Gstaad: Alpenromantik und Klimawandel | DW Reise | DW | 03.03.2018
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Reise

Gstaad: Alpenromantik und Klimawandel

Rechts die Kuh und links die Rolexuhr, Alpenidylle und Luxus - das ist Gstaad im Südwesten der Schweiz. DW-Reporterin Sandra Havenith hat den Urlaubsort besucht, der wie viele andere vom Klimawandel betroffen ist.

Wie ein Wahrzeichen thront das Palace Hotel mit seinen Türmchen und Spitzen oben auf dem Hügel über Gstaad: ein 5-Sterne-Hotel und sein Kuhdorf. Hier gehören Bauernhof und Bentley zusammen wie Skier und Skistöcke.

Gstaad zählt 3000 Einwohner und genauso viele Kühe. Die zieren auch die Flyer und Werbeplakate für den beliebten Schweizer Urlaubsort mit seinen sanften Skihügeln und den berühmten Chalets. Diese Holzhäuser sind wunderschön mit Schnitzereien und Handmalereien verziert. Selbst der Bahnhof, an dem ich ankomme, ist im Chaletstil gehalten.

Schweiz Reportage Gstaat | Bunt bemaltes Chalet (DW/Sandra Havenith)

Handbemalte Schmuckstücke: Chalets in Gstaad

Mitten im Dorf steht das Haus von Gottfried von Siebenthal, der jahrelang in Gstaad ein Haushaltswarengeschäft betrieben hat. An der Wand eingerahmt ein Autogramm von Audrey Hepburn, die hier einkaufen war. Bei seinen Dorfführungen erzählt von Siebenthal gerne von seinem geliebten Bergdorf: "Ursprünglich war Gstaad sehr arm, nur von Käse und Kühen hat man gelebt", erklärt er mir. "Aber als 1913 das Palace Hotel eröffnet wurde, kam der Luxus nach Gstaad."

Jeder Gast ein König und jeder König nur ein Gast

Bis heute lässt sich der Jetset mit dem Helikopter einfliegen, um im Palace zu residieren. Schon Grace Kelly hat hier logiert, Marlene Dietrich gesungen und Madonna getanzt. Michael Jackson wollte das Hotel gar kaufen. Am Eingang empfängt mich ein Berner Sennenhund, vor dem Haus stehen schwarze Limousinen.

Schweiz Reportage Gstaat | Grace Kelly 1962 (picture alliance/Farabola/Leemage)

Gstaad 1962: Grace Kelly im Schnee

"In der Hotellobby sitzen gerade Königin Máxima von den Niederlanden und ihr Mann", erzählt mir Hoteldirektor Andrea Scherz. Er führt mich durch das glamouröse Palace, das schon sein Großvater geleitet hat. Er selbst, plaudert Andrea Scherz weiter, habe als Kind mit Roger Moore im Hotel immer Eisenbahn gespielt.

Ein goldener Aufzug bringt uns hinauf zur Suite des Hotels. Anders als ich erwartet habe, ist diese eher gemütlich eingerichtet, ausgestattet mit viel Holz.

Schweiz Reportage Gstaat | Palace (picture alliance/prisma/C. Sonderegger)

Das legendäre Palace Hotel

Ein Bergfeeling, das auch die Reichen und Schönen lieben. Sie kommen gerne nach Gstaad, das sich mit seiner Mischung aus Tradition und Lifestyle gegen die Konkurrenz in Davos und St. Moritz behauptet. "Nach St Moritz geht man, um gesehen zu werden, nach Gstaad um zu genießen", sagen die Einheimischen selbstbewusst.

Wintersport mit Pferd und fetten Reifen

Das Sportangebot in Gstaad ist riesig: Skifahren, Rodeln, Heliski. Oder mit 70 Stundenkilometern hinter einem Pferd durch den Schnee brettern beim Skijöring. Dieser Pferdesport kommt aus Skandinavien und hat in Gstaad eine lange Tradition. Schon in den 50er Jahren ließen sich die Palace-Gäste gerne auf Skiern hinter ein Ross spannen.

