Giftanschlag auf Skripal: Russland nimmt OPCW-Experten ins Visier | Aktuell Welt | DW | 15.04.2018
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Giftanschlag von Salisbury

Giftanschlag auf Skripal: Russland nimmt OPCW-Experten ins Visier

Außenminister Lawrow schlägt im Fall des vergifteten Doppelagenten eine neue Volte: Nun prangert er an, dass die Chemiewaffen-Experten Erkenntnisse zu einem vom Westen entwickelten Kampfstoff verschwiegen hätten.

Britische Soldaten in Schutzanzügen bei Untersuchungen zum Fall Skripal im englischen Gillingham (Foto: picture-alliance/PA Wire/A. Matthews)

Britische Soldaten in Schutzanzügen bei Untersuchungen zum Fall Skripal

Russland erhebt im Fall des vergifteten Ex-Spions Sergej Skripal Manipulationsvorwürfe gegen die internationalen Chemiewaffenexperten der OPCW. Im Untersuchungsbericht der Organisation für das Verbot Chemischer Waffen (OPCW) seien Erkenntnisse zu einem vom Westen entwickelten Kampfstoff verschwiegen worden, sagte Außenminister Sergej Lawrow in Moskau. Ein Schweizer Labor hatte demnach in den Proben vom Tatort Spuren des Nervengifts BZ nachgewiesen.

Lawrow: Kampfstoff BZ von NATO-Staaten benutzt 

Im Bericht der OPCW sei diese Information aber nicht aufgetaucht, sagte Lawrow. Auch die Symptome des Ex-Doppelagenten und seiner Tochter Julia deuteten darauf hin, dass der Kampfstoff BZ bei dem Angriff verwendet worden sei. Eine solche Substanz sei weder in der Sowjetunion noch Russland entwickelt worden, betonte Lawrow. Das Nervengift sei aber von den USA, Großbritannien und anderen NATO-Staaten genutzt worden. Laut Lawrow, der sich auf "vertrauliche Informationen" berief, hatten die Experten des Schweizer Labors Spiez ihre Untersuchungsergebnisse an die OPCW übermittelt. Es stelle sich die Frage, wieso ihre Erkenntnisse nicht in den Bericht der Organisation eingeflossen seien, sagte der Außenminister.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow (Foto: Reuters/R. Orlowski)

Der russische Außenminister Sergej Lawrow

OPCW bestätigte Erkenntnisse Großbritanniens

Die OPCW hatte am Donnerstag in einem Kurzbericht erklärt, bei einer Untersuchung von Blutproben von Skripal und seiner Tochter seien die Erkenntnisse Großbritanniens "in Bezug auf die Identität der toxischen Chemikalie" bestätigt worden. Das verwendete Gift wird in dem Bericht allerdings nicht benannt. Die Organisation äußerte sich auch nicht dazu, wer für den Anschlag auf Skripal und seine Tochter verantwortlich ist. Die britischen Behörden gehen davon aus, dass bei dem Anschlag im südenglischen Salisbury ein Nervengift der Nowitschok-Gruppe aus sowjetischer Produktion zum Einsatz kam. London macht daher Moskau für den Giftanschlag vom 4. März verantwortlich.

Die Zentrale der Organisation für das Verbot Chemischer Waffen (OPCW) in Den Haag (Foto: picture-alliance/AP/P. Dejong)

Die Zentrale der Organisation für das Verbot Chemischer Waffen (OPCW) in Den Haag

Nach britischen Angaben waren Skripal und seine Tochter Julia bereits seit 2013 im Visier des russischen Geheimdienstes. Damals seien E-Mail-Konten von Julia Skripal das Ziel von Cyberexperten des Militärgeheimdienstes GRU gewesen, erklärte der britische nationale Sicherheitsberater Mark Sedwill. Die russische Regierung weist eine Verwicklung in den Anschlag zurück und will die Schlussfolgerungen der OPCW nicht anerkennen, solange nicht auch russischen Experten Zugang zu den in dem Bericht erwähnten Proben gewährt wird. Der Fall führte zu einer schweren diplomatischen Krise zwischen Russland und Großbritannien sowie zahlreichen weiteren westlichen Staaten.

sti/qu (afp,dpa, rtr)