ihr Programm, spielten Militärmusik und kündigten eine "wichtige Erklärung" der Militärführung an. Nach mehreren Stunden ließ diese allerdings weiter auf sich warten. Als Indiz für einen Machtwechsel sehen Beobachter den Fakt, dass der langjährige Staatschef sich bisher nicht öffentlich äußerte. 

Auf den Straßen der Hauptstadt Khartum fuhren Panzerfahrzeuge der Spezialeinheiten auf, die bislang als regimetreu galten. Sicherheitskräfte wurden rund um das Verteidigungsministerium sowie an Hauptstraßen und Brücken in der Hauptstadt Khartum gesichtet. Augenzeugen berichten, Soldaten hätten Büros des Staatsfernsehens durchsucht. Zudem seien Soldaten in Büros einer Gruppierung eingedrungen, die der Regierungspartei nahesteht. 

Omar al-Baschir (Archivbild)

Omar al-Baschir (Archivbild)

Einem Bericht des Senders Al Arabija zufolge ist Präsident Omar al-Bashir zurückgetreten. Mehrere Regierungsmitglieder sollen festgenommen worden seien. Mitarbeiter der Regierung und der Minister für ökonomische Ressourcen in Norddarfur, Adel Mahjoub Hussein, sagten dem Fernsehsehender al-Hadath TV mit Sitz in Dubai, Präsident Bashir habe sein Amt niedergelegt. Derzeit liefen Beratungen zur Bildung eines regierenden Militärrates. Die Zeitung "Sudan Tribune" berichtet, in einem ihr vorliegenden Telegramm heiße es, ein Militärrat habe bereits die Macht übernommen. Die staatlichen Medien melden, alle politischen Gefangenen seien freigelassen worden.

Karte Sudan TR

Ein Verband sudanesischer Fachleute rief die Menschen dazu auf, erneut an einer Sitzblockade vor der Zentrale der Streitkräfte der Hauptstadt Khartum teilzunehmen und zu protestieren. Berichten zufolge versammelten sich dort Zehntausende Menschen. "Das Regime ist gefallen", riefen Menschen vor dem Hauptquartier. 

Anhaltende Proteste

Seit Monaten gibt es Demonstrationen gegen den autoritären Staatschef Al-Baschir, der das Land im Nordosten Afrikas seit drei Jahrzehnten mit harter Hand regiert. Auslöser der Proteste waren Preiserhöhungen für Nahrungsmittel und andere Waren des Grundbedarfs. Seit der ölreiche Süden des Landes 2011 die Unabhängigkeit erlangte, rutschte Sudan in eine schwere Wirtschaftskrise.

Demonstranten in der Nacht auf Donnerstag in Khartum

Demonstranten in der Nacht auf Donnerstag in Khartum

Doch die Proteste richteten sich zunehmend gegen den 75 Jahre alten Präsidenten selbst. Dieser versuchte zunächst gegenzusteuern: Im Februar verhängte Al-Baschir einen Ausnahmezustand, löste seine Regierung und die der Bundesstaaten auf und erklärte, er würde als Chef der Regierungspartei zurücktreten. Dies entschärfte die Lage aber nicht. 

Internationaler Haftbefehl

Gegen den Langzeitherrscher besteht seit Jahren ein internationaler Haftbefehl wegen Völkermordes. In der Provinz Darfur wurden nach UN-Angaben in den Jahren seit 2003 im Konflikt zwischen Regierung und Rebellen rund 300.000 Menschen getötet. 

Die Proteste spitzen sich seit dem Wochenende zu, Tausende Menschen versammeln sich täglich zu einer Sitzblockade vor der Zentrale der Streitkräfte, die gleichzeitig die Residenz von Al-Baschir ist. Sicherheitskräfte gingen teilweise mit scharfer Munition vor und töteten einem Ärzteverband zufolge mindestens 21 Menschen. Dabei stellten sich Angaben aus Khartum zufolge auch Teile der Streitkräfte auf die Seite der Demonstranten und lieferten sich Schusswechsel mit Sicherheitskräften.

stu/pg/kle (dpa, rtr, afpe)

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