Schweiz Reportage Gstaat | Skijöring in den 50er Jahren (Gstaad Palace )

Grüße aus Gstaad: Skijöring in den 50ern

Mit meiner Angst vor Pferden entscheide ich mich lieber für das Fatbike. Ein Fahrrad mit mehr als 12 Zentimeter dicken Reifen, mit denen man auch durch den Schnee fahren kann. Der ist heute allerdings sehr weich, keine guten Bedingungen fürs Fatbiken. Ich steige deshalb mehrmals ab, auch wenn mir Skilehrer Claude Frautschi versichert, dass man weich falle und das Verletzungsrisiko deshalb nicht groß sei.

Die Sache mit dem Schnee

Ursprünglich entwickelt wurde das Fatbike, um auf Sand besser fahren zu können. Und weil Sand und Schnee eine ähnliche Konsistenz haben, kam man auf die Idee, das Fatbiken auch in Wintersportorten anzubieten. Diese Sportart ist eines der Angebote in Gstaad, mit denen man auch für schneearme Tage gerüstet ist. 

Schweiz Reportage Gstaat | Fatbike im Schnee (DW/Sandra Havenith)

Im Trend mit und ohne Schnee: das Fatbike

Auch dieser Winter ist für das kleine Bergdorf im Berner Oberland wieder eine Herausforderung. Es gibt viele graugrüne Flächen, der Ort liegt nur auf 1000 Metern Höhe. Auch deshalb ist das Fatbike eine gute Sache. Denn das geht auch ohne Schnee. Der muss auch jetzt schon oft genug künstlich hergestellt werden, mit Schneekanonen "den besten, die es gibt", wie Tourismusdirektor Sébastien Epiney betont.

Die vielen Pisten Richtung Norden werden da für Gstaad plötzlich zur Hoffnung von morgen. "Lieber nicht so viel Sonne, aber dafür Schnee", so Epiney. Ein Credo, dem sich das Palace Hotel gerne anschließt. Denn auch dort sinkt der Sekt- und Kaviarumsatz, bei weniger Schnee kommen weniger Gäste. Das macht Hoteldirektor Andrea Scherz schon Sorgen. Denn obwohl das Palace mit seiner wunderschönen Terrasse samt Alpenblick auch im Sommer funktioniert, zwei Drittel des Umsatzes werden im Winter gemacht.

Schweiz Reportage Gstaat | Berge (DW/Sandra Havenith)

Pulverschnee in den Bergen über Gstaad

Sternenhimmel statt Hotelsterne

Auch das Iglu-Dorf, hoch oben über Gstaad auf 2000 Metern, musste letztes Jahr später aufmachen, weil es zu warm war. Heute ist davon aber nichts zu spüren. Um mich herum schneebedeckte Berge und Sonne - ein Traumtag. Mittendrin das Iglu-Dorf, das wie ein buckliger Wal in der Winterlandschaft liegt. Drinnen ist es ziemlich kühl, wie ich finde, dafür glitzern überall märchenhafte Eisskulpturen: Libellen und Kolibris, Papageien und Palmen.

Auf den Betten liegen Polarschlafsäcke, in denen man es auch bei Temperaturen bis zu Minus 40 Grad noch warm hat. Und an der Wand hängen Kleiderhaken für die Skikleidung. Denn ohne die wäre es eindeutig zu kalt in dem Märchenschloss aus Eis. Hier, wo man nachts die Berge ganz für sich alleine hat, wenn alle anderen zurück ins Tal gefahren sind in ihre gemütlichen Chalets.

Schweiz - Gstaad (Schweiz Tourismus )

Idylle und Ruhe im Saanenland

Und wenn dann abends die kleinen Lichterketten angehen, die unten im Dorf all die Holzhäuser schmücken, dann ist sie da, die Alpenromantik, die Idylle, die Ruhe, von der mir all die Menschen aus dem Dorf erzählt haben, die Gstaad so lieben und die damit das luxuriöseste Kuhdorf der Schweiz so besonders machen.

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