Haftstrafe für iranischen Regisseur Jafar Panahi bestätigt
8. Juni 2026
Die iranische Justiz hat die einjährige Haftstrafe für den iranischen Filmemacher Jafar Panahi bestätigt. Panahis Anwalt Mostafa Nilli teilte am Sonntag mit, ein Revolutionsgericht in Teheran unter Vorsitz des Richters Iman Afshari habe die Berufung des Regisseurs abgewiesen. Der Richter ist für seine harten Urteile gegen Regierungskritiker bekannt und von der Europäischen Union mit Sanktionen belegt.
Panahi war im Dezember in Abwesenheit wegen "Propaganda gegen den Staat" zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden. Zudem wurde er mit einem zweijährigen Reiseverbot belegt. Trotz drohender Haft kehrte er am 30. März in den Iran zurück.
Verurteilt wegen heimlichen Drehens
Laut Anklageschrift wurde Panahi aus mehreren Gründen verurteilt, vor allem wegen des heimlichen Drehens eines regierungskritischen Films, seiner Unterstützung für mehrere Dissidenten und politische Gefangene sowie seines Engagements für die Protestbewegung "Frau, Leben, Freiheit", die 2022 nach dem gewaltsamen Tod der jungen Kurdin Mahsa Amini entstanden war.
Beim Filmfestival in Cannes im Mai 2025 war der Regisseur zum ersten Mal seit 15 Jahren persönlich in der französischen Küstenstadt erschienen. Er gewann die Goldene Palme für den heimlich in seiner Heimat gedrehten Film "Ein einfacher Unfall" - den Film, für den er nun vor allem verurteilt wurde. Darin nimmt Panahi sehr direkt die Themen staatliche Gewalt und Unterdrückung aufs Korn. Er erzählt die Geschichte einer Gruppe ehemaliger Häftlinge, die glauben, den Mann gefunden zu haben, der sie gefoltert hat. Es geht um die Frage nach Rache oder Gnade. "Alle Figuren, die Sie in diesem Film sehen, sind von Gesprächen inspiriert, die ich im Gefängnis geführt habe, von Geschichten, die mir Menschen über die Gewalt und die Brutalität der iranischen Regierung erzählt haben", sagte Panahi in Cannes, "Gewalt, die nun schon seit mehr als vier Jahrzehnten andauert."
"Ein einfacher Unfall” ging für Frankreich ins Oscar-Rennen. Gerne wäre Panahi für den Iran angetreten, aber "in einer unterdrückten Gesellschaft" gebe es eben gewisse Schwierigkeiten, sagte er damals in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP.
Jafar Panahi saß im Iran bereits mehrfach im Gefängnis: 2010 knapp drei Monate und von 2022 bis 2023 etwa sieben Monate lang. Nach einem Hungerstreik ließ man ihn im Februar 2023 frei. Die iranischen Behörden hatten Panahi zudem mit einem 20-jährigen Berufs- und Ausreiseverbot belegt.
Doch im Laufe seiner Karriere fand er immer wieder neue Wege, seine Filme zu drehen, zu schneiden und außer Landes zu schmuggeln. Mal verwandelte er sein Wohnzimmer in eine Filmkulisse ("This Is Not a Film"), mal machte er ein Auto zum mobilen Studio (in dem Film"Taxi Teheran", der 2015 den Goldenen Bären auf der Berlinale gewann)
ka, sr/stu (AFP/dpa)