Harte Urteile nach Flüchtlingstragödie vor der Küste Ägyptens | Aktuell Afrika | DW | 26.03.2017
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Als Warnung an alle Schleuser

Harte Urteile nach Flüchtlingstragödie vor der Küste Ägyptens

Das Boot mit Ziel Italien war im September im Nildelta gekentert: Mehr als 200 Flüchtlinge ertranken. Nun ergingen in Ägypten in einem spektakulären Prozess die Urteile gegen nicht weniger als 56 Verantwortliche.

Ägypten Rosetta Schiff Wrack Flüchtlinge (picture alliance/dpa/T.Alfaramawy)

Das Wrack wurde nach der Katastrophe vom September in den Hafen von Rosetta geschleppt

56 Angeklagte wurden hinter Gitter geschickt, für zwei, zehn oder auch für 14 Jahre. Bestraft wurden sie vor allem wegen Menschenhandels und fahrlässiger Tötung, wie ein Justizvertreter nach dem Prozess in der ägyptischen Hafenstadt Rosetta (auch: Rashid) bekanntgab. Eine Frau wurde freigesprochen.    

Die Urteile ergingen sechs Monate nach der Flüchtlingstragödie vor Rosetta im Delta des Nils, bei dem am 21. September 2016 vermutlich 202 Menschen ums Leben gekommen waren. An Bord des havarierten Schiffs sollen zum Zeitpunkt der Katastrophe bis zu 450 Menschen gewesen sein, die nach Europa wollten. Nach Angaben von Überlebenden saßen bei dem Unglück viele Flüchtlinge im Laderaum fest. 

Den Angeklagten wurde unter anderem vorgeworfen, die Todesfälle mitverursacht und das Leben von Flüchtlingen durch fehlende Rettungsausrüstung gefährdet zu haben. Zudem hätten sie Geld von den Opfern kassiert und Verdächtigte vor den Behörden versteckt.   

Doch wieder über das Meer 

Nach offiziellen Berichten konnten damals 164 Menschen gerettet werden. Die meisten von ihnen kamen nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) aus Ägypten selbst. Andere Überlebende stammten demnach aus Syrien, Eritrea, Äthiopien und dem Sudan. Nach dem Unglück waren unter anderem der Bootseigentümer und mehrere Schlepper festgenommen worden. Nach der Blockade der Balkanroute ist auch Ägypten attraktiv geworden für Migranten, und damit auch für Schleuserbanden. 

Mit Schlauch- und Holzbooten 

Von der libyschen Küste wurde am Sonntag das positive Ende eines Flüchtlingsdramas gemeldet. Mehr als tausend Bootsflüchtlingen seien aus dem Mittelmeer gerettet worden, teilten die Hilfsorganisationen "SOS Méditerranée" und "Ärzte ohne Grenzen" (MSF) mit. Man habe sie in der Nacht von mehreren Schlauch- und Holzbooten geborgen. Für eine junge Frau kam jedoch jede Hilfe zu spät. Sie wurde nach Angaben von "SOS Méditerranée" bewusstlos auf einem Schlauchboot gefunden und später auf dem Rettungsschiff "Aquarius" für tot erklärt.

Gambia Flüchtlinge Mittelmeer (picture alliance/AP/dpa/S. Diab)

Flüchtlinge auf der "Aquarius" bei der Registrierung, eine Szene vom Januar

Die "Aquarius", die von den beiden Organisationen zusammen betrieben wird, brachte laut diesen Angaben insgesamt 645 Flüchtlinge in Sicherheit. Ein zweites Schiff von "Ärzte ohne Grenzen", die erst vor wenigen Tagen in Malta gestartete "Prudence", nahm demnach bei ihrem ersten Einsatz weitere 412 Menschen auf.

Im Mittelmeer kentern immer wieder behelfsmäßige Flüchtlingsboote. Binnen einer Woche wurden mehr als 6000 Menschen aufgegriffen, die mit Schiffen die Überfahrt von Afrika Richtung Europa versuchten. Seit Jahresbeginn gelangten auf diese Weise bereits mehr als 22.000 Menschen nach Italien.

SC/kle (afp, rtre, dpae)