Harry und Meghan: Wir sind dann mal weg! | Europa | DW | 09.01.2020
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Royale Schmerzen

Harry und Meghan: Wir sind dann mal weg!

Bei den Royals gab es Zoff, das war längst klar. Aber wenn sich mit Harry und Meghan die königliche Ersatzbank verabschiedet, laufen die Schlagzeilen heiß. Für die Briten Anlass zu einer Orgie von Klatsch und Tratsch.

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"Megxit": Harry und Meghan ziehen sich zurück

Die Meldung kam am Mittwochabend zur besten Sendezeit und verdrängte sofort Donald Trump vom ersten Platz in den Abendnachrichten. Der US-Präsident war ja auch nicht mehr richtig spannend, weil der den Krieg mit dem Iran einfach absagte, vor dem wir uns gerade noch gefürchtet hatten. Und wer will schon über den dritten Weltkrieg nachdenken, wenn er sich mit royalen Familiendramen ablenken kann?

Säuberungswelle im Palast?

Scharfe Beobachter hatten bei der Weihnachtsansprache der Queen bemerkt, dass das Bild vom Nachwuchs aus der zweiten Reihe nicht mehr auf der Anrichte stand. Die Fotos von Harry, Meghan und Baby Archie waren offenbar einer Putzattacke zum Opfer gefallen. Hatte die Königin etwa die japanische Ordnungsfanatikerin Marie Kondo eingeladen, die unter der Überschrift "Wirf weg, was dir keine Freude macht" die Leute von ihrer Vergangenheit und ihrem alten Plunder befreit? Unwahrscheinlich. Also musste hinter dem Rauswurf der jüngeren Royals aus der Ahnengalerie böse Absicht stehen.  

UK Monarchie l Prinz Harry und Herzogin Meghan (picture-alliance/AP/M. Dunham)

Unterschiedliches Lächeln: Die Queen, Herzogin Meghan und Prinz Harry (v.l.n.r.)

Grund genug für Harry und Meghan, einmal mehr richtig beleidigt zu sein. Man kennt das von Familien, wenn alle immer nur die "guten Kinder" loben, die alles richtig machen und sich bei den Großeltern einschleimen. Da gehen die anderen dann Türen schlagend raus: "Uns seht ihr so schnell nicht wieder! Und mit dem Häuschen in Windsor, das ihr gerade für uns renoviert habt, könnt ihr machen, was ihr wollt. Das war uns sowieso zu spießig." 

Hinter der Säuberungswelle bei den Royals soll Prinz Charles stecken. Er will das Königshaus verschlanken und den Clan auf eine kontrollierbare Kerntruppe begrenzen. Erst flog Bruder Andrew raus mit seinem Skandalfreund Epstein, seinem saudummen Interview, den nutzlosen Töchtern und der haltlosen Ex. Princess Anne wird noch für Kriseneinsätze wie Besuche von Donald Trump oder reiselustige Commonwealth-Autokraten gebraucht. Aber die ganze übrige Bagage bringt nichts als Krisen und Katastrophen. Dass aber Prinz Harry, jahrelang der Publikumsliebling unter den jungen Royals, die väterlichen Umbauarbeiten persönlich nehmen würde, war so bestimmt nicht geplant. 

Prinz Harry und Herzogin Meghan auf Afrikareise (picture-alliance/dpa/PA Wire/D. Lipinski)

Meghan und Harry in Südafrika - und da schaute er sie schon so besorgt an

Das musste ja schief gehen!

Es hatte nicht an Warnungen gefehlt. Eine Amerikanerin und dazu eine Schauspielerin - als Harry seine Hochzeit mit Meghan ankündigte, meldeten sich sogleich Bedenkenträger zu Wort. Schließlich erinnert sich das Gedächtnis der Nation an Wallis Simpson, die geschieden war und viel zu elegante Kleider trug. König Edward VIII musste ihretwegen zurücktreten, was damals, 1936, ein Riesenskandal war. Und nun Meghan mit ihrem unwürdigen Vater, ihren geldgierigen Halbgeschwistern und ihrer Vergangenheit als Vorabendserien-Star...

