Glossar: Flüchtling, Migrant, Ausländer | Deutschland | DW | 01.08.2019
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Migrationsdebatte

Glossar: Flüchtling, Migrant, Ausländer

Immer wieder werden Begriffe wie "Menschen mit Migrationshintergrund“, "Flüchtling" oder "Migrant“ vermischt. Eine Übersicht über die wichtigsten Ausdrücke, und warum sie häufig falsch verwendet werden.

Ist die Lehrerin mit Kopftuch nun türkischstämmig, hat sie einen Migrationshintergrund, oder ist sie eine Einwanderin? Wann ist jemand ein Migrant, wann Geflüchteter und wann Flüchtling? Es gibt viele Beispiele, in denen bestimmte Begriffe unklar sind oder zu Unrecht synonym verwendet werden.

"Ausländer": Ein problematischer Begriff

Früher haben es sich Menschen in Deutschland leicht gemacht: Lange Zeit wurden Personen ohne deutschen Pass schlicht als "Ausländer" bezeichnet. Der Begriff beschreibt, einfach gesagt, eine Person in Deutschland ohne deutsche Staatsbürgerschaft. Faktisch wird der Ausdruck inzwischen aber vermieden, weil er sehr negative Konnotationen weckt und von rechtsextremer Seite instrumentalisiert wird. 

"Migrationshintergrund": Bürokratisch und altbacken

An die Stelle des Begriffs "Ausländer" trat spätestens mit dem neuen Staatsangehörigkeitsrecht aus dem Jahr 2000 der Ausdruck "Menschen mit Migrationshintergrund". Mit der Reform rückten Menschen mit einer doppelten Staatsbürgerschaft in den Fokus, die bislang kein Ausdruck passend beschrieben hatte.

Zunächst wurde der Begriff "Menschen mit Migrationshintergrund" vor allem in der Verwaltung genutzt, ist dann aber auch in die Alltagssprache übergegangen. Er beschreibt nach einer Definition des Statistischen Bundesamtes in Deutschland lebende Ausländer, eingebürgerte Deutsche, die nach 1949 in die Bundesrepublik eingewandert sind, sowie in Deutschland geborene Kinder mit deutschem Pass, bei denen sich der Migrationshintergrund von mindestens einem Elternteil ableitet.

Das ist eine große, heterogene Gruppe. Das hat dazu geführt, dass vor allem jene Menschen, die in zweiter oder dritter Generation in Deutschland leben, sich mit dem Ausdruck "Menschen mit Migrationshintergrund" nicht mehr identifizieren können. Er beschreibe nicht mehr ihre Lebenswirklichkeit und sei negativ besetzt, sagen viele. Die Neuen Deutschen Medienmacher, eine bundesweite Organisation von Medienschaffenden mit und ohne Migrationsgeschichte, veranstalteten deshalb 2014 einen Workshop, um neue Begriffe zu finden und zu etablieren. Heraus kamen vier Alternativvorschläge: Diverskulturelle, Interkulturelle, Menschen mit internationaler Geschichte und Menschen mit Einwanderungsgeschichte.

Im Fall einer bestimmten Gruppe gibt es noch ein gesondertes Wort, das gerne verwendet wird: türkischstämmig. Es ersetzt laut den Neuen Deutschen Medienmachern oftmals die früher gängige Bezeichnung "Türken" und berücksichtigt, dass fast die Hälfte davon inzwischen deutsche Staatsbürger sind. In einem Glossar, das die Organisation herausgegeben hat, empfehlen sie aber die Bezeichnung "Türkeistämmige", da viele Einwanderer aus der Türkei Kurden oder Angehörige anderer Minderheiten seien und sich nicht als "türkisch" verstünden.

"Migrant", "Flüchtling", "Zuwanderer": Die Sache mit der Einwanderung

Kompliziert wird es, wenn es um Menschen geht, die dem Anschein nach noch nicht lange in Deutschland leben. Besonders der Begriff "Migrant" ist irreführend. Er beschreibt laut dem Statistischem Bundesamt Menschen, die nicht auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik geboren sind, aber hier leben. Was viele nicht wissen: Rund die Hälfte der Migranten sind inzwischen Deutsche. Dazu zählen beispielsweise Spätaussiedler. Im Zusammenhang mit den weltweiten Migrationsbewegungen umschreibt der Begriff Migranten Leute, die ihr Zuhause verlassen. Dabei ist es egal, warum und für wie lange sie weggehen. Migranten gehen zum Beispiel weg, weil sie hoffen, woanders eine gute Arbeit zu finden.

Das unterscheidet Migranten von "Flüchtlingen". Die gehören zwar auch zur Gruppe der Migranten, haben aber aus einem bestimmten Grund ihr Land verlassen: Sie flüchten vor Gewalt oder Verfolgung. Allerdings sind Menschen nicht automatisch Flüchtlinge, sobald sie ein anderes Land betreten. Sie sind zunächst einmal "Asylsuchende". Erst wenn ihre Bitte um Asyl anerkannt wird, gelten sie offiziell als Flüchtlinge. Der Mediendienst Integration, eine Informations-Plattform des "Rats für Migration", empfiehlt deshalb, sollte man es genauer nehmen wollen, die Begriffe "Geflüchtete" oder "Schutzsuchende" zu verwenden.

Ebenfalls oft in diesem Zusammenhang fälschlich verwendete Ausdrücke sind "Zuwanderer" und "Einwanderer". Während "Zuwanderer" laut des Glossars der Neuen Deutschen Medienmacher zunächst einmal Menschen beschreibt, die nach Deutschland ziehen, sind "Einwanderer" Menschen, die gekommen sind, um dauerhaft zu bleiben.

"Südländisch", "People of Color": Das Aussehen beschreiben

In den vergangenen Jahren gab es vermehrt Debatten, die sich um das Aussehen einer Person drehen. Beispielsweise, wenn in Fahndungsmeldungen  von Personen "südländischen Aussehens" die Rede ist. Vor allem letzteres kritisieren die Neuen Deutschen Medienmacher als zu ungenau - sowohl geografisch als auch biografisch. Denn die genannten Personen könnten auch in Deutschland geboren sein, obwohl der Begriff darauf nicht hindeutet.

Der Ausdruck "People of Color" hingegen ist eine Selbstbezeichnung und soll laut einem Glossar der Amadeu Antonio Stiftung, einer deutschen Stiftung, die sich vor allem mit Rechtsextremismus befasst, "Menschen mit Rassismuserfahrungen" beschreiben. Der Begriff markiere eine politische gesellschaftliche Position und verstehe sich als emanzipatorisch und solidarisch.

Was ist dann ein "Deutscher"?

Grundsätzlich beschreibt der Begriff "Deutscher" eine Person mit einer deutschen Staatsangehörigkeit. Die Neuen Deutschen Medienmacher sprechen sich aber dafür aus, den Begriff nicht nur auf Herkunftsdeutsche zu beschränken. Denn fast ein Viertel der Deutschen stammt aus einer Einwandererfamilie. So gesehen ist dann natürlich auch ein "Mensch mit Migrationshintergrund" oder eine "Person of Color" ein Deutscher.

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