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PolitikGlobal

Reuters Report 2026: Wie sich Nachrichtenkonsum verändert

24. Juni 2026

Immer mehr junge Menschen wenden sich von Nachrichten ab: Der Reuters Digital News Report zeigt beim Global Media Forum in Bonn alarmierende Trends - aber auch Hoffnung. "Journalismus ist weiterhin wichtig", heißt es.

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Junge Männer halten ihr Handy in den Händen ( Symbolbild)
Gerade jüngere Menschen setzen immer mehr auf Social Media als Nachrichtenquelle ( Symbolbild) Bild: Ashish Vaishnav/SOPA Images/ZUMA/picture alliance

Wie informieren sich Menschen im digitalen Zeitalter - und wem vertrauen sie noch? Antworten darauf liefert der Reuters Digital News Report 2026. Die Studie, vorgestellt am Mittwoch beim Global Media Forum (GMF) der Deutschen Welle in Bonn, zeigt, wie sich der Journalismus und seine Nutzung entwickeln - vor allem bei jungen Menschen.

Gleich zu Beginn verbreitet Studienleiter Jim Egan wenig Hoffnung. "Die Daten dieses Jahres sind in vielerlei Hinsicht beunruhigend." Egan ist Hauptautor der weltweit größten jährlichen Umfrage zum Nachrichtenkonsum und zum Nutzerverhalten, die vom Reuters Institute for the Study of Journalism an der Universität Oxford durchgeführt wird.

Ziel des Reports sei es jedoch auch nicht, Zuversicht zu verbreiten, sondern die Realität abzubilden: "Wir wollen Fakten und vergleichende Analysen in eine Branche einbringen, die voller Meinungen ist, aber nicht immer genau weiß, was tatsächlich passiert."

Social Media erstmals ganz vorn

Eine wichtige Botschaft des Reports: Erstmals werden soziale Netzwerke und Videoplattformen weltweit häufiger als Nachrichtenquelle genutzt als Fernsehen oder die eigenen Webseiten und Apps von Medienhäusern.

Dabei handele es sich weniger um einen Boom der Plattformen als um eine Abwanderung von klassischen Nachrichten-Angeboten: "Die Nutzung von sozialen Medien an sich nimmt also nicht besonders stark zu", sagt Egan. "Was wir jedoch beobachten, ist ein Rückgang bei der Nutzung anderer Plattformen, wie beispielsweise Fernsehnachrichten."

Jim Egan, Hauptautor vom Digital News Report 2026 beim Global Media Forum 2026 in Bonn
"Sie steigen nicht nur aus - sie fangen gar nicht erst an": Jim Egan, Hauptautor vom Digital News Report 2026 über den Umgang junger Menschen mit klassischen MedienBild: Björn Kietzmann/DW

Besonders ausgeprägt ist dieser Wandel bei jüngeren Zielgruppen. In den USA haben mehr als ein Drittel der unter 25‑Jährigen nach eigenen Angaben noch nie regelmäßig TV‑Nachrichten oder Nachrichtenwebsites genutzt. "Sie steigen nicht nur aus - sie fangen gar nicht erst an", sagt Egan.

Gleichzeitig warnt der Bericht davor, Reichweite um jeden Preis zu suchen. Zwar nutzen junge Menschen soziale Netzwerke und Videoplattformen intensiv, doch gerade dort sei das Vertrauen in Nachrichten besonders niedrig, so Egan: "Es liegt eine Ironie darin, dass Menschen sich zunehmend Plattformen zuwenden, denen sie weniger vertrauen."

Videos: Auch die langen Formate sind beliebt

Parallel dazu gewinnt der Studie zufolge das Format Video massiv an Bedeutung. Drei Viertel der Befragten geben an, wöchentlich Nachrichtenvideos zu schauen - vor allem auf Social-Media-Plattformen wie YouTube, TikTok und Instagram. Weltweit nutzen 20 Prozent TikTok und 34 Prozent YouTube als Nachrichtenquelle - in einzelnen Ländern deutlich mehr. In Kenia etwa beziehen 66 Prozent der Befragten Nachrichten über YouTube. 

