Griechenlands Ex-Staatschef Karolos Papoulias ist tot | Europa | DW | 26.12.2021
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Griechenland

Griechenlands Ex-Staatschef Karolos Papoulias ist tot

Der ehemalige griechische Staatspräsident Karolos Papoulias hat sich lebenslang für die deutsch-griechischen Beziehungen eingesetzt. Der DW war er als Mitarbeiter verbunden. Jetzt ist er im Alter von 92 Jahren gestorben.

Zehn Jahre lang stand Karolos Papoulias an der Spitze des griechischen Staates, von 2005 bis 2015. Seit den achtziger Jahren war er Mitglied mehrerer griechischer Regierungen gewesen, zwei Mal war er griechischer Außenminister.

Geboren wurde Karolos Papoulias 1929 in einem Dorf nahe der albanischen Grenze , sein Vater war Generalmajor. Er studierte Jura in Athen und ging danach zu einem Studienaufenthalt an die Universität von Mailand. An der Universität Köln promovierte er über den "Erwerb und Verlust des unmittelbaren Besitzes im griechischen und deutschen Recht".

Während seiner Zeit in Deutschland herrschte in Griechenland eine Militärdiktatur. Karolos Papoulias nahm aktiv am Widerstand teil. Zugleich war er Mitarbeiter des griechischen Programms der Deutschen Welle, damals in Griechenland der vielleicht wichtigste Auslandssender für eine unabhängige Berichterstattung.

Griechenland Athen 2015 | Karolos Papoulias, Staatspräsident & Peter Limbourg, DW-Intendant

Phoenix-Orden für den Beitrag der DW gegen die Militärdiktatur: Staatspräsident Papoulias und DW-Intendant Peter Limbourg 2015 in Athen

Nach dem Fall der Junta im Sommer 1974 kehrte Papoulias nach Griechenland zurück. Im September des gleichen Jahres gehörte er zu den Mitbegründern der Panhellenischen Sozialistischen Bewegung (PASOK), die in den nächsten dreieinhalb Jahrzehnten größtenteils die Regierung stellte.

Deutschland - ein lebenslanger Bezugspunkt

Der Aufenthalt in Deutschland war für Karolos Papoulias aus mehreren Gründen mehr als eine Episode. Seine Beziehung zu den Deutschen reichte lange zurück. Als die deutschen Truppen Griechenland im Jahre 1941 besetzen, war er gerade mal zwölf Jahre alt. Schon zwei Jahre später engagierte der Junge sich in der griechischen Nationalen Befreiungsfront (EAM) im Kampf gegen die Besatzer, bis sie im Oktober 1944 das Land verließen.

Zwanzig Jahre später kam er dann selbst nach Deutschland. Hier lebte er mit seiner griechischen Frau May, hier wurden seine drei Töchter geboren. Als er nach dem Fall der Militärdiktatur nach Griechenland zurückkehrte, blieben sie zurück. Dass sie und auch die Enkelkinder in Deutschland leben, hat ihn tief geprägt: "Ich kam als Student, und als ich nach Griechenland zurückkehrte, habe ich einen Teil von mir hiergelassen", bekannte er in seiner Dankesrede, als er den Kulturpreis der Vereinigung der Deutsch-Griechischen Gesellschaften (VDGG) 2019 in Berlin entgegennahm. Papoulias sei "ein Glücksfall für die deutsch-griechischen Beziehungen", betonte die Vorsitzende der VDGG, Sigrid Skarpelis-Sperk. Er habe beispielhaft zum Verständnis beider Länder beigetragen.

Mit Gauck in Lingiades: "Das ist unser Warschau"

Das war vor allem in der Zeit der griechischen Schuldenkrise wichtig. In der ersten Phase ab 2009 waren die Beziehungen von Anfeindungen, Vorurteilen und Stereotypen über das jeweils andere Land gekennzeichnet. In Deutschland wurde den Griechen unter anderem Faulheit vorgeworfen, in Griechenland wurde mit Reparationszahlungen und Wiedergutmachung für Unrecht in der Besatzungszeit gekontert. Papoulias versuchte, die Wogen zu glätten.

Griechenland Lingiades 2014 | Joachim Gauck, Bundespräsident | Erinnerung an Massaker im Zweiten Weltkrieg

Entschuldigung für deutsche Verbrechen in Griechenland: der damalige Bundespräsident Gauck in Lingiades

Sein deutsches Pendant war der damalige Bundespräsident Joachim Gauck. Gemeinsam hatten sie das Deutsch-Griechische Jugendwerk ins Leben gerufen und gemeinsam besuchten sie am 7. März 2014 das Bergdorf Lingiades in Nordgriechenland. Hier hatten deutsche Besatzungstruppen im Oktober 1943 als Vergeltungsmaßnahme 82 Frauen und Kinder getötet und verbrannt. "Mit Scham und mit Schmerz bitte ich im Namen Deutschlands die Familien der Ermordeten um Verzeihung", sagte damals Gauck in seiner Rede in Lingiades.

Es war das erste Mal, dass sich ein hoher Repräsentant Deutschlands für deutsche Verbrechen in Griechenland entschuldigte. Wie hoch Papoulias diese Geste schätzte, erklärte er damals gegenüber der Deutschen Welle: "Das ist unser Warschau." Damit verglich er die Entschuldigung Gaucks mit dem Kniefall von Bundeskanzler Willy Brandt 1970 am Mahnmal der ermordeten Juden des Gettos der polnischen Hauptstadt.

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