Angesichts der folgenden Traumhochzeit teilte sich die Presse des Landes in das große Lager der FoM's, der Friends of Meghan, die sie als frischen Wind im verstaubten Königshaus begrüßten, als Schuss amerikanische Unbekümmertheit und ethnischer Vielfalt bei den steifen, blütenweißen Windsors. Eine Frau von anderem Hintergrund, mit eigenen Beruf und so - das kann nur gut sein, hieß das Verdikt. Und dann gab es natürlich im Haifischteich der britischen Massenpresse auch ein paar fiese Anspielungen auf Meghans Familie und Hautfarbe, die unter die Gürtellinie zielten.

UK Monarchie l Prinz Harry und Herzogin Meghan in Sydney Bondi Beach (picture-alliance/AP/D. Lipinsky)

Wohltätigkeitseinsatz am Strand - es ging um seelische Gesundheit

Im vorigen Jahr also, ausgerechnet bei der Afrika-Reise im Auftrag der Queen, schlug Harry dann zurück. Unverschämt und aufdringlich benähmen sich gewisse Journalisten gegenüber seiner Frau, klagte der Prinz. Während unbeschwerte Fotos der jungen Familie mit Baby Archie zirkulierten, ließ der Prinz eine Breitseite gegen die Presse-Barrakudas ab. Die Reaktionen waren eher unfreundlich: Gehören zu einem Job im Palast nicht auch gewisse Nehmerqualitäten? Warum beklagen sich diese Luxusgeschöpfe so viel, und Meghan müsste doch gewusst haben, worauf sie sich mit einer königlichen Heirat einließ? Die Presseschelte des Prinzen war ein Schlag ins Wasser und die jungen Royals fühlten sich vollends unverstanden.

UK Monarchie l Prinz Harry und Herzogin Meghan (picture-alliance/AP/F. Augstein)

Es kann durchaus befreiend sein, der Familie Türen schlagend den Rücken zu drehen

Auf den Brexit folgt der "Megxit"

Wie in anderen Familien scheint man auch im Königshaus nicht miteinander zu reden. So soll die Queen über Harry und Meghans Rückzug nicht informiert gewesen sein. Gegenüber Bruder William herrscht sowieso dicke Luft; die beiden gingen getrennte Wege, hieß es unlängst. Mit Vater Charles ist irgendwie das Tischtuch zerschnitten - ob Camilla Schuld ist? Und die Großmama mit ihrem ewigen Gerede über Pflicht und Anstand ist sowieso schwer zu ertragen. Es bot sich also die schöne Gelegenheit, die ganze Familie, die verhasste Presse und die undankbare britische Öffentlichkeit mit dem Donnerschlag einer persönlichen Rücktrittserklärung aufzuschrecken.

Dass Großartige dabei ist, dass Harry und Meghan damit noch einmal richtig interessant werden. Sie wollen ihr eigenes Geld verdienen - aber wie? Bekommt sie neue Fernsehrollen - und wer stellt einen Prinzen ein, der nur Hubschrauberfliegen gelernt hat? Machen sie etwa Werbung, die die Würde des Königshauses verletzt und verlieren deshalb noch ihre königlichen Titel? Werden sie weiter Klimaschutz predigen und mit dem Privatflieger hin- und herjetten? Wo werden sie wohnen und was kostet das neue Haus? Die Möglichkeiten zur öffentlichen Teilnahme am Leben von Harry und Meghan sind grenzenlos. 

Ausstellung im Haus der Geschichte | Made in England. Fotografien von Peter Dench (Peter Dench)

Bitte den Ketchup zurückbringen: Die Briten werden an Harry und Meghan weiter Anteil nehmen

Kurzum: Nach dem Brexit, der die Briten drei Jahre lang in Atem hielt, bietet der "Megxit" neuen Diskussionsstoff in britischen Familien. Man kann sich absolut folgenlos aufregen und für die eine oder andere Seite Partei beziehen. Die beiden hätten ihrem Land in schwierigen Zeiten keinen besseren Gefallen tun können.

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