Handelsstreit lässt Börsen abstürzen | Wirtschaft | DW | 23.03.2018
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Welthandel

Handelsstreit lässt Börsen abstürzen

Die Reaktion an Asiens Börsen lässt kaum Zweifel zu: An den Märkten breitet sich die Furcht vor einem weltweiten Handelskrieg aus. In Asien sackten die Börsen bis zu 4,5 Prozent ab. Verhaltener die Reaktionen in Europa.

Japan Börse in Tokio (Getty ImagesAFP/B. Mehri)

An der Börse von Tokio

Nachdem US-Präsident Donald Trump am Vortag den Rivalen China mit milliardenschweren Strafzöllen belegt hatte, bekamen die Anleger in der asiatischen Region kalte Füße. Besonders kräftig ging es in Japan abwärts: Der Leitindex Nikkei 225 büßte zum Handelsschluss 4,5 Prozent ein. Zuvor war der Yen auf den höchsten Stand seit einem Jahr gestiegen. Die japanische Währung gilt als sicherer Hafen in Krisenzeiten.

Der deutsche Aktienindex Dax startete am Freitag 0,9 Prozent tiefer in den Handel. Experten vermuteten, er könne womöglich am Tage die Marke von 12.000 Punkten nicht halten. Am Donnerstag hatte er 1,7 Prozent schwächer bei 12.100,08 Punkten geschlossen. Die Börse in Paris eröffnete ein Prozent tiefer als am Vortag, an der Börse in London zeigte der FTSE 100 Index ein Minus von 0,6 Prozent. Im Laufe des Vormittagshandels gerieten die europäischen Börsen noch stärker ins Minus.

Die Börse in Schanghai schloss 3,6 Prozent im Minus. Der Index CSI 300 mit den wichtigsten Werten des Festlands weitete seine Vortagesverluste noch aus und und fiel zum Handelsschluss um 2,9 Prozent auf 3904,94 Punkte. Zwischenzeitlich waren die Verluste noch deutlich höher.

Die australische Börse verlor im Handelsverlauf mehr als zwei Prozent, in Hongkong lag der Börsenindex Hang Sen zwischenzeitlich mit fast drei Prozent im Minus. Auch die südkoreanische Börse in Seoul verlor im Handel 2,3 Prozent. "Ein möglicher Handelskrieg zwischen den USA und China ist vor allem für die südkoreanische Wirtschaft ein ernstes Problem, weil es den direkt den Handel des Landes mit den beiden beeinträchtigen könnte", sagte Se Sang-Young, Analyist bei Kiwoom Securities. 

An der Wall Street hatten die US-Indizes am Donnerstag deutlich nachgegeben. Der Dow Jones beendete die Sitzung 2,9 Prozent tiefer bei 23.957 Punkten. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verringerte sich um 2,4 Prozent auf 7166 Punkte.

Sichere Häfen

Der Kurs des Euro ist am Freitag gestiegen. Der US-Dollar verlor im Handel mit allen anderen wichtigen Währungen an Wert, nachdem die USA neue Strafzölle für Waren aus China auf den Weg gebracht hatten. Gleichzeitig gab es am Morgen Kursgewinne nicht nur für den Yen, sondern auch beim Schweizer Franken. Er wird wie der Yen von Investoren als sicherer Hafen für Anleger geschätzt.

Das alles beherrschende Thema an den Finanzmärkten sind die neuen milliardenschweren Strafzölle der USA gegen Waren aus China. Die USA hatten am Donnerstag angekündigt, China mit milliardenschweren Strafzöllen belegen zu wollen. US-Präsident Donald Trump unterzeichnete ein entsprechendes Dekret und begründete dies mit unfairen Handelspraktiken und Diebstahl geistigen Eigentums durch China. Das Paket werde Zölle und andere Maßnahmen im Volumen von etwa 60 Milliarden US-Dollar enthalten, sagte Trump.

USA Washington - Donald Trump verhängt Strafzölle gegen China (Reuters/J. Ernst)

US-Präsident Trump mit seinem Dekret über Strafzölle gegen China

Trumps Handelsbeauftragter Robert Lightizer soll die Zölle binnen 60 Tagen ausarbeiten. Er soll auch eine umfangreiche Liste mit allen betroffenen Produkten vorlegen. Laut Berichten von US-Medien soll vor allem der chinesische Telekom- und Technologiesektor ins Visier genommen werden.

"Keine Angst vor Handelskrieg"

Die Reaktion aus China ließ nicht lange auf sich warten. anders als die EU nicht ausgenommen werden soll. Gleich am Donnerstag hatte die chinesische Botschaft in Washington deutlich auf die Ankündigung von Trump reagiert. "Würde ein Handelskrieg von den USA initiiert, dann wird China bis zum Ende kämpfen, um seine eigenen legitimen Interessen mit allen notwendigen Maßnahmen zu verteidigen", teilte die Botschaft mit. Die US-Entscheidung werde "die internationale Handelsordnung und die Weltwirtschaftsstabilität gefährden".

"China hofft nicht auf einen Handelskrieg, aber hat auch keine Angst davor", erklärte das Handelsministerium in Peking. Zugleich bereitet die Volksrepublik Zölle auf US-Produkte im Wert von drei Milliarden Dollar vor. So sind zunächst 15 Prozent auf Waren wie Trockenfrüchte, Wein und Stahlröhren geplant. In einem zweiten Schritt würden dann 25 Prozent etwa auf Aluminiumschrott oder Schweinefleisch fällig.

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Trump und China: Droht ein Handelskrieg?

Die Zölle würden eingeführt, wenn sich beide Seiten nicht einigen könnten, erklärte das Ministerium. Insgesamt stehen auf der chinesischen Liste 128 amerikanische Produkte. Damit reagiert die chinesische Regierung auf geplante US-Schutzzölle auf Stahl und Aluminium, die ab Freitag greifen sollen.

Die Abgaben zielen nicht nur auf China, sondern alle Staaten. Trump gewährte allerdings der EU eine Ausnahmeregelung bis zum 1. Mai und begründete dies mit den laufenden Verhandlungen. Die EU-Staaten forderten US-Präsident Donald Trump am Freitag offiziell auf, europäische Unternehmen dauerhaft von Schutzzöllen auf Stahl- und Aluminium auszunehmen. Die vorläufige Befreiung von den Maßnahmen müsse in eine ständige Befreiung umgewandelt werden, heißt es in einer beim EU-Gipfel in Brüssel veröffentlichten Erklärung. Die Zölle seien nicht mit nationalen Sicherheitsinteressen zu erklären.

Ausnahmen bei den US-Zöllen gibt es zudem für Argentinien, Australien, Brasilien und Südkorea sowie für Kanada und Mexiko, die gemeinsam mit den USA die Freihandelszone Nafta bilden. Die Ausnahme gilt allerdings nicht für Japan. Der japanische Minister für Wirtschaft, Handel und Industrie, Hiroshige Seko, sagte, die Situation sei "extrem bedauerlich". Als Washingtons Verbündeter beeinträchtige Japan mit seinen Exporten an Stahl und Aluminium die nationale Sicherheit der USA in keiner Weise, sagte ein japanischer Regierungssprecher. Trump hatte seine Entscheidungen unter anderem mit der nationalen Sicherheit der USA begründet.

ar/hb (dpa, rtr)

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