Gladbacher Pfiffe gegen die eigenen Fans | Sport | DW | 03.02.2018
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Bundesliga

Gladbacher Pfiffe gegen die eigenen Fans

Borussia Mönchengladbach unterliegt RB Leipzig knapp und verliert den Anschluss an die oberen Plätze in der Tabelle. Für viele Fans ist das Spiel bis zur 19. Minute aber eher nebensächlich.

Die Stadionuhr näherte sich der 19. Spielminute. Dem Zeitpunkt, der das Ende einer geplanten Protestaktion gegen RB Leipzig markieren sollte. Teile der Fanszene hatten im Vorfeld der Partie dazu aufgerufen, 19 Minuten zu schweigen um so gegen das "Kommerzprodukt RB" zu protestieren. "Unabhängig von der sportlichen Etablierung Red Bulls in der Bundesliga, die mit viel Geld erkauft und entgegen Grundsätzen wie der 50+1-Regelung erreicht worden ist, dürfen Spiele gegen dieses Produkt niemals zur Normalität werden", war in einer Mitteilung der Ultras von Sottocultura zu lesen. 

Wenige Sekunden nachdem sich Lars Stindl die erste Gelbe Karte des Spiels abgeholt hatte (18. Minute) positionierten sich die Mönchengladbacher Ultras langsam und bereiteten das Ende des Protestes vor. Erste Pfiffe waren zu hören, die jedoch nicht etwa einer Aktion auf dem Platz, sondern den eigenen Anhängern galten. Teile der Nordkurve, die bereits während der ersten Minuten ihre Mannschaft lautstark unterstützt hatten, demonstrierten ihr Unverständnis gegenüber der Protestaktion der Mönchengladbacher Ultraszene.

Marketing um jeden Preis

Uneinigkeit auf den Gladbacher Rängen. Mit dem Beginn der 20. Spielminute starteten dann aber wieder gewohnten Anfeuerungsgesänge der Ultras. "Ich kann alles verstehen", sagte Gladbach-Spieler Christoph Kramer nach dem Spiel. "So etwas sollte uns nicht und mich persönlich hat es auch nicht beeinflusst."

Spätestens seit dem Bundesliga-Aufstieg der Leipziger 2016 brodelt es in den Fanszenen der Traditionsklubs. Neben Mönchengladbach kritisieren unter anderem auch Kurven aus Köln, Berlin, Dortmund, München oder Dresden das "Projekt RB". Spruchbänder, Plakate und Beschimpfungen gehören für Leipzigs Spieler und Fans zum Bundesliga-Alltag. Auch an diesem Tag präsentierte die "Nordkurve" Schriftzüge, wie diesen: "Höher, schneller, weiter - Marketing um jeden Preis."

Die aktiven Fanszenen sehen die Fußballkultur bedroht. "Wir haben nie kritisiert, dass Red Bull Leipzig nicht in der Bundesliga spielen darf, weil sie schlechten Fußball spielen", sagte BVB-Fansprecher Jan-Henrik Gruszecki im Interview mit Sport1. "Unsere Kritik bewegt sich in die Richtung, dass Leipzig ein reines Marketingkonstrukt und kein Fußballverein ist. Red Bull hat für uns im Profifußball im Allgemeinen nichts zu suchen."

"Es ist eine Gewissensfrage"

Manche Proteste, wie das fast 20-minütige Schweigen in Mönchengladbach, gehen aber auch zu Lasten der Stimmung im Stadion und der Unterstützung der eigenen Mannschaft. "Im Endeffekt ist es natürlich nicht so gut für uns, weil wir ein Heimspiel haben und den Vorteil 20 Minuten nicht nutzen können", sagte Mönchengladbachs Verteidiger Matthias Ginter. "Wir brauchen die Unterstützung der Fans, gerade gegen Gegner, die mit uns auf Augenhöhe sind." Dessen ist sich Dirk Kramer, Sprecher des Mönchengladbacher Fanprojekts (FPMG), durchaus bewusst. "Natürlich ist es eine Gewissensfrage. Aber es geht hier nicht um ein Spiel, sondern um ein Zeichen für die Zukunft des deutschen Fußballs." Einigkeit scheint über die Art und Weise wie über die "Zukunft des Fußballs" debattiert wird, aber momentan noch nicht zu herrschen.

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