Verlage mit eigenen Videoangeboten könnten von diesem Boom jedoch nicht profitieren, sie verlieren an Reichweite, sagt Egan: "Trotz der Beliebtheit von Videos reagieren die Nutzer nicht positiv auf Videos auf Verlagsseiten."

Gleichzeitig widerlegt der Report ein gängiges Vorurteil über junge Zielgruppen und ihre angeblich kurze Aufmerksamkeitsspanne. Denn auch längere Formate finden Anklang, nicht nur kurze Tiktok-Formate oder Shorts. Rund 20 Prozent der Nutzer geben an, auf YouTube Videos mit mehr als 20 Minuten Länge zu sehen, ein ähnlich großer Anteil verfolgt dort Live‑Nachrichten.

Besonders aktiv seien dabei jüngere Nutzer. "Jüngere Menschen interessieren sich nicht nur für Zwei‑Minuten‑Videos", betont Egan. Zudem verlagere sich die Nutzung zurück ins Wohnzimmer: Ein Viertel der Befragten weltweit schaut Nachrichten auf Plattformen wie YouTube inzwischen auf dem Fernseher.

Drei Bäuerinnen in Kenia schauen in Kenia gemeinsam auf ein Handy, sie erhalten per SMS Informationen zum Wetter (Symbolbild)
Eine Erkenntnis des Reuters Reports: In Kenia beziehen 66 Prozent der Befragten Nachrichten über YouTube (Symbolbild)Bild: Thomas Imo/photothek/picture alliance

Auch Künstliche Intelligenz wird mittlerweile als Nachrichtenquelle gesehen. Der Anteil der Menschen, die KI‑Chatbots dafür nutzen, ist im letzten Jahr weltweit von sieben auf zehn Prozent gestiegen. Das Wachstum sei "schnell, aber nicht explosionsartig", meint Egan. Mangelndes Vertrauen verhindere wohl derzeit eine noch stärkere Nutzung, "aber das wird nicht für immer so bleiben."

Auch andere alternative Zugänge zu Nachrichten hätten sich bislang nicht flächendeckend durchgesetzt. Jüngere Menschen setzten zwar teilweise auf News-Influencer. Diese ersetzen die klassischen Nachrichtenquellen laut der Studie aber selten: Nur zehn Prozent der Nutzer sagten, dass damit all ihre Nachrichtenbedürfnisse befriedigt seien. 

Das Vertrauen sinkt immer weiter 

Egan warnte vor einem weiteren Vertrauensverlust. In 29 von 48 untersuchten Ländern sank das Vertrauen in Nachrichten innerhalb eines Jahres um mindestens drei Prozentpunkte. Weltweit sagen nur noch 37 Prozent, sie vertrauten den Nachrichten meistens. "Daten sollten sich innerhalb eines Jahres eigentlich nicht so stark bewegen", sagte Egan.

Trotz aller Umbrüche betont der Report die anhaltende Bedeutung des Journalismus. "Journalismus ist weiterhin wichtig - in vielerlei Hinsicht wichtiger denn je", sagte Egan in Bonn. Gerade in Zeiten wachsender Unsicherheit und Ängste erwarteten viele Menschen Orientierung.

Wie gefährlich sind TikTok und Co für die Demokratie?

Für den Reuters Institute Digital News Report wurden im Januar 2026 rund 100.000 Menschen in weltweit 48 Ländern zu ihrer Nachrichtennutzung befragt.

Die deutsche Teilstudie wurde vom Leibniz-Institut für Medienforschung in Hamburg durchgeführt. Das Reuters Institute ist eine Forschungseinrichtung der Universität Oxford in Großbritannien und wird unter anderem vom Digitalkonzern Google finanziell unterstützt.

Stephanie Höppner Autorin und Redakteurin für Politik und Gesellschaft