Gitarrenbauer Gibson muss umschulden | Wirtschaft | DW | 02.05.2018
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Instrumentenbauer

Gitarrenbauer Gibson muss umschulden

Dem Pionier der elektrischen Gitarre droht der Schlussakkord: Die Kultfirma Gibson kann ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen. Jetzt will das Unternehmen mit einer Umschuldung wieder flüssig werden.

Musikmesse in Frankfurt am Main 2015 (T. Lohnes/Getty Images for Gibson)

Dieses Exemplar - laut Guinness-Buch die teuerste Gitarre der Welt - protzt mit 1,6 Kilo Gold und 400 Karat Diamanten

Der legendäre US-Gitarrenbauer Gibson hat Insolvenz angemeldet und Gläubigerschutz nach Kapitel 11 des US-Insolvenzgesetzes beantragt. Das Unternehmen mit Sitz in der US-Country-Hochburg Nashville im Bundesstaat Tennessee steht mit rund 500 Millionen Dollar (415,6 Millionen Euro) bei Geldgebern in der Kreide und will nun durch eine Umschuldung wieder flüssig werden.

Zugleich präsentierte die Traditionsfirma am Dienstag jedoch eine Vereinbarung mit mehr als zwei Drittel ihrer Gläubiger über eine Umstrukturierung, die Gibson wieder auf die Füße helfen soll, wie Unternehmenschef Henry Juszkiewicz mitteilte. Die Firma beantragte vorläufigen Gläubigerschutz, um sich sanieren zu können. Durch die Vereinbarung mit den Geldgebern würden nach Angaben von Juszkiewicz 135 Millionen Dollar (113 Millionen Euro) an frischen Krediten fließen. Der Geschäftsbetrieb könne so während der Umstrukturierung aufrechterhalten werden.

Die Firma, auf deren Gitarren schon Legenden wie Elvis, John Lennon oder Johnny Cash spielten, steckt trotz eines Jahresumsatzes von rund 1,2 Milliarden Dollar in akuter Finanznot. Analysten hatten schon länger vor Problemen bei der Rückzahlung von Bankkrediten und Anleihen gewarnt. Gibson kratzte in den vergangenen Monaten bereits Mittel durch den Verkauf von Beteiligungen, Immobilien und Geschäftsbereichen zusammen - offenbar nicht genügend. Das 1902 gegründete Unternehmen, dessen Wurzeln bis 1894 zurückreichen, war in Schieflage geraten, nachdem es sich mit gewagten Zukäufen wie der 135 Millionen Dollar teuren Übernahme der Unterhaltungssparte des Philips-Konzerns 2014 verhoben hatte.

New York Rock & Roll Hall of Fame Hall of Fame Chuck Berry Tribute (Reuters/L. Jackson)

Gedenkkonzert für den verstorbenen Gibson-Gitarrenfan Chuck Berry im April 2017 in New York

Gibson ist vor allem durch seine elektrischen Gitarren weltbekannt, darunter das legendäre Modell Les Paul. Viele der berühmtesten Gitarristen der Rockgeschichte - darunter Jimmy Page von Led Zeppelin, Keith Richard von den Rolling Stones, Carlos Santana und Slash von Guns n' Roses - haben Gibson zur Kultmarke gemacht.  Rock-'n'-Roll-Legende Chuck Berry wurde sogar mit seiner geliebten kirschroten Gibson-Gitarre begraben.

Gibson dominiert mit einem Anteil von 40 Prozent den globalen Markt für E-Gitarren, die über 2000 Dollar kosten, wie aus dem Insolvenzantrag hervorgeht. Das Unternehmen schickte 1936 die weltweit erste E-Gitarre in die Serienfertigung und verkauft pro Jahr mehr als 170.000 Gitarren in rund 80 Ländern. Die Sparte Gibson Innovations mit Lautsprechern, Kopfhörern und DJ-Bedarf, die als Hauptgrund der Misere gilt, wird abgewickelt.

tko/hb (afp, dpa, ap)

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