Happy in der Google-Blase | Wirtschaft | DW | 09.05.2019
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Google I/O

Happy in der Google-Blase

Von einer nützlichen Suchmaschine zum Problemlöser im echten Leben - wie Google seine alljährliche Entwicklerkonferenz im Silicon Valley nutzt, um die Branche zu inspirieren und von eigenen Problemen abzulenken.

USA Entwicklerkonferenz Google I/O in Mountain View (picture-alliance/dpa/C. Dernbach)

Besucher auf dem Gelände der Google-Enwicklungskonferenz Google I/O

Kaum öffnen sich die Tore zum Shoreline Amphitheater im kalifornischen Mountain View, stürmen sie hinein: Software-Entwickler, Webprogrammierer, IT-Studenten. Mehr als 7000 Teilnehmer und alle sind eingefleischte Google-Fans.

"Es ist so toll hier", schwärmt You Wu. Die Chinesin arbeitet für Alibaba in der Nähe von Shanghai und nimmt zum allersten Mal an "Google I/O" teil, der Entwicklerkonferenz des Konzerns. "Ich hoffe, dass ich hier viel lernen kann, weil Google eine sehr spezielle Unternehmensstruktur hat, die wir sehr respektieren."

Im Handelsstreit mit China droht US-Präsident Donald Trump Peking mit neuen Strafzöllen, die auch amerikanischen Tech-Giganten im Silicon Valley schaden würden. Beiden Ländern geht es um die Vorherrschaft bei der nächsten Technologierevolution. Aber bei der Google-Konferenz sitzen sie gemeinsam und tüfteln an besseren Software-Lösungen: Amerikaner, Chinesen, Inder, Europäer, Lateinamerikaner.

Pichais Botschaft an die Google-Gemeinde

"Wir entwickeln uns von einem Unternehmen, das Euch hilft, Antworten zu finden, zu einem Unternehmen, das Euch hilft, Dinge zu bewerkstelligen", hat Google-Chef Sundar Pichai gleich zum Auftakt als Marschrichtung vorgegeben. Google - hilfreicher als je zuvor, so lautet seine zentrale Botschaft. Die Google-Gemeinde - im Shoreline Amphitheater und an den Geräten weltweit - reagiert begeistert auf Pichais Rede und auf die neuesten Entwicklungen, die er und sein Team vorstellen.

USA Entwicklerkonferenz Google I/O in Mountain View Sundar Pichai (picture-alliance/dpa/J. Chiu)

Will hilfreich sein - Google-Chef Sundar Pichai

Besonders gefeiert wird der "Next Generation Google Assistant". Den Umfang der Software, auf der er basiert, haben die Entwickler von 100 GB auf 0,5 GB reduziert. So kann der Assistant nach Angaben des Unternehmens komplett offline auf Smartphones funktionieren, und das zehnmal schneller als bisher. Sundar Pichai bezeichnet die Entwicklung als einen Meilenstein.

Politisch unter Druck

Zu anderen Themen schweigt der Google-Chef: kein Wort zur internen Kritik am Kurs des Unternehmens, keine Stellungnahme zu Protesten von Mitarbeitern gegen den Umgang mit sexueller Belästigung. Dabei steht viel auf dem Spiel. Noch nie stand Google so massiv in der Kritik wie in den vergangenen Monaten - auch in der amerikanischen Politik.

Russische Einflussnahme auf die US-Präsidentschaftswahlen 2016 hat in den USA eine Debatte über Datenschutz und Missinformation in der digitalen Welt ausgelöst. Seitdem beraten die Politiker in Washington über Konsequenzen. Die Vorschläge reichen von einem Datenschutzgesetz nach europäischem Vorbild bis hin zur Zerschlagung der Tech-Giganten. In Mountain View liefern die Google-Manager ein Bekenntnis zum Datenschutz, gefolgt von dem Versprechen, stets weiter daran zu arbeiten.

Mehr Risiken als Nutzen?

Steht die gesamte Branche nun vor einer neuen Ära? Jian Feng, Software-Entwickler bei Wohnungsvermittler Airbnb, denkt über die Frage nach. "Noch vor fünf Jahren haben wir alle geglaubt, der Nutzen der großen Technologieunternehmen sei größer als die Risiken. Google und Facebook sind immer noch überzeugt, dass sie richtig handeln, aber viele Menschen sind inzwischen skeptisch", räumt er ein, um dann schnell wieder Google zu loben. Immerhin sei der Konzern sehr offen und trete für Datenschutz und Menschenrechte ein.

USA Entwicklerkonferenz Google I/O in Mountain View (picture-alliance/dpa/A. Sokolow)

Das Shoreline Amphitheatre liegt in der Nähe der Google-Konzernzentrale

Es seien die User selbst, die dafür sorgen können und müssen, mehr Kontrolle über ihre Daten zu haben, sagt Mihai Adrian Neacsu, der aus Rumänien ins Silicon Valley gereist ist. Der Software-Entwickler gibt zu bedenken: "Der User gibt uns sein Einverständnis, seine Daten zu nutzen. Er muss sich dessen bewusst sein, dass alles seinen Preis hat. Will er die Dienstleistung, die er eingefordert hat, brauchen wir dazu die notwendigen persönlichen Daten."

Die Konferenz im Shoreline Amphitheater in Mountain View sei sehr inspirierend, sagt die Chinesin You Wu. Und ein anderer Software-Entwickler fügt hinzu: Die Konferenz sei eine einmalige Chance zum Ausstauch. Über Google Lens zum Beispiel. Wird die Kamera auf ein Schild oder ein Dokument gerichtet, kann Google Lens jetzt den Text laut vorlesen und übersetzen. Sehr hilfreich für Menschen, die Schwierigkeiten mit Lesen haben. Kindern sollte man dieses Tool allerdings vielleicht vorenthalten, damit sie nicht glauben, dass es nicht mehr wichtig sei, lesen zu lernen.

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