Hagia Sophia wird wieder zur Moschee | Aktuell Welt | DW | 10.07.2020
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Aktuell Welt

Hagia Sophia wird wieder zur Moschee

Die weltberühmte Hagia Sophia darf wieder als Moschee genutzt werden. Das hat das höchste Verwaltungsgericht der Türkei entschieden.

Das Oberste Verwaltungsgericht in der Türkei hat den Weg dafür frei gemacht, das berühmte
Gebäude Hagia Sopha in Istanbul künftig als Moschee wieder nutzen zu können. Das Gericht annullierte den Status der einstigen Kirche als Museum. Das meldet die staatliche Nachrichtenagentur
Anadolu.

Wann das Gebäude wieder als Moschee genutzt wird, ist noch unklar. In Medien wurde als Datum der 15. Juli - der Jahrestag des Putschversuchs in der Türkei - genannt. Nach Angaben der Zeitung "Hürriyet" wird die Gerichtsentscheidung innerhalb der nächsten 30 Tage umgesetzt. 

Vor der Hagia Sophia in der Istanbuler Altstadt sammelte sich spontan eine Gruppe Befürworter der Entscheidung. Sie riefen "Allahu Akbar!" ("Gott ist groß!"). Die Polizei sperrte den Platz vor der Hagia Sophia ab.  Beamte der Einsatzpolizei brachten sich in Stellung, es blieb aber zunächst ruhig.

Gebäude von internationalem Interesse

Der Status des Bauwerks ist ein Politikum. Anhänger der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP fordern seit langem, die Hagia Sophia wieder zur Moschee zu machen. Vor allem Griechenland und Russland sind wegen der Bedeutung der Hagia Sophia für die Orthodoxie gegen eine Änderung des Status. Die Entscheidung könnte die Spannungen zwischen der Türkei und dem Nachbarn Griechenland weiter verschärfen, die sich ohnehin schon um Erdgas im östlichen Mittelmeer streiten. 

Die Hagia Sophia (griechisch: Heilige Weisheit) wurde im 6. Jahrhundert nach Christus erbaut und war Hauptkirche des Byzantinischen Reiches, in der die Kaiser gekrönt wurden. Nach der Eroberung des damaligen Konstantinopels durch die Osmanen im Jahr 1453 wandelte Sultan Mehmet II. ("Der Eroberer") die Hagia Sophia in eine Moschee um. Auf Betreiben des türkischen Republikgründers Mustafa Kemal Atatürk ordnete der Ministerrat im Jahr 1934 die Umwandlung der Hagia Sophia in ein Museum an. 

Lebensaufgabe Moschee-Nutzung

Hinter dem Verein, der gegen diesen Beschluss geklagt hatte, steht nach Angaben von Anadolu ein pensionierter Lehrer, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, die Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee zu erwirken. Der Anwalt des klagenden Vereins, Selami Karaman, bestätigte die Entscheidung auf Anfrage der dpa zunächst nicht.

Auch als Moschee könnten Touristen die Hagia Sophia besichtigen, ähnlich wie die nahe gelegene Blaue Moschee in der Istanbuler Altstadt. Im vergangenen Jahr zog die Hagia Sophia nach offiziellen Angaben 3,7 Millionen Besucher an. Sie war damit das meistbesuchte Museum in der Türkei.

Berühmt ist sie vor allem wegen der rund 56 Meter hohen Kuppel, die nahezu schwerelos über dem Hauptraum zu schweben scheint. Im Inneren sind die Wände mit byzantinischen Mosaiken und Marmor verziert. Um dem Bilderverbot im Islam gerecht zu werden, müssten die Mosaiken während des islamischen Gebets abgedeckt werden.

haz/sti (dpa,kna)

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