Hilfskonvoi erreicht Rebellengebiet Ost-Ghuta | Aktuell Nahost | DW | 09.03.2018
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Syrien

Hilfskonvoi erreicht Rebellengebiet Ost-Ghuta

Trotz andauernder Kämpfe ist ein zweiter Hilfskonvoi im syrischen Rebellengebiet Ost-Ghuta angekommen. Unterdessen soll eine erste Dschihadisten-Gruppe aus der umkämpften Enklave bei Damaskus gebracht worden sein.

Der Hilfskonvoi nach seiner Ankunft in Duma (picture-alliance/dpa/S. Bouidani)

Der Hilfskonvoi nach seiner Ankunft in Duma

Die humanitäre Lage im syrischen Rebellengebiet Ost-Ghuta ist dramatisch. Rund 400.000 Menschen sind dort seit Jahren eingeschlossen. Jetzt traf zumindest etwas Hilfe ein: 13 Lastwagen mit Lebensmitteln für 12.000 Menschen erreichten die Stadt Duma, wie eine Sprecherin des UN-Nothilfebüros OCHA erklärte. Allerdings beklagten die UN, Beschuss habe die Hilfslieferung bedroht. Trotz Sicherheitsbeteuerungen der Konfliktparteien, darunter auch Russland, sei die Gegend um Duma weiter beschossen worden. Wer dafür die Verantwortung trug, war zunächst unklar. 

OCHA zufolge brachte der Konvoi der Vereinten Nationen, des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) und des Syrischen Roten Halbmondes Hilfsgüter, die am vergangenen Montag nicht hatten abgeladen werden können. Die erste Lieferung Anfang der Woche musste wegen der heftigen Kämpfe um das Rebellengebiet abgebrochen werden. Viele medizinische Güter hatten zuvor auf Druck der syrischen Regierung aus der Lieferung genommen werden müssen. Eine UN-Sprecherin bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass alle Mitarbeiter das Rebellengebiet am späten Freitagabend wieder sicher verlassen hatten. 

Zerstörungen prägen das Bild in der Stadt Duma (REUTERS)

Zerstörungen prägen das Bild in der Stadt Duma

Unterdessen wurde laut syrischen Staatsmedien und Rebellen eine erste Dschihadisten-Gruppe aus der umkämpften Enklave bei Damaskus gebracht. Das Staatsfernsehen zeigte Kämpfer, die das Gebiet an Bord eines Busses verließen. Demnach handelte es sich um 13 Männer und ihre Familien. Die Islamistengruppe Dschaisch al-Islam hatte zuvor erklärt, eine "erste Gruppe von Dschihadisten" solle aus der Kampfzone in die nördliche Provinz Idlib gebracht werden. Es handele sich um Kämpfer der Hajat Tahrir al-Scham, eines weitgehend aus Mitgliedern des ehemaligen Al-Kaida-Ablegers Al-Nusra-Front bestehenden Rebellenverbands.

Ost-Ghuta vor den Toren der Hauptstadt Damaskus gehört zu den letzten Gebieten in Syrien, die noch von - islamistisch dominierten - Rebellen kontrolliert werden. Die Region erlebt seit Mitte Februar die schwerste Angriffswelle der Regierung seit Beginn des Bürgerkriegs vor fast sieben Jahren. Aktivisten zufolge konnten die Armee und Verbündete mittlerweile mehr als die Hälfte des bisherigen Rebellengebietes einnehmen. 

Ein syrischer Soldat am Mittwoch in Ost-Ghuta (picture alliance / Photoshot)

Ein syrischer Soldat am Mittwoch in Ost-Ghuta

Die Menschen in Ost-Ghuta sind seit 2013 eingeschlossen. Die humanitäre Lage ist katastrophal. Es fehlt an Nahrung, Trinkwasser, Medikamenten, medizinischen Gütern und Strom. 

Seit Beginn der Offensive vor gut drei Wochen sind Ärzte ohne Grenzen zufolge mehr als 1000 Menschen in dem Gebiet getötet worden. Das UN-Kinderhilfswerk forderte die Konfliktparteien auf, Hilfslieferungen für Ost-Ghuta zu ermöglichen. "Wir brauchen endlich eine Waffenruhe, die diesen Namen verdient", sagte der UNICEF-Regionaldirektor für Nahost und Nordafrika, Geert Cappelaere, in Amman. "Wie soll unser medizinisches Personal dort arbeiten, wenn Konfliktparteien medizinische Güter aus den Konvois entfernen?" 

Nach Angaben von UNICEF sind inzwischen 40 Prozent der rund 200.000 Kinder in dem umkämpften Gebiet chronisch unterernährt. Eine vom UN-Sicherheitsrat geforderte 30-tägige Waffenruhe für ganz Syrien ist in Ost-Ghuta ohne Wirkung geblieben. Die Gewalt geht jedoch während einer von Russland angeordneten täglichen fünfstündigen Feuerpause zurück. Hilfsorganisationen beklagen allerdings, die Zeit reiche für Lieferungen nicht aus. Russland ist einer der wichtigsten Verbündeten der syrischen Regierung. 

stu/jj (dpa, afp)

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