Großbritannien folgt Australien: Social Media erst ab 16
15. Juni 2026
"Ich kann heute ankündigen, dass die Regierung allen Kindern unter 16 Jahren den Zugang zu Online-Netzwerken verbieten wird", sagte Großbritanniens Premierminister Keir Starmer bei einer Pressekonferenz in London. Die Begrenzung des Zugangs soll nach seinen Worten Plattformen wie Snapchat, TikTok, YouTube, Instagram, Facebook und X einschließen, jedoch nicht den Messengerdienst WhatsApp.
Das geplante Social-Media-Verbot stelle eine "wichtige Etappe" für das Land und seine Familien dar, betonte Starmer. "Social Media machen Kinder unglücklich", begründete der Labour-Chef das Vorhaben. Schließlich würden Heranwachsende dort Inhalten ausgesetzt, die "gefährlich" seien und darauf ausgerichtet, abhängig zu machen.
"Gibt es eine Situation in der echten Welt, wo Sie Ihr Kind mit einem Fremden zusammenbringen würden, einem Erwachsenen, über den Sie gar nichts wissen? Nein, und deswegen müssen wir etwas tun", so der Premier weiter.
Gesetz zum Social-Media-Verbot soll Anfang 2027 greifen
Starmer zufolge soll das Social-Media-Gesetz "vor Weihnachten" verabschiedet werden und dann zu Beginn des kommenden Jahres in Kraft treten, "wahrscheinlich im Frühjahr". Außerdem werde seine Regierung dafür sorgen, dass künftig Gaming- und Livestreaming-Angebote schärfer kontrolliert würden, damit Minderjährige dort nicht von Fremden angesprochen werden könnten.
Ein Verbot für die Nacht für unter 18-Jährige?
Die britische Regierung prüft laut Starmer zudem nächtliche Verbote und obligatorische Pausen beim Endlos-Scrollen für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Details dazu sollen im Juli bekannt gegeben werden.
Die britische Regierung stützt sich nach eigenen Angaben bei dem geplanten Social-Media-Verbot auf die Erfahrungen Australiens. Der Kontinent hatte im Dezember als erstes Land der Welt ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren in Kraft gesetzt. Es folgten mehrere Länder, darunter Indonesien, Frankreich und Kanada, in denen ein solcher Schritt vollzogen beziehungsweise ein entsprechendes Gesetzgebungsverfahren angestoßen wurde.
Deutschland diskutiert ebenfalls über ein Verbot für Kinder
Auch in Deutschland wird über ein Social-Media-Verbot bis zu einem bestimmten Alter diskutiert. Derzeit arbeitet eine von Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) eingesetzte Kommission an Empfehlungen für einen besseren Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt. Ende Juni will das Gremium konkrete Handlungsempfehlungen vorstellen und im September einen Abschlussbericht vorlegen.
Der Deutsche Ethikrat sprach sich in der vergangenen Woche gegen ein pauschales Verbot von Online-Netzwerken für Heranwachsende aus. Stattdessen sei ein ausgewogenes Schutzkonzept nötig, das die Risiken sämtlicher digitaler Angebote berücksichtige, hieß es.
se/pg (rtr, afp, dpa)